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Der Wanderer.

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BcllktristijchcS BcMatt zur Raffauischcn Allqrm. Zcitmig.

1849. â 868.

Das russische Heer.

Ein interessanter Aufsatz in denGrenzboten" be­leuchtet die schwachen Seiten der Organisation deS russischen HeereS. Wir theilen aus demselben einige Angaben mit.Die Bewaffnung deS Heeres", erzählt der Verfasser, "kann nicht getadelt werden." Die Waffenstücke der Infanterie sind sehr gut gearbeitet, schwer und dauerhaft. Die Hauptwaffe der Kavalerie ist die Pike. Kuirassiere und Husaren gibt eS wenige, Ulanen desto mehr. Sie machen fast drei Viertheile der Kavalerie aus, deren Pferde durchgängig vortrefflich sind. Von den Kosaken, welche ein irreguläres Korps bilden und sich selbst equipiren müssen, läßt sich 'Gleiches nicht sagen. Ihre Waffen sind so roh und schlecht, wir ihre katzenartigen Pferde. Sie sind die Leute deS StehlenS und der Flucht. In dem polnischen Jnsurrektionskriege ist nicht ein einziges Mal der Fall vorgekommen, daß Kosaken einen Sieg errungen hätten; dagegen wurden oftmals ganze Kosaken-Regimenter von wenigen Sensen­trägern zersprengt und in die Flucht getrieben. Als der polnische General Dwernicki hinter Pulawy mit 3000 un- einererzierten Sensenleuten ohne Artillerie neun russische Kavalerie-Regimenter warf und in die Flucht trieb, waren die drei Kosaken-Regimenter die ersten, welche den Platz verließen. Vor Kanonen halten sie niemals Stand, da bewahren sie gewissenhaft die Ehre ihres SprüchworteS: Unsere Piken sind schrecklich, aber Kanonen lassen sich nicht erstechen.""

Sehr ungebildet sind die russischen Offiziere. Viele können nur ein einziges Wort schreiben, nämlich ihren Namen, sonst keins. Bei dem Offizier-Korps der Kosaken ist der traurige Ruhm, weder lesen noch schreiben, und nur hauen und stechen zu können, ein fast allgemeiner. Durch Unwissenheit zeichnen sich nächst ihnen die Offiziere

der Infanterie aus. Allein ihr Dünkel pflegt so groß­artig zu seyn, als ihre Bornirtheit, daher sie diese unter einem Schein von hoher Gelehrsamkeit zu verbergen suchen. So z. B. erscheinen diese russischen Offiziere, welche kein Wort lesen können, sehr gern in Bibliotheken, Buchläden und öffentlichen Lesezimmern. Sie verweilen da lange und betrachten Oie Titel der Bücher mit einer Miene, als ob ihr Geist den innigsten Antheil hätte.

Als ich einen von diesen Herren, welcher in einer Schweizerbäckerei neben mir sitzend wohl zwei Stunden lang unter seltsamen Mienenzuckungen in diePreußische Staatszeitung" gestiert hatte, fragte, was für Weltkunde in dem Blatte zu finden sey, sah er mich anfangs ganz verdutzt an und antwortete dann:Viel Neuigkeit wie es so in der Welt zugeht: in Ungarn hat man ge­stohlen, in der Türkei sind schreckliche Mordthaten vorge« kommen, und England läßt marschiren." Nachdem er sich entfernt hatte, sah ich das ZeitungSblatt an und fand, daß es gar keine Artikel aus Ungarn und der Türkei enthielt, und in den zwei englischen Parlamentsreden, welche sich darin befanden, war kein Wort von Marsch!- ren zu lesen.

Die am wenigsten ungebildeten und unwissenden Of­fiziere im russischen Heere sind die Kurlânder. Sie spre, chen gewöhnlich mehrere Sprachen, und sind nicht blos mit allen Fächern der Kriegswissenschaft vertraut, sondern besitzen sogar eine gewisse akademische Gelehrsamkeit. Da­her findet man sie vorzugsweise in der kaiserlichen Adju- tantur, bei den Garden und dem Geniekorps. Sie pflegen auf'S Schnellste zu den höchsten militärischen Würden empor zu steigen. Ein 35jähriger General, wenn er ein Kurlânder ist, ist in Rußland keine Merkwürdigkeit. Leute dieser Art sind Nesselrode, Saß, Rüdiger, Dehn, Gallitzin, Rosen, Geißmar, Pahlen, Sacken, Richter.