Der Wanderer.
Beiblatt zur Nassauischen Allqem. Zeitung
1849. — â Ski
Ein Meister der schwarzen Kunst.
Altkölnisches Stücklein.
(Schluß.)
Heinrich zog ein langes Gesicht. Wer zehn Jahre wie er in der weiten Welt umhergefahren, hält ohnehin nicht gar zu große Stücke auf Weibertreue; so machte denn die Erwähnung des Galans bei ihm böses Blut, und barsch gab er zur Antwort: Ich sitze hier gut genug in meiner Mutter Haus und will drüben nicht stören.
Doch laßt Euch nicht aufhalten. Der Freier könnte sonst die Geduld verlieren und sich seiner Wege trollen. Ich selber bin für die Jungfer nicht mehr zu haben, und sie soll nicht zwischen zwei Stühlen niedersitzen; hab' mir aus Hispania ein Weiblein mitgebracht, kein Drechsler zu Köln dreht Euch ein zierlicheres Püppchen.
Griet und Drück schickten sich an, ein böses Wetter zu brauen, doch lächelnd hieß Lena sie schweigen. Laßt Euch nicht anführen, sagte sie; sein Pöppchen aus Hispania ist so wenig von Fleisch und Bein, als ich von Marzipan. Ich kenne ihn besser, als Ihr beide. Sprich, Drickes, und laß den thörichten Schwank bei Seite.
Von Fleisch ist die Puppe nicht, aber von Bein, entgegnete Heinrich, indem er ein elfenbeinernes Figürchen hervorzog, knnstreich geschnitzt, zierlich bemalt und vergoldet. Dann fuhr er fort: Dennoch bin ich kein Freier für die Lena. Komm' ich nicht bettelarm zurück aus der Fremde?
Worauf die Jungfer: Bist du denn reich hinauSge- zogen auf die Wanderschaft?
Versteht sich, anwortete er: reich war ich damals durch mich selber. Ich verstand, zu arbeiten, doch das hab' ich rein verlernt und vergessen. Statt meiner Kunst
nachzugehen, gerieth ich unter das Kriegsvolk und bin ein Strolch geworden. Als dein Vater dich mir verhieß, da rechnete er darauf, in mir einen fleißigen Sohn zu erhalten, aber vor dem faulen Schlemmer wird er sich sein bedanken. Zechen und Würfeln ist alles, was ich noch kann. Darum nimm in Gottes Namen deinen Schweizer.
Der alten Griet rannen bei diesen Worten herbe Thränen über die Wangen. Gertrud mußte sich vor Schrecken niedersetzen. Lena wurde in allem Ernste bös. Wenn es ist, wie du sagst, rief sie aus, dann geh und laß dich henken, wo du magst. Ich will im Kloster für dich beten, denn wisse, ich werde nimmermehr eines Andern. Gott befohlen.
Die Strafe für Heinrich's thörichte Eifersucht war scharf. . ., und dennoch so süß. Er griff nach der Liebsten Hand, die nur unvollständige Versuche machte sich ihm zu entziehen, und bald war die Versöhnung voll, ständig gelungen. Lena erstattete treulichen Bericht von des Vaters gefährlichen Verbindungen mit den Neuerern; von Wort und Handschlag, welche er dem Glarner ihretwegen gegeben, und von allem, waS er ihr darüber ge, sagt. Aufmerksam hörte der Ankömmling zu. Endlich sprach er bedachtsam: Haben wir doch insgesammt von Kindesbeinen an daS Wasser auS dem Klüngelpütz getrunken , und brauchten keines Schweizers Ränke und Schwänke zu fürchten. Um den alten Lur-Hennes ist mir auch nicht bange; er ist ein Biedermann und muß sein Wort halten, — daS Wort, welches er schon vor zehn Jahren mir gegeben. Aber laßt uns nicht mit der Thür ins Haus fallen; die Hochzeit wird darum doch nicht später gefeiert werden, als zwischen Allerheiligen und Martini. Setzt Euch her, trinkt 'mal Eins herum und laßt uns fein überlegen, wie wir die Sache handlich angreifen.