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Der Wanderer.

BclletrWchcs Bciblatt zur Naffauischrii 'Mflcm. Zeitmg.

1849. 860.

Cin Meister der schwarzen Kunst. Altkölnisches Stücklein.

(Fortsetzung)

Hennes warf einen bedeutsamen Seitenblick auf den alten Herrn. Zudem war seine Zuversicht auf den nahen < Sieg der Neuerer durch Peter's Mittheilung stark er- schüttert worden, und wenn er es auch ziemlich leicht über sich gewonnen hatte, seiner Seele Heil um des irdischen Vortheils willen mehr oder minder aufs Spiel zu setzen, so verspürte er nicht die mindeste Lust, Gut und Blut daran zu wagen. Um die Sache war's ihm ja nicht zu thun, sondern nur um den Gewinn, welcher sich daraus ziehen ließ.

Ja so, sagte Glareanus: also morgen mehr davon. Wir haben ohnehin etwas Besseres zu bereden, als Span und Hader. Doch vermisse ich immer noch die Gegenwart Eurer Haussrau.

Sie bleibt in der That gar zu lange weg, antwor­tete Hennes; vermuthlich ist sie bei der Nachbarin kleben geblieben. Lauf 'mal hinüber, Lena !

Nimm mich mit, sagte Georg, der bis dahin kein Wörtlein geredet und theilnahmlos da gesessen. Draußen aber sprach er zum EnkelkinderDein Vater steckt sich in schlimme Händel. Wenn er der Warnung nicht achtet, welche ihm Ritter so widerwillig gebracht, so wird er nur zu bald inne werden, wie's drinnen im Frankenthurm aussteht. Vor Allem aber mißtraue er diesem Schweizer. Die Schweizer sind insgesammt falsch wie Galgenholz, und um so ärgere Schelme, je biderber sie sich anzu­stellen wissen. Der Glarner führt Deinen Vater in den Morast, läßt ihn dann ruhig stecken und macht sich auf und davon.

Das Davonlaufen des Magisters war Lena's letzte Sorge; hätte sie doch nichts lieber gesehen, als des Glar­

ners breiten Rücken auf flüchtig enteilendem Roß. Einst­weilen aber sprach sie nicht davon. Nachdem sie den Greis der Obhut seines harrenden Knechtes übergeben, eilte sie ins Nachbarhaus, fest entschlossen, mit der Mut­ter vor dem Gebetläuten nicht heimzukehren, und somit ' die drohende Anfrage des unwillkommenen Freiers um ' eine ganze Woche hinanszuschieben. Wie sie's anstellen ' sollte, die Frau Gertrud so übermäßig lange von daheim abzuhalten, war ihr freilich noch nicht klar. Inzwischen hatte der Himmel schon gefügt, waS das Menschenkind im Finstern tappend erst noch zu überlegen meinte.

Die Nachbarin Griet und des Buchdruckers Weib standen mit theilnahmvollen Gesichtern vor einem Fremd­ling, der behaglich die Füße von sich streckend sich's wohl seyn ließ. Die eine hielt einen Krug in der Hand, wo­raus sie fleißig einschenkte, die andere schnitt Stück für Stück von einem mächtigen Schinken, so daß der Gast vor Speise und Trank sich kaum zu retten wußte, da er, Alles zu gleicher Zeit, essen und trinken, zuhören und er­zählen sollte. Dem Aeußeren nach war er aber keiner von denen, wie sie gewöhnlich in bürgerlichen Wohnungen Aufnahme erhielten, sondern Atzung und Unterstand in der elenden Herberge fanden. Auf und nieder glich der Bursche einem rechten Strolch und Landstörzer. Die Haare hingen ihm, ein krauses Vließ, über die Stirn bis in die Augen. Ein Bart von schier unerhörter Länge und Dichtigkeit, dabei wirr und wild wie Brombeerge­sträuch zwischen dem Unterholz des Eichwaldes, starrte um Mund, Kinn und Wangen. Was zwischen dem Locken­gebüsch sichtbar blieb, war zigeunermäßig braun. Zum verwahrlosten Haupt paßte die Tracht, der rostige Helm mit der rothen Hahnenfeder, das büffellederne Koller, der vergilbte Mantel, das vielfach geflickte Wehr- gehäng. Just so und nicht anders sahen diejenigen Krä­mer aus, welche auf des heiligen römischen Reiches