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Der Wanderer.

BellclrWcheS Beiblatt zur Nassauischen Allqem. Zeitung.

1849. M 839.

Ein Meister der schwarzen Kunst.

Altkölnisches Stücklein.

(Fortsetzung)

Zu Art und Wesen des frohmüthigen Graukopfes paßte eS schlecht genug, wie er mit süßlicher Ziererei der Jungfer die Zeit bot , einen verunglückten Liebesblick zu­warf und vergebens nach der fliehenden Hand haschte. Desto besser stand eS ihm zu Gesicht, als er gleich darauf dem Meister mit freisam derbem Gelächter die Hand schüttelte und sofort einen Blick auf die Weinkanne rich- tete, welcher weder mißglückte, noch von der spröden Lena unbeachtet blieb. Den dargereichten Becher ergreifend, rief der Glarner laut daß die Scheiben klirrten:

Ich bring'S der schönen Jungfer, ich bring'S dem Meister, ich bring'S dem gestrengen Herrn. Dann, nach­dem er bis zur Nagelprobe ausgetrunken, fügte er in acht schweizerischer Redeweise halbleise hinzu: 'n gutes Tröpfli, Bigott!

Zum Meister und zum gestrengen Herrn kam noch ein Dritter, um Bescheid zu thun, wenn der Magister mit ihm angestoßen hätte. Der Mann , eines edlen RatyeS Bote, verstand jedoch auch ohne Zureden zu trinken, und hob dann sein Sprüchlein an: Vergebt, Meister Quen­tel, daß ich Euch am heiligen Tage überlaufe. Ich komme aber nicht in Amt und Pflichten zu Euch, sondern als guter Freund.

HenneS zog eine höhnische Miene und entgegnete, auf einen Stuhl deutend: Wenn meine Freunde zu mir kom­men, so bleiben sie nicht auf der Schwelle stehen. Laßt Euch nieder, Freund Pitter.

Peter schüttelte das Haupt und sagte in nicht allzu liebreichem Tone: Meine Freundschaft ist immer noch halb und halb ein Geschäft, eine Arbeit für den SonntagS- Nachmittag. Ihr besitzt wohlgewogene Gönner im Rath,

Meister Quentel, und die haben mir aufgetragen, Euch hehlings zu verwarnen.

Zu warnen? Wovor?

Vor Euch selber. Die Pädikanten im Frankenthurm haben Euch besagt, daß Ihr heimlichen Handel treibt mit frevelhaften Büchern.

Was gehen den Rath die Bücher an, die ich verkaufe? fuhr HenneS den Frohnvogt an; ich drucke, waS mir be­hagt, und verkaufe, was mir Gewinn bringt. WaS küm­mert das die Rathsherren?

Ihr werdet es inne werden, antwortete Peter, habt Acht, daß Ihr dabei nicht zu Schaden kommt. Die Sachen stehen schlimmer, als Ihr meint. Schon ist der Wein gezapft zum Scheidetrunk für den Clarenbach uud seinen Gesellen. Morgen werden sie zum Grevenkeller abgeführt. Wie lange wird's dauern, so sitzen sie auf der Hacht, wo Ihr Euch mit Ihnen letzen mögt, bevor sie den schweren Gang zum blauen Stein und nach Melaten antreten! Gott befohlen.

Peter drehte sich auf dem Absatz herum und ging seiner Wege. Lur-Hennes sah ihm ziemlich betroffen nach, und des Magisters Wangen hatten die Farbe ver­loren. Die Männer, welche im festen Frankenthurm unten an der Rheinmauer verstrickt lagen, waren des Glarners liebe Freunde und gute Gesellen, Adolph Cla­renbach und Peter Flistcdt, beide Prediger der neuen Lehre von Wittenberg. Nun war zu Köln der Blut- bann nicht der Stadt, sondern des Kurfürsten. Wenn eines edlen Rathes Thurmherren irgend wen gefänglich hatten annehmen lassen und zur Erkenntniß gelangt waren, daß der Ergriffene sich der Anklage schwerlich werde er­wehren können, so stellten sie ihn vor dem Thurm auf die steinerne Sitzbank, reichten ihm zum Abschied einen Labetrunk und überantworteten ihn des Graven Scher­gen. Des Kurfürsten Grave oder Greve, im Munde des