Der Wanderer
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1849. — M 858.
Ein Meister -er schwarzen Kunst.
Altkölnisches Stücklein.
(Fortsetzung)
Wogegen Lena , dankbar für die Unterbrechung der bösen Zwiesprach mit dem Vater, den Ahnherrn auf- munterte, seine oft wiederholten Gründe nochmals zu sagen. Der nahm einen Schluck aus dem dargereichten Becher und begann: Die Buchdruckerei ist eine Erfindung deS bösen FeindeS. Erst schickte er daS Schießpulver in die Welt und hat viel Uebels damit gestiftet. Unsere Väter waren von Alters her mannhafte Kämpen, und wenn sie auf einander losschlugen, so zeigten sie dem Feinde daS Weiße im Auge. Jetzt schießen sie auf tau- send Schritt gegen einander, und weiß Keiner, wie sein Gegner aussieht. So etwas ist feiger Meuchelmord und vor Gott nicht zu verantworten. Mit der altdeutschen Herzhaftigkeit sind auch Treu' und Glauben verschwun- den. DaS aber war dem Erzfeind und Drachenkönig lange nicht genug, denn vor dem Pulver nehmen sich die Leute noch allzusehr in Obacht. Er bedurfte eines Giftes, das süß durch den Mund eingeht und dann erst in den Eingeweiden grimmt. Da gab ihm seine Großmutter den Anschlag ein, die Druckerei in die Welt zu schleudern. Er folgte dem argen Rath. Ich weiß eS noch wie heute, als das erste Geschrei von der neuen Erfindung unter die Leute kam. Der Johannes Faust, ein Bürger von^Mainz, verkaufte die heilige Schrift in der saubersten Abschrift für sechszig Gulden. Die Leute meinten Wunders, was sie daran hätten, denn unter fünfhundert Gulden war zuvor keine Bibel zu haben gewesen. Auch hatte selbst der geduldigste und kunstreichste Mönch niemals so gleichförmig nett und satt alle Buchstaben gezogen. Als Niemand mehr zu finden war, der sechSzig Gulden zahlen wollte, gab der Faust die
Bücher nach und nach immer wohlfeiler, und der Krug ging zu Wasser, bis der Henkel brach. Die Käufer singen an, ihre Handschriften zu vergleichen, und siehe da, sie glichen sich wie ein Wassertropfen dem andern, Blatt für Blatt, Buchstabe für Buchstabe, Schuörkel für Schnörkel in hundertfacher Wiederholung. Das konnte unmöglich mit rechten Dingen zugehen. Nun langte auch von Paris die Botschaft an, daß der Schwarzkünstler die Leute dort in gleicher Weise angeführt hatte und dann entflohen war. So gab es denn einen förmlichen Auflauf; doch half der Kurfürst Theodor dem Hexenmeister davon.
Mein seliger Vater, Gott tröst' ihn! sagte damals mit den anderen Leuten: es geht nicht mit rechten Dingen zu! Wie aber die Jugend immer dem Neuen hold ist, so wollte ich ihm nicht glauben. Die heilige Schrift zu drucken, kam mir gerade nur wie ein gottseliges Werk vor, und fromme Thaten, meinte ich, könnten unmöglich aus dem Höllenpfuhl stammen. Viel später erst lernte ich einsehen, daß die Bibeln des Johannes von Mainz die Köder an den Angelhaken waren, und daß mein seliger Vater, Gott geb' ihm eine fröhliche Urständ! eben so Recht wie Unrecht hatte. Das Drucken selbst ist nämlich keine Hexerei, wiewohl die Leute es damals dafür hielten, sondern eine freie Kunst; aber diese Kunst ist durch des bösen FeindeS Eingebung von seinen Söhnen Guttenberg, Faust und Schösser erfunden worden, um die Welt dem Antichrist in's Garn zu sprengen. Die Jagd ist auch schon lustig im Gange. Die Hörner schallen, die Rüden lauten, die Peitschen knallen, die Rosse stampfen,... nur immer zu in aller Engel Namen, damit die alten Weissagungen sich erfüllen.
Amen! gähnte Hennes. Der Greis fuhr mit leiserer Stimme fort: