Vom Kranz die Stirn umgeben, Der rüst'gen Arbeit Preis, So stehst du heut im Leben Ein hochbeglückter Greis!
Dir blieb im Herzensgründe Ein Stachel nur zurück — Das ist die tiefe Wunde Um m c i n zerstörtes Glück!
Ich weiß ja deine Treue, Die deinem Sohn du hegst, Wie du um mich aufs neue Tagtäglich Leide trägst.
Vor allen meinen Schmerzen Das bitterste ist dies, Daß deinem frommen Herzen Ich diese Wunde riß.
Nicht sind s des Blutes Triebe Was uns zusammenband;
Du hast auö freier Liebe Mich deinen Sohn genannt. Das Höchste, was ich habe, Mein Weib, du gabst es mir. Und hast mit dieser Gabe Mich eingepflanzt bei dir.
Doch, Vater, laß dein Trauern, Schau heute froh zum Licht! Trotz meinen Kerkermauern Geschieden sind wir nichl.
Mein Sehnen wird gelinder Und sanfter wird mein Harm; Ich weiß ja meine Kinder- Auf deinem treuen Arm!
Dich schau' ich durch die Fernen, Wie du den Knaben lehrst Und ihm das erste Lernen In heitres Spiel verkehrst.
So wunderholde Güte War stets ja deine Art; Du schonst des Geistes Blüthe, Und sei sie noch so zart.
Wie schon der kleinste Bube Die Aermchen nach dir streckt! Wie in der Arbeitsstube Der Mädchen Paar dich neckt — Die ältre holt von Launen Mit Augen blau und mild, Die jüngste mit den braunen, Mein feurig Ebenbild!
So laß denn in den Meinen Mein Bild sich dir erneu'n; Dein Alter lass' die Kleinen An meiner Statt erfreu'». Und wenn sie heut dich ehren Mit Band und Blumenstrauß, Dann presse mein Entbehren Dir keine Thräne aus!
Die Muse schirmt den Dichter,
Der Prachtgewänder spinnt;
Oft wurden herbe Richter
Durch Lieder mild gesinnt.
Es hat manch kühner Sänger
Gezähmt des Lehnherrn Zorn;
Drum gräme Dich nicht länger —
Denk' an Bertran de Born !
Die Kugel, welche fehlte
Mein Haupt in Streitesnoth,
Sep dir ein Pfand: mich wählte
Zur Sühne nicht der Tod.
Drum banne heut die Sorgen
Um deines Sohnes LooS:
Mein Schicksal ruht geborgen In guter Götter Schoos! * ,
Rastatt, 29. August 1849. G Kinkel.
Gin Soldat Garibaldis.
(Fortsetzung.)
In Orvieto wurde dem Korps der Eintritt versagt: wir schlugen das Lager eine halbe Stunde entfernt auf einem hochgelegenen Felde auf, wurden aber von der Stadt mit allen möglichen Lebensmitteln und einer übermäßigen Quantität des herrlichsten Orvieto-Weines versehen. Wer übrigens in die Stadt wollte, erhielt in Folge der mit Garibaldi abgeschlossenen Konvention einen schriftlichen Permiß von unserem Stabe. Wir hatten indeß alle Nächte unter freiem Himmel zugebracht; ich hatte mich dadurch in den letzten Tagen erkältet, eine heftige Kolik stellte sich ein, und ich erhielt einen solchen Permiß, um in Orvieto bequem mich abwarten und durch eine kleine Kur mich schnell wieder herstellen zu können. Wir gedachten einige Tage hier zu verweilen. Als ich an dem Felsenthore der Stadt anlangte, trat mir sogleich ein Sergeant der Stadtwache nebst fünf oder sechs Männern aus Orvieto aufs freundlichste entgegen; meinen Permiß, den ich vorzeigen wollte, wollten sie nicht sehen: der sey überflüssig, jeder rechtliche Streiter für die heilige Sache des Volkes habe willkommenen Eintritt; dabei brachten sie mir zu meiner Stärkung nach dem Steigen (die Stadt liegt wie Königstein bei Dresden auf einem Felsenkegel) einen Becher des herrlichsten Orvieto-Weines, den ich aufs Wohl dieser guten Stadt und ihrer braven Bewohner leerte. Die Stadt füllte sich alsbalv mit Leuten von unserem Korps, und ich quartierte mich für tye Nacht in der Aquila bianca ein. Ich speis'te gegen sieben Uhr Abends im Erdgeschosse, mehrere Garibaldische Reiter hielten noch vor dem Hause und entfernten sich bann, weil um sieben Uhr alles im Lager sein sollte, was nicht