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Der Wanderer.

BellktrWchkS Beiblatt zur Nassauischen Ailqem.

1849. .1" 848.

A Die Circassierin.

Geschichte aus der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

Er litt noch an seinen in dem letzten Treffen cr- Haltenen Wunden; das hat ihn zwei Tage in Marseille zurückgehalten. Doch jetzt ist er gänzlich wieder her­gestellt."

Oh! es gibt keinen bessern Arzt als die Liebe . .. wenn sie glücklich ist, wohlverstanden! Doch ich vergesse beinahe eine Sie betreffende Neuigkeit! Erfahren Sie denn, meine schöne Freundin, daß unser junger König dem Herrn von Aydie den Titel Graf beigelegt hat. Sie find also Gräfin."

Was liegt daran, wenn ich nur die Frau des Rit­ters werde."

Das ist nicht Alles. Der Regent hat ihn ferner zu seinem Gardekapitän ernannt. Ich bin selbst ge- kommen, um Ihnen das zu sagen. Doch ich muß Sie jetzt verlassen. Adieu, meine Liebe, schlafen Sie wohl."

Mit diesen Worten umarmte die Parabere zärtlich ihre junge Freundin und ging hinaus.

Als Aissa allein war, machte sie einige Gänge im Zimmer, und sich willenlos einem Klavier nähernd ließ sie ihre Finger zerstreut auf den Tasten umherirren. Sie versank in einen Zustand, wo der Geist durch die auf ihn einstürmenden Gedanken gänzlich in Anspruch ge-, nommen wird und jede Wahrnehmung der äußeren Gegenstände schwindet. Man darf daher nicht erstaunen, daß sich die Circassierin, auf dem Punkte, ein Ziel zu erlangen, das sie lange Zeit zu erreichen bezweifelt hatte, in einem solchen Zustande befand. Verwirrte Noten ohne Zusammenhang, regellose Melodien ertönten unaufhörlich unter ihren Fingern. Plötzlich erbebte die junge Frau,

als wenn sie mit Heftigkeit wieder erweckt worden. Ein Fragment einer Arie aus der Oper Armida klang in ihr Ohr.

Armida! welche Erinnerungen knüpften sich nicht an diesen Namen? War ihr nicht der Ritter von Aydie zum erstenmale in dieser Oper erschienen?

Was bedeutet das, daß zu dieser Stunde plötzlich die Sterbeglocke des nahen Nonnenklosters ihre melancho­lischen Klänge mit den Schwingungen des Klavieres mischt? Draußen ist der Himmel ganz bewölkt; der ' Wind, welcher heulend die entblätterten Zweige der Bäume im Garten bewegt, gleicht einer Stimme, die in dem Luftraume klagt. Von unwillkürlichem Schrecken erfaßt, steht Mffa auf und ruft Sophie, ihre treue Zofe.

Mein Gott, Sophie! sagte sie, was geht denn im Kloster vor? Es ist doch nicht die Stunde, wo die Glocken geläutet werden."

Es ist wahr, Madame; es ist ein besonderer Um­stand dabei. Eine Nonne liegt am Sterben, und man läutet ihren Todeskampf ein, während die Ändern in der Kapelle die Gebete für die Todten halten. Bedarf Madame meiner noch?"

Bleibe. Ich kenne keine dieser guten Nonnen, doch stimmt es mich traurig. Ich habe seit einigen Augen­blicken Furcht, ohne mir die Ursache davon erklären zu können, und alles erscheint mir in düstern Farben. Höre: Beginnt es nicht draußen zu regnen?"

Ja, Madame, sehr stark."

Oh Himmel! bei einem solchen Wetter ist er unter­wegs! Wenn ihm nur kein Unglück zustößt!"

Was können Sie für den Herrn Ritter fürchten, Madame? Wir sind zwar im Herbste, doch sind die Wege noch gut. In dieser Hinsicht haben Sie also nichts zu befürchten!"