Der Wanderer.
Bellcttiftiiches Beiblatt zur Rassauischeu Allgem. Zeitung.
1849. — . 1" 845.
△ Die Circassierin.
Geschichte aus der Zeit der Regentschaft.
(Fortsetzung)
„Wer sagt Ihnen, gnädiger Herr, daß die Ehre ihm gleichgültig sey?"
„Ah so! ich begreife! der Narr will Kardinal werden. Das soll er niemals, ich habe es geschworen."
„Und ich, gnädiger Herr, habe geschworen, er soll es werden! Wer von uns wird sein Wort brechen."
„Ich gewiß nicht!"
„Auch ich nicht!"
„Bei Einem von uns muß es doch geschehen."
„Das können Sie nur seyn !"
„Sie irren, gnädiger Herr, für Sie als Regent des schönen Frankreichs paßt das besser."
„Was soll das heißen, Madame?"
„Weil Sie sicher sind, darin Jemand glücklich zu machen, während eine hübsche Frau, die ihr Wort bricht, stets Jemand unglücklich macht."
„Ich will aber diesen Jemand nicht glücklich machen."
„Gnädiger Herr, ich bitte Sie, nehmen Sie dieses Wort zurück, und thun Sie mir den Gefallen. Bedenken Sie doch, wie drollig er sich im Kardinalskleide ausnehmen wird. Sehen Sie, ich würde 10 Jahre meiner Jugend darum geben, um Herrn Dubois mit dem rothen Hute zu sehen."
„Ich denke, er würde sich abschreckend häßlich aus, nehmen."
„Ach! gnädiger Herr, ich lache im Voraus. Ich sehe ihn schon... Ha! Ha! Hi! Hi! Hi! ich kann nicht mehr."
„Er will am Ende noch Pabst werden!"
„Warum nicht? Das wäre köstlich! Bedenken Sie doch! Ein Pabst, den Sie beschützen würden! ein Pabst, der Ihnen nichts abschlagen konnte! Oh ! wenn ich wüßte, daß Herr Dubois jemals Pabst würbe!"
„Sie würden Ihre Mütze über die Häuser werfen, nicht wahr?
„Meiner Treu, ich fürchte dies."
„Meine Liebe, das gebe ich nicht zu."
„Nun denn! Lassen wir es beim Kardinal bewenden."
„Das ist eS. Er wird also Kardinal bleiben müssen. Um so schlimmer für ihn?'
Schreiben Sie einen Brief an den Heil. Vater, der wie man sagt, nichts mehr als das erwartet, um ihn zum Kardinal zu machen. Ich habe Lust ihn zu schreiben, Sie mögen ihn bann unterzeichnen. Ich habe schon die Feder in der Hand, Dinte und Papier ist da; was wollen Sie Ihrem Sekretäre diktiren?"
„Ah! Spitzbübin, Sie vergessen, daß eine der erstell Pflichten eines Sekretärs darin besteht, seinen Herrn überall hin zu begleiten, und jetzt ist die Zeit, wo meine Wagen bereit stehen und ich nach Fontainebleau reisen will."
„Ist es nur das? Ich gehe selbst mit auf die Jagd, wenn eS seyn muß."
„Sie sind göttlich."
„Diktiren Sie!"
„Gut!" „Sehr Heiliger Vater .. ."
„Ich hab's." „Sehr Heiliger Vater . . ." Welter?
„Ich habe seit langen Jahren in meinem Dienste.. . Haben Sie das?"
„Ja, gnädiger Herr."
„Einen Schuft von Abbe, dessen schlechter Lebenswandel Ihnen wie ganz Europa bekannt ist. Der Narr hat sich in den Kopf gesetzt, Kardinal zu werden. Er