und gespannten Pistolen ihre Forderung. Ich zeigte, ihnen mein Schiffspatent mit dem in einer Kapsel ver- > wahrten Siegel, und gab ihnen zu verstehen, daß ich; hierfür in Alerandria Geld erhalten würde. Unterdessen; hatten sich die benachbarten Beduinen in großer Masse ’ eingefunden; sie wollten alle gleichen Antheil an uns armen Schiffbrüchigen haben, und jede Partei hatte eine andere Absicht mit uns: die eine wollte uns nach Tripolis, die andere nach Tunis, die dritte nach Derna u. s. w. bringen, wo sie uns besser zu verwerthen hofften. Sie kamen zu hartem Wortwechsel und fast zu Schlägereien; nachdem sie uns 2% martervolle Tage lang in Ungewißheit über unser Schicksal gelassen; indem sie beständig stritten, behielt die stärkere Partei, die für Alerandria stimmte, die Oberhand und machte sich mit uns auf den Weg. Obgleich ein Kamee! mit großer Leichtigkeit zwei Personen trägt, so erlaubten uns doch unsere Führer in den Morgenstunden nicht, ein Kameel zu besteigen, so '
daß nach einigen Tagen meine Mannschaft wegen der großen Anstrengung, die der Marsch, in der brennenden Sonnenhitze auf glühendem Sande verursachte, und wegen der dürftigen Nahrung, die Morgens und Abends aus einer Handvoll in Asche von Kameelmist gerösteter Gerste und einem Trunk halbfaulen Wassers bestand, gänzlich erschöpft war. Allein dieser traurige Zustand bekümmerte die Beduinen wenig; sie zogen immer weiter; wenn einer der Unsrigen ermattet niedersank, so stießen sie ihn mit Füßen, um ihn zum Weitergehen zu ermuntern. Wir zweifelten daran, Alerandria zu erreichen. Oesters wurden wir von bewaffneten Arabern angehalten, allein unsere sechs wohl bewaffneten Führer vertheidigten uns und ließen sich ihre Beute nicht abjagen. Zwei Tagreisen von Alerandria flieste man mich mit zwei Führern voraus, um das versprochene Geld auszuzahlen, und behielt die Mannschaft als Bürge. Einige Meilen vom sogenannten Thurm der Araber wurden wir nochmals von sechs Beduinen verfolgt, denen wir jedoch glücklich entgingen, Dank der Schnelligkeit meines Dromedars und der zwei Führer. Am 8. September Morgens kam ich hier an, zahlte das schuldige Geld und Herr Franke, Sekretär des preußischen Konsulats, ein biederer deutscher Landsmann, schickte augenblicklich einen Janitscharen meiner zurückgebliebenen Mannschaft entgegen, die dann theils gegen Abend, theils am folgenden Morgen sich einfand und von Herrn Franke mit größter Fürsorge behandelt wurde."
Miszellen.
Stuttgart. Seit langer Zeit gehörten die Entführungen nur noch in das Reich der Romane, am vergangenen Samstag den 29. September 1849, wurde aber in Kornthal eine Pfarrerstochter aus der Schweiz entführt; sie war wegen einer Liebschaft unter Aufsicht gestellt, ihr Geliebter wandte Alles auf, um einen Menschen zu finden, der sich dazu hergab, um dieses Fräulein zu entführen. Niemand wollte sich dazu hergeben. Endlich wagte es ein ganz junges Mädchen aus Stuttgart, M. S., und durch eine ganz merkwürdige List gelang es ihr, die Pfarrerstochter in den nächsten Wald zu bringen, wo ein Wagen auf sie wartete und im Augenblick waren sie verschwunden; der Räuber und die Geraubte saßen ganz glücklich in Asperg auf der Eisenbahn und die Kornthaler haben das Nachsehen.
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In den jüngsten sieben Monaten sind 140,000 Auswanderer in New-York angekommen. Jeden Passagier nur zu 50 Thlr. gerechnet, so verlor Europa 7 Millionen Thaler baares Geld.
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In Pesth gab es im dortigen altadeligen Kasino dieser Tage eine originelle Szene. Der Jnsurgentenführer Aristides Desewffy, der als Gemeiner in das Fuhrwesenkorps eingetheilt wurde und Mitglied jenes Kasino's ist, traktirte ein halbes Dutzend seiner neuen österreichischen Kameraden mit einem glänzenden Diner, das natürlich in höheren Kreisen viel zu sprechen gab.
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Ein holländisches Blatt, die „Kamper Kourant", meldet, daß kürzlich zu Antwerpen ein Mann, welcher plötzlich, und wie man glaubte, an der Cholera starb, sofort und zwar in seinen Kleidern, die man ihm aus Furcht vor Ansteckung nicht auszog, begraben wurde. Kurz darauf erinnerten sich die Verwandten, daß er vor seinem Tode 100 Gulden eingenommen hatte, die aber nirgends zu finden waren. Sie gruben daher die Leiche aus, um zu sehen, ob das Geld nicht in des Mannes Taschen stecke. Zu ihrem Entsetzen erkannten sie, daß der Unglückliche lebend begraben worden war; im Sarge erwacht, hatte er in der Verzweiflung drei Finger halb abgerissen. Er war nun todt, die 100 Gulden aber fanden sich in seinen Taschen.
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Don Herrn Guizot wird eine neue B r o ch ü r e über die gegenwärtige politische Lage Frankreichs in Aussicht gestellt.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl
Theater zu Wiesbaden.
Sonntag den 14. Oktober. Pfeffer-Rösel, oder:.Die Frankfurter Messe im Jahr 1Ä»5 Schauspiel in 5 Akien von Charlotte Birch-Pfeiffer.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesdade n.