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Der Wanderer.

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LellctrWchcS Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung

1849. .1" 840.

A Die Circassierin.

Geschichte aus der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

Aydie zog Ferriol an ein Fenster, von wo man ein Schrecken erregendes Schauspiel erblickte. Auf dem Platze war ein schwarzes Schaffst errichtet und rings mit Sol­daten umgeben. Die Stille, welche rings herrschte, ward nur zuweileu von einem militärischen Kommando und dem Geräusche der Waffen gestört. Die Dunkelheit einer wolkigen Nacht war nur durch einige Fackeln durchbrochen, die gerade genug Helle verbreiteten, um dem Henker bei seinem Werke zu leuchten. Ein schwarz gekleideter Mann stieg aus das Schaffst und las mit feierlicher Stimme ein Urtheil vor, dessen schrecklichen Inhalt Aydie gegen Ferriol wiederholte.

Ferriol antwortete nicht.

Es schlug vier Uhr auf dem alten Thurme du Bouffay.

Der Kreis des Militärs öffnete sich nach der Seite des Gefängnisses hin, und zwischen zwei Reihen Soldaten schritten vier Männer mit gefesselten Händen. Ferriol erkannte sie; es waren Couëbic, Talhouet, Montlouis und Pontcallet.

Couëdic bestieg zuerst das Schaffst. Muthig hielt er dem Henker seinen Kopf dar, der auch sogleich aus einen Hieb in den Staub rollte.

Die Blässe FerriolS verdoppelte sich; sogar seine Lippen entfärbten sich; doch er blieb noch unbeweglich.

Montlouis sollte als der zweite das Blutgerüste be­steigen; seine Kräfte verließen ihn aber; er wurde von zwei Soldaten hinauf getragen und wie ein todter Körper hingeworfen, in dem nichts mehr lebte, als das Blut, welches in Strömen floß.

Talhouet war der Dritte. Er benahm sich ruhig: Doch war es kein Muth, wie bei Couëdic, sondern christ­liche Resignation; er umarmte den Priester, und beugte sich über den Block; aber sey eS Zufall oder Ermüdung des Henkers, der erste Hieb war nicht tödtlich. Talhouet erhob einen Augenblick das Haupt, das halb vom^Rumpfe getrennt war, und stieß einen klagenden Seufzer aus. Ein zweiter Schlag benahm ihm die Stimme und Bewe­gung, ein dritter das Leben.

Ferriol trat unwillkürlich zurück und hielt seine Hand vor seine Augen, als wenn er die fürchterliche Er­scheinung verjagen wollte, doch Aydie ergriff seine Hand und zwang ihn, noch zuzusehen.

Pontcallet war der letzte; der Koloß trat ruhigen und festen Schrittes vor; doch kaum am Fuße des Schaffots angelangt, zerbrach er mit einer blitzschnellen Bewegung seine Fesseln, warf zwei Soldaten nieder, eilte auf den Platz und suchte mit letzter Anstrengung sich einen Weg durch die Soldatenreihen zu bahnen. Ein heftiger und wüthen­der Kampf entstand, doch ward Pontcallet endlich von der Uebermacht zu Boden geworfen, und gefesselt unter das Beil geschleppt, worauf auch sein Haupt fiel.

Gnade! rief Ferriol mit erloschener Stimme."

Der stolze Edelmann lag auf den Knien; seine.Zähne klapperten, seine Hände zitterten, seine Beine trugen ihn nicht mehr.

Gnade!" wiederholte er knieend.

Schwören Sie, fragte mit feierlicher Stimme der Ritter von Aydie, Aissa den Titel Herzogin von Ferriol zu geben."

Alles, was Sie wollen! stammelte Ferriol."

So schwören Sie denn auf Ebelsmanns-Ehre, daß Sie ihr in Ermangelung der Liebe, die Sie nicht würdig sind, für sie zu fühlen, Ihren Ramen geben wollen;