den ihr gebührenden Rang ertheilt haben, werde ich Malteserritter, und Sie kennen mich zu gut, um noch ferner dem Gedanken Raum geben zu können, daß ich ihr noch länger eine Liebe widmen würde, die für sie eine Beschimpfung wäre."
„Einerlei! Eine Mißheirath befleckt einen edlen Namen eben so gut, als das Urtheil eines Gerichtshofes, und ich wüßte nicht, daß es einem Edelmanne erlaubt sey, einem ungewissen Unglücke,durch unmittelbare Schande zu entgehen."
„Hüten Sie sich, mein Herr! ich habe ruhig Ihren schmählichen Verdacht ertragen. So lange Sie blos mich angegriffen haben, war ich geduldig; doch vergessen Sie sich nicht soweit, auch die zu schmähen, die Gott mir zur Schwester gegeben! Zum letzten Male! nehmen Sie den Vorschlag an?"
„Zum letztenmale wiederhole ich Ihnen, ein Ferriol heirathel seine Sklavin nicht l"
„Herr!"
„Ich wollte sagen, seine Maitresse, vielleicht auch die Ihrige."
„Schweigen Sie!" rief Aydie mit furchtbarem Ausdrucke, „Sie wissen nicht, wie leicht ich mich rächen kann; ich brauche diese Hand, die Sie zurückstoßen, nur zu erheben, um Sie zu zerschmettern."
„Der Gerichtshof, vor dem ich erscheine, wird nicht auf Ihre Klagen hören. Er wird den der Rebellion angeschuldigten Gefangenen richten, und nicht den Edelmann, der in dem Ritter von Aydie einen Nebenbuhler gefunden hat."
„Der Gerichtshof wird den Franzosen, der die Spanier nach Frankreich gerufen, den treulosen Bürger, der zu einem Bürgerkriege seine Hand gebotenj, mit dem Tode der Verräther bestrasen."
„WaS wollen Sie damit jagen? Warum mir vor Allem diese Beschuldigung?"
„Weil der Brief König Philipps V. namentlich an Sie, als den Leiter dieser schändlichen Verschwörung gerichtet war."
„Der Beweis'?"
„Hier ist er! der Umschlag des den Akten beigelegten Briefes, der Ihren Namen nebst dem Siegel des spani- schen Hofes trägt. Eö ist mir von Einem Ihrer Mitschuldigen, dem Italiener Marini, zugestellt worden, welcher um diesen Preis seine Begnadigung erkauft hat."
„Der Schurke! warum traute ich ihm?"
„Sie hatten freilich darin Unrecht. Doch hat er nur mir allein seine Enthüllung gemacht, worüber Sie sich noch Glück wünschen können, denn ich habe vielleicht gegen meine Pflicht diesen Beweis zurückgehalten, der mich zum Herrn Ihres Lebens macht."
Ferriol war unbeweglich. Kalter Schweiß trat auf seine Stirne; er begriff, daß für den verbrecherischen Korrespondenten Philipps V. keine Gnade stattfinden könne, mit knirschenden Zähnen und geballten Händen erwiederte er:
„Der Graf von Ferriol hat zu sehr seine Verachtung gegen die Sklavin ausgedrückt, um Ihren Vorschlag anzunehmen."
„Sie weigern sich also entschieden?"
„Ja."
„Auch dann, wenn die Strafe nahe ist?"
„Wenn selbst das Schaffst da wäre."
„Sehen Sie denn, dort ist es." (Forts, folgt.)
Lychnowski im Feldlager der Carlisten.
(Schluß.)
Ich habe immer nicht begreifen können, wie die Spanier, die sonst die Weiber auf den Händen tragen, jene scheußliche Strafart haben ersinnen können. Der Sünderin wird nämlich das Haar kahl abgeschoren; man entkleidet sie dann bis an die Hüften, bestreicht den Körper mit Honig und bewirft sie hierauf mit kleinen Febern. Ist dieses geschehen, so setzt man sie auf einen Esel, und der Ausrufer (prevonero) führt sie durch die Hauptstraßen des Ortes. Von der Straßenjugend wird sie nun mit Ruthen geschlagen, mit Koth beworfen und auf alle ersinnliche Art verhöhnt. Am Thore wird sie dann abgesetzt , angekleidet und mit einem Fußtritt nach ihrer Heimath, falls sie eine Fremde ist, entlassen. Diese Strafart ist in den Bürgerkriegen gar manchem ehrbaren Frauenzimmer widerfahren, das, von durch den Feind besetztem Orte kommend, Briefe oder sonst verbotene Waare bei sich führte; Männer, die sich dergleichen zu Schulden kommen ließen, erschoß man ohne Weiteres.
Nachdem wir die Leiden der Armen angehört, beschloß Lychnowski, ihr das Geleite zu geben, und ersuchte mich, bei ihm zu bleiben. Im ersten, besten Bauernhause wurde dann ein Maulthier in Beschlag genommen; auf dieses mußte sich Carmen setzen , und durch das Gebirge, Areta umgehend, stießen wir bald auf die Landstraße, die von Bilbao nach Zornoza und Durango führt. Aus den Seitendörfern links und rechts naheten kleine Karawanen von Eseln und Maultyieren, die dem Belagerungs-Heere vor Bilbao Lebensmittel zuführten; singend und frohen Muthes trieben die Treiber ihre Thiete an, Glockengeläute verkündete überall die frohe Botschaft des am Morgen erfochtenen Sieges. Ziegen - und Schaf» heerden weideten an den Abhängen; alte Thürme und