Der Wanderer.
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BklletriftilchcS Beiblatt zur Naffauifchc» Allgem. Zeitung.
1849. — .1" 838.
△ Die Circaffierin.
Geschichte aus der Zeit der Regentschaft.
(Fortsetzung)
Eine Stille trat ein. Plötzlich schien die Favoritin einen Entschluß zu fassen.
„Gnädiger Herr, sagte sie, wenigstens werden Sie mir, bevor Sie unterzeichnen, auf eine Viertelstunde eine geheime Unterredung nicht versagen."
„Dubois, bemerkte der Regent, das kann ich nicht abschlagen."
„Gut denn, gnädiger Herr, erwiederte dieser, in einer Viertelstunde werde ich ihre Antwort holen."
Der Prälat entfernte sich, und der Regent blieb allein mit der Favoritin.
„Nun, meine Schöne, sagen Sie mir doch, welches Interesse Sie bei dieser Sache haben? Ist Einer von Ihren Freunden unter den Verschwornen?"
„Keiner, soviel ich weiß, und doch habe ich ver, fprochen, Einen zu retten."
„Wen?"
„Ich weiß seinen Namen noch nicht."
„ES geschieht wohl für eine Ändere? Wem haben Sie denn dieses schöne Versprechen gemacht?"
. „Das ist mein Geheimniß."
„Immer besser. Ist es eine Wette?"
„Nein."
„Das wäre mir sehr lieb; denn Ihre Forderung kann unmöglich erfüllt werden."
„Sie werden dies Wort zurücknehmen."
„Nein! ich habe Dubois fest versprochen, wie er Ihnen bereits gesagt, diesmal auf mein Begnadigungsrecht zu verzichten."
„Wir wollen eine Uebereinkunft treffen. Sie mögen unterzeichnen, was Dubois verlangt, doch geben Sie mir zu gleicher Zeit Vollmacht, Einen der Angeklagten in Freiheit zu setzen."
„Dieser ist vielleicht gerade der strafbarste von Allen."
„Das weiß ich nicht. Doch bedenken Sie das schöne Verdienst, wenn es ein Unschuldiger wäre."
„Es geht nicht."
„Dann gnädiger Herr, erlauben Sie, daß ich mich entserne. Mein Wagen steht an der kleinen Thüre des Palais.-Royal."
„Wie! Sie haben ihn nicht zurückgeschickt? Wollen Sie diesen Abend nicht mit mir souppiren."
„Gnädiger Herr! ich hatte ein unbestimmtes Vorgefühl, daß diese Unterredung die letzte zwischen uns seyn könnte. In diesem Falle werden Sie begreifen, daß ich sie soviel als möglich abzukürzen suche, damit sic nicht zuviel Reue in mir zurückläßt."
„Oh! Sie sollen mich so nicht verlassen, da ich Sie nach einer langen Abwesenheit wiederfinde, da ichZSie schöner als jemals wiedersehe. Sie wissen ja, daß ich stets zur Milde geneigt bin; glauben Sie, daß, um diesmal eine Ausnahme zu machen, wichtige Gründe vorliegen. Ich begreife nicht, welche Wichtigkeit Sie auf das Leben eines Menschen legen, den Sie nicht kennen. Wenn er verurtheilt wird, so soll man ihn entwischen lassen. Liebes Kind, mehr kann ich nicht thun."
Bei diesen Worten hatte der Regent eine Hand der Parabere ergriffen, die er mit Küssen bedeckte. Sie zog dieselbe jedoch ungestüm zurück und sagte sich erhebend:
„Gnädiger Herr, die Viertelstunde ist verflossen, ich mache dem Abbe Dubois Platz."
Zugleich öffnete sich die Thüre, der^ Minister kam zurück.