Der Wanderer.
BclletrWchcS Beiblatt zur Naffamschen Allqem. Zeitung.
1849. — .4» 837.
△ Die Circassierin.
Geschichte aus der Zeit der Regentschaft.
(Fortsetzung)
In diesem Momente trat die Favoritin ein. Unter, wegs durch eine Unpäßlichkeit aufgehalten, hatten sie einige Tage in RenneS verweilt, wo ein Bote deS Ritters von Aydie sie erreicht hatte. Zum erstenmale erschien sie seit ihrer Reise wieder im PalaiS-Royal. Philipp von Orleans vernahm mit Vergnügen die Ankunft seiner Geliebten; er ward dadurch von einer lästigen Unterredung, die sich nur um Politik drehte, befreit.
„Es that mir Noth, meine Freundin wieder zu sehen nach dem Familienunfall, der mich betroffen*), sagte er zu der schönen Frau; erzählen Sie mir von der Bretagne, meine Liebe, da Sie mich daselbst vertreten haben."
„Ja, ich gratulire Ihnen wegen Ihrer schönen Bretagne... Räuber, Verschwörer, Angriffe auf der Reise, eine wirkliche Belagerung in Ihrem Schlosse von Ploegat . . . daS war das Resultat meiner ergötzlichen Reise."
„In der That, ich erinnere mich, daß Sie mir hierüber einen artigen Brief geschrieben. . ."
„Wozu ich mir die Antwort zu holen komme."
„Da ist sie!" sagte der Regent, und küßte zärtlich die Hand der Favoritin.
Dann wandte er sich zu Dubois:
„Wahrhaftig, sie ist doch noch schön. Meinst Du nicht auch?"
Der Minister antwortete nur mit einer Grimasse, dle Bewunderung ausdrücken sollte. Frau von Parabere, sich ihrerseits zum Prinzen neigend, sagte leise zu ihm:
„WaS macht denn Herr Dubois? ich finde ihn noch häßlicher als früher."
„DaS ist, seitdem er Erzbischof geworden."
*) Der Tod der Herzogin von Derry, seiner Tochter.
„Dann, gnädiger Herr, wünsche ich ihm, daß er niemals Kardinal werde. Auch könnte ich mich nie daran gewöhnen, ihn als Eminenz zu behandeln. Sehen Sie ihn doch nur ein wenig an, ich bitte Sie."
Bei diesen Worten brach die junge Frau in ein solches schallendes Gelächter auS, daß der Regent sich nicht enthalten konnte, einzustimmen. Dubois biß sich auf die Lippen, denn obgleich ganz leise gesprochen wurde, errieth er doch leicht, daß die Rede nur über ihn war; indeß zu klug, um sich aufgebracht darüber zu zeigen, erwiederte er blos in kalt ironischem Tone:
In jeder andern Lage würde ich die Fröhlichkeit theilen, die Madame gestattet, ihre schönen Zähne zu zeigen; aber in einem Augenblicke, wo ich mit dem gnädigen Herrn eben eine, zum Wenigsten betrübende Angelegenheit abgehandelt habe, muß ich gestehen, daß ich vergebens ein Lächeln zu erzwingen suchen würde."
„Was gibt cs denn?" fragte die Parabere.
„In der That, stammelte der Regent, Dubois hat Recht und ich habe Unrecht; im Augenblicke Ihres Eintritts sprach er mit mir von unangenehmen Vorfällen."
„Während der gnädige Herr von Mavame nur An, genehmes erwartet... Kann man denn von Madame etwas Anderes erwarten? Ich begreife, daß ich keine angenehme Rolle spiele."
„Wie, Herr Dubois, waren Sic denn schon jemals in dem Falle?"
„Unverschämte! Madame, ich bin ebensosehr erfreut als Monseigneur, Sie wiederzusehen; doch, könnten Sie ihren Besuch nicht auf eine andere Zeit verschieben? die Staatsangelegenheiten verlangen es. Ich habe von Sr. Hoheit einige Unterschriften zu erbitten. Es ist jetzt noch Tag, und Sie begreifen..."
„Ich begreife, daß von dem Augenblicke an, wo es Tag wird, Sie mir daS Feld überlassen müssen, denn