Der Wanderer.
BellctrWcheS BciblaN zur Nassauischm Allqcuu Zritung.
1849. — .1" 835.
A Die Circassierin.
Geschichte aus der Zeit der Regentschaft.
(Fortsetzung)
Diese beiden Männer, deren Gesicht von einem tief in die Augen gedrückten Strohhute mit breitem Rande und von einem dichten und verwilderten Barte verhüllt war, setzten sich schweigend in den Winkel des großen Kamines. Dort erst entblößten sie ihr Haupt; Aissa erkannte bei dem schwachen Ltchtscheine mit Schrecken den Grafen von Ferriol. Der Andere war Marini.
„Jetzt, sagte Jean zu den Neuangekommenen, müssen Sie mir Ihre Papiere zeigen. Ohne das ist es uns unmöglich, Sie zu beherbergen."
Der Graf und sein Begleiter wechselten einen Blick voll Angst und Verzweiflung; dann sprang Marini plötzlich auf, und bezeichnete Ferriol mit hastiger Geberde die Cirkassierin, die mehr todt als lebendig sie starren Blicks ansah; ein Blitz der Ueberraschung und der Freude erhellte die Stirne des Grafen.
„Wir haben keine Papiere, sagte er dumpf, doch ist hier Jemand, der uns kennt und keinen Anstand nehmen wird, für uns zu haften."
Zugleich stand er auf, ging zu dem Mädchen hin und sagte ganz leise zu ihm:
- „Aissa, Du mußt uns retten. Wir sind seit diesem Morgen wie wilde Thiere gehetzt worden. Mit Hülfe der Nacht sind wir unsern Verfolgern entgangen; aber unser Signalement ist bekannt; Soldaten-Abtheilungen durchstreifen daS Land, und wenn man uns hier ein Asyl versagt, so sind wir verloren. Aissa, einst rettete ich Dich aus den Händen der Henker, willst Du heute diese Schuld abtragen?"
DaS Mädchen blieb einige Augenblicke schweigsam.
„Gott will es, murmelte sie dann, sein heiliger Wille geschehe! Ich bin Ihnen in die Verbannung ge, folgt, ich will Sie auch nicht verrathen, da sie geachtet sind. Meine Freunde, ich kenne diese beiden Männer und bitte, sie aufzunehmen."
Kaum hatte Aissa diese Worte gesprochen, als Jedermann sich beeiferte, den Fremden zu dienen. Die Einen legten Holz an das Feuer, um die Kleider derselben zu trocknen, die Andern brachten Speisen herbei, über welche die beiden Verschwornen mit Gier herfielen, da sie den ganzen Tag ohne Nahrung geblieben waren.
Nachdem sie sich gehörig auSgeruht und erquickt hatten, erinnerte der Pachter, daß es Zeit zum Schlafengehen sey. Man führte die Fremden in eine Kammer, wo sie sich, da Betten in dem Hause des Pächters eine ziemlich unbekannte Sache waren, auf einen großen Haufen Stroh legten.
„Herr Graf, brach endlich Marini zuerst das Schweigen, wobei er die Beine mit einem gewissen behaglichen Gefühle ausstreckte, wir haben gut getrunken und gespeist, und sind für den Augenblick vor den Häschern sicher. Aber ich zweifele sehr, daß man uns lange in Ruhe lassen wird. Der Regen ist vorüber, der Mond geht sogleich auf. Wenn Sie mir folgen wollen, so warten wir den Tag hier nicht ab, sondern machen uns sobald als möglich aus dem Staube. Diese Gegend ist nicht sicher, diavolo! ich fürchte eine Haussuchung!"
„Meiner Treu! erwiederte Ferriol, mit einer Art philosophischer Sorglosigkeit, die vielleicht ein anderes Gefühl verbarg, das beim Anblick seines Schützlings erwacht war, ich befinde mich ganz wohl hier, ich bleibe. Dieses Vagabundenleben, das wir seit mehreren Wochen führen, fängt an mir langweilig zu werden. WaS wollen Sie denn, lieber Marini? Wir haben hohes Spiel gespielt, und die Partie verloren. Wir müssen jetzt bezah-