Der Wanderer.
LkllctristijchcS Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung
1849. — M 833.
△ Die Circassierin.
Geschichte auS .der Zeit der Regentschaft.
(Fortsetzung)
Ein dichter Rauch füllte bereits das Vorgemach und gestattete dem Ritter nicht einmal zu antworten; er machte den beiden Frauen und den Soldaten ein Zeichen, dem Intendanten zu folgen und stieg mit ihnen die Treppe hinab, die zu den Schloßkellern führte.
„Wenn wir die Damen in Sicherheit gebracht haben, sagte er ganz leise zu einem Offizier neben ihm, so wollen wir auf unsere Posten zurückkehren, um dort zu sterben."
Der Offizier antwortete nur mit einem Neigen des Kopfes. Der kleine Zug begab sich unter dem Geleite von Fackeln in den unterirdischen Weg. Nachdem man eine starke Viertelstunde voran geschritten, erblickte man wieder den Sternenhimmel; die Flüchtlinge befanden sich in der Ebene, nachdem sie auS einer Art kothiger Oeff- nung gekrochen, die bei den Bauern für einen alten versiegten Brunnen galt.
„Jetzt, sagte Aydie zum Intendanten, führen Sie die Damen an einen sichern Ort, da Sie die Gegend genau kennen; wir, sagte er zu den Soldaten, kehren auf unsere Posten zurück."
' „Ich verlasse Dich nicht, rief Aiffa , sich an Aydie klammernd; ich kam, um Dich von der Gefahr zu be, nachrichtigen, ich bleibe, um sie zu theilen."
„Sie kam, um ihn zu retten, sagte die Parabere bei sich, die sich wieder etwas beruhigt hatte. Es ist ein edles Herz! Und ich wollte verhindern, daß sie zu Aydie gelange!... Ja! ich will meinen Fehler wieder gut machen!"
Aydie bemühte sich, Mssa zur Flucht zu bewegen,
als plötzlich Stimmengeräusch und Tritte in einem nahen Gebüsche erschallten.
„Wir sind verloren! rief die Parabere, dort sind auch Räuber!"
Bevor man sich jedoch noch in VertheidigungSstand gesetzt hatte, traten die Fremden aus dem Gebüsch; der Intendant erkannte zu seiner größten Freude den Sergeant Avon und seine Kameraden in ihnen.
„Halt! Offiziere, rief Avon, als er die Flüchtigen bemerkte; ach bah! setzte er mit einem Ausdrucke tiefer Verwunderung hinzu, meine Verlobte unter ihnen!..."
„Ich bin der neue vom Regenten gesandte Generalkapitän, sagte Aydie vortretend, durch welchen Zufall kommen Sie hierher, mein braver Sergeant?..."
„Es ist wirklich mein Vorgesetzter, versetzte Avon, die Hand an seinen Hut legend. Ich bin froh, den Herrn Generalkapitän noch am Leben zu sehen, ebenso meine Verlobte,... das heißt das Fräulein, verbesserte er, als er das große Erstaunen Aydie's bei dieser uner, warteten Benennung sah."
„Erklären Sie sich; was führt Sie her und in wiefern ist dies junge Mädchen bei Allem dem betheiligt?"
„Denken Sie sich, Kommandant, erklärte Avon, ein Taugenichts, genannt Meister Peter, hatte mir Fräulein Martha, seine Tochter dort, zur Ehe versprochen."
„Ist das möglich?" rief Aydie, sich zu AUa wendend, die ihm mit einem Blicke die demüthigende Wahrheit bestätigte.
„Man sagte mir oftmals, fuhr Avon fort, die Heirat!) sey eine Falle, doch glaubte ich es nicht... heute war das Verlobungsfest, es hatte uns trinken lassen... ich begann bereits doppelt zu sehen, doch plötzlich wird das Fräulein unwohl, man bringt sie in das Haus zurück, wo man sie päter nicht mehr findet, das fiel mir auf; als es dunkel wird, verschwindet plötzlich der