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Der Wanderer.

Bcllctrischchcs Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1849. .1" 838.

Die Circassierin.

Geschichte auS der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

Einige Minuten später kehrte Aydie zurück, doch nur in der Absicht, der Favoritin eine gute Ruhe zu wün- scheu, welche die Aufregung und die Mühen der Reise ohne Zweifel nöthig für sie machten. Dann entfernte er sich wieder, ohne das boshafte Lächeln zu bemerken, das noch auf den Lippen seiner treulosen und liebenswürdigen Feindin schwebte.

Er schickte einen Offizier mit einigen Soldaten ab, um die Ursache der ungewöhnlichen Signale an der Küste zu erforschen und das verdächtige Feuer zu löschen. Zu der fieberhaften Aufregung, die das Verschwinden Aissa's in ihm hervorgebracht, gesellte sich noch die Un­ruhe über dies neue Ereigniß. Da er nicht die geringste Neigung zum Schlafe fühlte, so stieg er in den Park hinab, der noch von dem zwei Stunden vorher gefallenen Regen feucht war, und irrte längere Zeit aufs Gerade­wohl darin umher. So befand er sich gerade an der Thür deS Pförtners, als ein schwacher Schlag gegen dieselbe sich hören ließ und eine beinahe erlöschende Stimme plötzlich die Worte sprach:

Oeffnet mir... zum letztenmal , ich flehe, öffnet mir . . . oder ich sterbe! . .."

Bei dieser Stimme erbebte Aydie; schnell wie der Blitz riß er die Thüre auf, und umfaßte Aissa, die leb­los in seine Arme sank.

Als der Ritter Aissa in eines der untern Gemächer getragen und das arme Mädchen beim Scheine der Lam­pen betrachtete, wich er erschreckt zurück, ihr Antlitz war voll Blut, ihre Festkleider waren vom Regen durchnäßt und ganz beschmutzt, ihre Füße geschwollen und auf, gerissen.

Die Cirkassierin blieb eine Zeitlang unbeweglich, dann erhob sie das Haupt und sah mit verwirrtem Blicke um sich.

Wo bin ich?" sagte sie.

Bei mir, bei Deinem Bruder, bei Deinem Gatten, wenn Du willst, bei Deinem Sklaven," rief Aydie, seine Lippen auf die eiskalte Hand seiner Geliebten pressend. .>

Aydie!... rief sie, ach! ja, ich erinnere mich, weß- halb ich hergekommen bin."

Was willst Du damit sagen? erkläre Dich!..."

Aber jetzt fielen die Augen A'issa'S auf ein Kruzifix im Zimmer.

Ach! mein Schwur! mein Schwur!" rief sie.

Sprich! was wolltest Du mir sagen?" wiederholte Aydie.

Nichts! ich habe Dir nichts zu sagen, aber Dich um eine doppelte Gnade zu bitten, Dich auf den Knieen darum zu bitten..."

Welche Gnade? Ja, ich wäre sehr glücklich, wenn ich Dir etwas bewilligen könnte! Rede, rede schnell!..."

Aydie, mein Freund, Sie müssen augenblicklich dieses Schloß verlassen!"

Dieses Schloß verlassen... augenblicklich?... das geht nicht... In diesem Moment ist es ein militärischer Posten; ich nehme morgen hier die Musterung der Küsten­wächter vor; hier erwarte ich die Rückkehr einiger Offi­ziere, die ich auf Kundschaft auSgesandt habe."

Sie haben einige von Ihren Offizieren ausgesandt? WaS bleibt Ihnen denn noch hier?"

Ich weiß nicht, fünf ober sechs Mann höchstens."

Ach Gott! rief Aissa, dann ist kein Augenblick zu verlieren!"

Aber nochmals..."

Kein Wort weiter, frage mich nicht mehr; das ist die zweite Gnade, um die ich Dich bitten wollte. Auch