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hätte auch schon Kroatien erobert und Fiume besetzt. Erst um diese Zeit gelangte die Kunde vom Regenten­wechsel in die Festung, deren Besatzung und Bewohner­schaft überhaupt über alles in der größten Unkenntniß lebte, in welchem sie ein Blatt,Ertesitö", das ein Geistlicher, der sich Rozsafy nannte, ursprünglich aber Ruzicka hieß, rcdigirte, zu erhalten bemüht war.

Handel und Gewerbe stockten natürlich unausgesetzt. So lange anfangs die Zernirung nicht seyr enge war, reisten Komorner Kaufleute so wohl nach Wien als nach Pesth, und brachten nicht nur das Nothdürftigste, sondern selbst Luxusartikel. Als die Zernirung enger wurde, hörten dergleichen Reisen natürlich auf. Nichts desto- weniger wurden in Komorn unausgesetzt Wochenmärkte abgehalten , so daß es an Lebensmittel nie fehlte. Bei Gelegenheit des Anwachsens der Donau im letzten Winter, war sogar eine ungeheure Masse von Lebensrnitteln zu Grunde gegangen, ohne daß man den Schaden merklich gefühlt hätte. Indessen nahmen Krankheiten doch bald auffallend überhand und die Srerblichkeit war sehr groß. Die Sanitätsbranche war im Ganzen stets sehr schlecht verwaltet, der Mangel an Aerzten stets ungeheuer. Die Tobten wurden, außerhalb der Festung ganz oberflächlich begraben, so daß sie oft von Hunden herausgescharrt wurden, und sowie die Hitze größer wurde, der unaus­stehlichste Verwesungsgeruch die Luft verpestete. Der ge­fangene österreichische Oberarzt, Dr Thiels, unterlag dem Grame und seinen Anstrengungen.

Auf die Annahme, ja auf die Aufbewahrung von österreichischen Banknoten war der Tod gesetzt. Guyon hatte deren Auslieferung binnen 48 Stunden gegen un­garisches Papiergeld unter Androhung obiger Strafe an­befohlen. Salz wurde nur gegen Silbermünze oder Geld, nicht einmal gegen ungarische Banknoten verabfolgt, so daß alle österreichischen Noten und alles Metall in die Casse der Regierung floß und Gold und Silber ein un­erschwingliches Agio erhielten.

Als die Ungarn die Festung übernahmen, fanden sich in ihr nicht weniger als 4600 Zentner Pulver, eine entsprechende Quantität Munition und 300 Kanonen vor. Die hierzu gehörende Artillerie wurde verhindert, fortan Dienste zu leisten. Um jedoch eine schlechte Be­dienung des Geschützes unmöglich zu machen, wurden den Batterien Honveds-Abtheilungen beigegeben und jede geflissentliche Vernachlässigung, oder jedes absichtliche falsche Zielen mit der augenblicklichen Füsilade bedroht. Später wurden intelligentere Leute, die mit der Insur­rektion hielten, zu den Kanonen gestellt, diese erlernten den Dienst aufs Eifrigste, und so kam denn Komorn bald in Besitz einer ausgezeichneten Artillerie.

Prolog zu Göthes Säkularfeier.')

Begrüßet hohe Musen diesen Tag,

Der uns hier in gesellig heiterm Kreis

Vereinet hat zu froher Festesfeier.

O fingt ein hohes Lied heut jenem Dichter

Den ihr vor tausend Andern habt begabt,

Den in der Wiege ihr schon eingeweiht,

Geschmückt habt mit der Dichtkunst reiner Binde!

O möchtet ihr in festlichem Geleite,

Ihr Himmlischen, uns heute zur Seite steh'n,

Heut' an des Dichterfürsten Wiegenfest,

Auf dem als Kind ihr Eure Himmelsgaben

AuS blüthenreichem Füllhorn ausgestreut;

Den ihr als Jüngling durch des Lebenswogen

Mit fester, starker Götterhand geführt;

Dem ihr als Mann dann der Vollendung Kranz

Gewunden um die freie, edle Stirne,

Dem, als das Alter seine Locken bleichte,

Ihr noch der Weihe hohe Gunst gewährt;

Dem durch ein langes, reiches Dichterieben

Ihr stets der Dichtung Himmelsgunst geschenkt!

Schon ein Jahrhundert ist im Zeitenstrom

Dahingeeilt, seit jener große Dichter

Mit Hellem Blicke und mit offner Stirn,

Umflossen von dem reinen Strahlenkranz

Der Dichtkunst, deren Meister er gewesen^

Daß Göthe in des Lebens Pforten trat.

Und wenn wir hier bei fröhlichem Gesang

Und bei den holden Klängen der Mufik

Des großen Dichters feierlich gedenken, x So möge das Bewußtseyn feiner Größe,

Das ehrfurchtheischend unsre Brust durchdringt, Zu würd'ger Feier unsre Seelen stimmen.

Er war ein Dichter, war's wie Wenige ganz. So reich an jener Gabe des Apoll, So reich an ächter schöpferischer Kraft.

In seinem Haupte wogte prächtig kühn

Ein Funkenmeer von blitzenden Gedanken,

In seinem Busen brannte ewig hell,

Der Dichtung reines, unentweihtes Feuer

In goldnen Säulen zu dem Himmel lodernd.

Schaut nur sein Bild, ein ächtes Dichterantlitz, So ähnlich jenem griechischen Apoll.

Wie deutlich spricht ans ihm der Dichtung Weihe

Und Schöpferkraft auch aus dem kleinsten Zug!

Er, den selbst Byron nennt den Dichterkönig,

Den Deutschland stets mit Stolz den Seinen nennt,

Sowie das Ausland staunend ihn verehret,

Hat überall das Feld der Kunst gepflegt;

Wir seh'n in ihm der Dichtung hohen Meister, Dem Gärtner gleich, der in dem Zanbergarten

*) Dieser Prolog war bestimmt, bei der Feier, welche der neue Turnverein zu veranstalten beabsichtigt hatte, vorgetragen zu werden. Da später der Kunstverein die Sache in die Hand nahm und eine allgemeine Feier im Theater veranstaltet wurde, so unterblieb das Projekt des neuen Turnvereins. Nichtsdesto­weniger wird die leider etwas verspätete Veröffentlichung des obigen Prologs für manche Leser immer noch eine angenehme Rückerinnerung an das schöne Fest gewähren. Die Red.