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Der Wanderer.

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Selletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1849.

.4» 831.

Die Circassierin.

Geschichte auS der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

Die Parabere hatte Mühe, eine Geberde des Ver­gusses zurückzuhalten.Ich habe vergeblich Koketterie rnd List versucht, diesen Hippolyt in der Uniform an neinen Wagen zu ketten; versuchen wir daher die Wir­kung der Dankbarkeit auf sein Herz; wenn dieses letzte Mittel nicht anschlâgt, so ist er unheilbar."

Mein lieber Ritter, sagte sie mit ihrem bezaubernd­sten Lächeln, alle die Aufregungen meiner Reise haben mich vergessen lassen, daß ich Ihnen eine Mittheilung zu machen habe..."

Mir Madame?"

Ja, eine Mittheilung von Seiten der Regierung ... Ich sprach von Ihnen mit Sr. Hoheit dem Regenten; ich rühmte ihm ihre Tapferkeit, Ihre Anhänglichkeit an seine Person; ich sprach den Wunsch gegen ihn aus, die Ueberbringerin irgend eines angenehmen Auftrags für Sie zu seyn ; da blickte er aus seinen Schreibtisch und ein Packet mit Ihrer Adresse ergreifend sagte er,Meine Liebe, bringen Sie ihm das, es ist eine günstige Antwort auf ein Gesuch, daS er mir vor längerer Zeit eingereicht hat. Ich vergaß, es ihm vor seiner Abreise zu schicken; ein Kourier soll ihm seine Ernennung zu dem Posten, dem er erhält, und seine Instruktionen überbringen. Doch Sie sollen ihm allein diese besondere Botschaft über­bringen, die seinen innigsten Wunsch gewährt, den er mir wie einem Freunde enthüllt hat.Glauben Sie wohl, Ritter, daß ich nicht weiß, worin diese Gunst des Regenten besteht. Hier ist der Brief Sr. Hoheit."

Ich danke Ihnen, Madame, und zugleich dem Herzoge von Orleans, sagte der junge Offizier, nachdem er das Schreiben gelesen. Dies Papier enthält für mich

das einzige Recht, das mir noch theuer ist. Es heiligt die Einsamkeit, worin ich von nun an leben will, und legt mir jene Strenge als Pflicht auf, die bisher nur Neigung war; Sr. Hoheit gibt mir die Einwilligung, die ich erwartete, um Mâlteserritter zu werden."

Sie? . . ."

Ja, ich."

Wie ich Ihnen bereits sagte, lieber Kapitän, daß Sie für einen irrenden Ritter geschaffen seyen ! doch, wenn ich nicht irre, hat dieser strenge religiöse Orden sehr strenge Regeln?"

Madame, er schreibt daS dreifache Gelübde der Armuth, deS Gehorsams und der Keuschheit vor."

Ach! Sie sind im Begriff, dieses dreifache Gelübde der Armuth, des Gehorsams und der ... . und ich habe Ihnen die Erlaubniß dazu überbracht! Sehen Sie doch, was Allem man ausgesetzt ist, ohne es zu wissen!... Wann wollen Sie denn dies schöne Vorhaben ins Werk setzen? . . ."

Aber Aydie hörte nicht mehr; ein ungewöhnlicher Gegenstand schien seine Blicke in der Ferne anzuziehen, denn er neigte sich aus dem Fenster nach dem Meere hin.

WaS bedeutet das? rief er, ein Feuer an dem Flusse? das kann nicht ohne wichtigen Grund angezündet seyn ... da man es so weit sicht, muß es sich auf der höchsten Felsenspitze befinden. Madame, sagte er, sich zur Parabere wendend, ich muß die Ursachen dieses befreund- lich'en Ereignisses erforschen; erlauben Sie mir, mich zu entfernen, es geschieht in Dienste des Königs."

Er ging hinaus, nachdem er sich tief vor ihr ver­neigt hatte. Sie zuckte verdrießlich mit den Achseln.

In diesem Augenblick klopfte man an die Thüre, die derjenigen, durch welche Aydie hinausgegangen, sich gegenüber befand; der Pförtner des Schlosses erschien.