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lange mehr dauert, daß eine bessere Zukunft uns bevor, steht. . . Die Nacht kommt, wir können nicht länger in dieser Hütte bleiben. Komm mit mir, wir wollen nach Lamneur zurückkehren. Stütze Dich auf meinen Arm; wenn Du vielleicht noch nicht ganz wieder hergestellt seyn soll­test, so will ich Dich tragen . . .

Bei diesen letzten Worten nahm der alte Edelmann das Mädchen in seine Arme und trug seine kostbare Bürde davon, ohne einmal dem Herrn der Hütte einen Blick zu gönnen, der ihn mit Erstaunen betrachtete.

Draußen herrschte in der dunkeln Nacht tiefe Stille; man vernahm nur das dumpfe Geräusch des Ozeans. Nach ungefähr 200 Schritten auf dem Holprigen Fuß­wege, der nach Lamneur führt, vernahm das geübte Ohr des Grafen ein fernes Geräusch. Ferriol blieb stehen. Bald ward das Geräusch vernehmlicher; zwei Gestalten erschienen in geringer Entfernung.

Wer ist da?" rief Ferriol, und spannte eine Pistol, die er in der Tasche trug.

Bei der heiligen Kunigunde! antwortete eine wohl, bekannte Stimme, ist das nicht Meister Peter? Erkennen Sie denn nicht in uns den Ritter von der guten Gesinnung und den Baron von der guten Hülfe?"

Wohin geht Ihr denn zu dieser Stunde?" fragte der angebliche Meister Peter.

Wir suchten Sie, Herr, eine Angelegenheit von höchster Wichtigkeit .. ."

Still! murmelte eine dumpfe Baßstimme, er ist nicht allein."

In diesem Augenblicke ließ sich ein monotaner Ge­sang an der Meeresküste hören.

Ei! bemerkte der alte Edelmann, es ist unser Freund Voland ; auch kommt eS mir vor, als höre ich ein Geräusch von Rudern. Der Bauer wählt seine Zeit gar eigenthümlich, um auf den Fischfang zu gehen."

Es gibt Fische, erwiederte Marini, der diesmal den Namen Ritter von der guten Gesinnung angenommen, die man nur in der Nacht fängt."

Genug! sagte der Ritter von der guten Hülse, der kein Anderer als Pontcallet war, genug, wenn Sie nicht wollen, daß ich Sie diesen Fischen zur Speise gebe."

Dann flüsterte er Ferriol in'S Ohr:

Bringen Sie eiligst das Mädchen bei Seite, doch soll sie Niemanden sagen, daß sie uns heute Nacht be, gegnet ist! Wir erwarten Sie hier."

Was gibt es denn Neues?"

Sie sollen es gleich erfahren. Der Augenblick ist da, zu siegen oder zu sterben."

Ferriol zuckte; Affsa, welche die unverständliche Unterredung erschreckt hatte, murmelte bei sich, die Hände faltend:

Mein Gott! mein Gott! erbarm Dich meiner!"

(Fortsetzung folgt.)

i Skizzen aus dem badischen Feldzug.

(Fortsetzung.)

Einnahme von Gernsbach.

Von Herrenalb marschirten wir am 29. Juni über einen sehr steilen Bergrücken nach dem würtembergischen Dorfe Loffenau, wo wir in einem Thale lagerten. Auf den gegenüber liegenden Anhöhen hatten sich die Badener verschanzt und die in das Gebirg und nach Gernsbach füh­renden Straßen mit Baumstämmen verbarrikadirt.

Um unö für den bevorstehenden Angriff zu stärken, kochten wir erst unsere Lebensmittel ab und vertilgten den noch vorräthigen Wein Mancher von uns mochte wohl denken, es sey der letzte, den er trinken würde! Doch ließen wir uns ihn darum nicht minder gut schmecken.

Nachdem die nöthigen Vorbereitungen getroffen, setzten wir uns gegen Mittag in Bewegung, und als wir vor den Barrikaden ankamen, fanden wir dieselben unbesetzt die Badener hatten alle für sie so vortheilhaften Po­sitionen bei Loffenau verlassen und sich nach Gernsbach zurückgezogen. Die Barrikaden wurden nun mit Hülfe der dazu requirirten Bauern beseitigt, und wir rückten nun von allen Seiten gegen Gernsbach vor. Unser Ba­taillon erhielt die Aufgabe, durch ein links von Gernsbach gelegenes Thal vorzurücken, mußte aber, um in dieses Thal zu gelangen, erst eine sehr steile Anhöhe ersteigen, und diese auf der andern Seite wieder heruntergehen.

Die Iste Kompagnie wurde seitwärts detachirt, um das bei Gernsbach liegende Dorf Scheuern, so wie eine von den Freischärlern stark besetzte Mühle zu nehmen. Sie wurde darin von mecklenburger Schützen und Bayern unterstützt und nach heftigem Kampfe in welchem von unserer Seite jedoch nur ein Mann gefallen mußten sich die Freischärler zurückziehen.

Die übrigen Kompagnien rückten während dessen nach Gernsbach vor, das von der hessischen Artillerie wirksam beschossen wurde und bei der Ankunft unserer Leute be­reits in Flammen stand. Die 4te Kompagnie wurde der 1sten nachgeschickt, watete glücklich durch die Murg und verfolgte die Freischärler die sich über einen mit Tannen bepflanzten Berg nach Schloß Eberstein zurück, wo an demselben Tage Madame Blenker so zweideutige Pro­ben ihres feinen Geschmackes abgelegt, indem sie das da-