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Der Wanderer.

Beiblatt zur Rassamschen Allgem. Zeitung

1849. .1" 886.

A Die Circassierin.

Geschichte aus der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

Es war Zeit; denn der Hufschlag seines Pferdes ertönte noch die Küste entlang, als Meister Peter oder vielmehr der Graf von Ferriol in die Hütte trat, beglei­tet von Poland, der eine Laterne trug.

Man hat mich also nicht getäuscht, rief der Edel­mann, auf dessen Gesichte sich lebhafter Zorn malte, Du wolltest dein Leben enden, dein Leben, das mir gehört! Arffa, hast Du es denn vergessen?"

Bei diesen Worten ergriff er die Hand der Cirkas- sierin, die noch feucht war von den Thränen und Küssen des RitterS. A'issa schauderte wie bei der Berührung eines glühenden Eisens und zog schnell ihre Hand zurück, dann jagte sie mit dumpfer Stimme:

Es ist wahr, ich hatte es vergessen!"

Ferriol sank auf einen Stuhl nieder und blieb einige Augenblicke schweigend. Sein Haupt war gesenkt, und in seinen Gesichtszügen drückte sich eine tiefe Melancholie auS, die wohl geeignet war, bei einer solchen Natur Er­staunen zu erregen. Während dessen hatte der wilde Noland seine Laterne in einen Winkel der Hütte gesetzt, und sorglos einen alten bretagnischen Gassenhauer sum­mend, beschäftigte er sich damit, in seiner Hütte wieder Ordnung herzustellen.

A'issa, sagte der Graf mit einem langen Seufzer, kann ich nicht erfahren, was Dich zu einem so verzwei- selten Entschlusse gebracht hat?"

Als das junge Mädchen stumm blieb, brach er in Klagen über ihre Undankbarkeit auS; er schilderte alle eine Leiden und Aufopferungen für sie, seine glühende Liebe, und ihre abstoßende Kälte, die ihn beinahe zur Verzweiflung gebracht, in den bewegtesten Ausdrücken.

A'issa konnte nicht umhin, Mitgefühl zu zeigen, alS sie diese bisher ungewohnte Sprache des Herrn von Fer­riol vernahm, und ihn mit ihren großen schwarzen Augen anblickend, in denen sich zugleich ein naives Staunen I und engelgleiche Milde zeigten, sagte sie, wobei sie ihm ihre Hand reichte:

Ich beklage Sie, Herr Graf, ich beklage Sie!"

Ferriol ergriff ihre Hand, drückte sie an seine Lip, pen und ließ eine heiße Thräne darauf fallen.

Du verzeihst mir, nicht wahr? erwiederte er, wenn ich zuweilen hart, strenge, vielleicht gar grausam gegen Dich gewesen! Ich litt so sehr, und es kommt ein Alter in dem Leben, wo die Liebe unbarmherzig macht; denn da gibt es nur noch Sorgen und Qualen.

Ich will Ihnen glauben. Ich glaube Ihnen ver­setzte schüchtern A'issa; wenn eS sich aber so verhält, wie konnten Sie dann über meine Hand bestimmen?"

Beruhige Dich; diese Heirath wird nicht stattfin, den; ich habe Mittel, sie zu verhindern."

Wozu aber einen Unglücklichen täuschen?"

Es muß seyn."

Weßhalb denn?"

Das ist ein Geheimniß , das Du später erfahren sollst."

Warum denn jetzt nicht?"

Weil dieses Geheimniß nicht mir allein gehört, weil ich mein Wort als Edelmann verpfändet, eS keinem lebenden Wesen zu entdecken, und weil eS sich dabei um meinen Kopf handelt."

Es ist also ein sehr schreckliches Geheimniß?"

Kind, glaube mir, suche es nicht zu erfahren, denn es würde Dich wie mich verderben."

Ach mein Gott! ich zittere eS zu errathen."

Es möge Dir genügen, zu erfahren, daß dieses elende Leben, das wir seit einiger Zeit hier führen, nicht