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Der Wanderer.

Scllctristsschcs BriblaN zur Nassauischen Allgrm. Zeitung.

1849. .1" 884.

A Die Circasfterin.

Geschichte auS der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

In diesem Augenblicke ließ sich draußen ein Geschrei »ernehmen, und unterbrach die Rede, welche, wie man vohl sich denken kann, die Aufmerksamkeit Marini'S und eines Gefährten auf'S Höchste gespannt hatte. Jeder­mann stürzte im Tumulte auS der Hütte; der Edelmann and Marini waren nicht säumig, diese Gelegenheit zu benützen, und sich auS dem Staube zu machen, aus Furcht, Don irgend Jemand erkannt zu werden.

Die Leute auS dem Gefolge der Offiziere hatten auf der Spitze von Loquirec eine junge Frau bemerkt, die sich in das Meer stürzte.

Meine Herren," rief der Offizier mit den melancho­lischen Zügen,wir müssen die Frau retten."

DaS ist leicht gesagt," versetzte einer der Offiziere, eS befindet sich jedoch nicht ein Seemann unter uns; auch würden diejenigen, welche schwimmen können, wohl nicht zu einer solchen Zeit und an einer solchen Küste wagen, das Leben einer Unbekannten mit Gefahr ihres eigenen zu retten."

Ist dies wahr?"

Alle schwiegen.

Dann will ich sie retten!"

Zugleich warf er seinen Mantel und seinen Stock ab, und die ihn Zurückhaltenden von sich wegstoßend, eilte er an daS Ufer und sprang in die Wellen, die sich gleich über seinem Kopfe schlossen.

Nach wenigen Augenblicken ergriff er das Unglück, liche Opfer bei seinen langen Haaren, und wollte daS Ufer wieder erreichen, von dem er nur einige Armlängen getrennt war, als plötzlich eine ungeheure Sturzwelle kam. Ein Schreckensruf ertönte: die Welle hatte zwei Opfer statt eines verschlungen.

Als die Woge verschwand, lagen zwei leblose Kör­per auf dem Strande. Man trug sie in die Hütte Noland's, wo ein großes Feuer angezündet wurde. Durch die umsichtige Behandlung des wilden Bretagners, der von Kindheit an mit diesen Ereignissen vertraut war, kam der Offizier bald wieder zu sich.

Seine erste Sorge ging dahin, sich nach der zu erkundigen, für die er sein Leben gewagt. Man belehrte ihn, daß ebenfalls Hoffnung vorhanden, sie zu retten.

Wenn das ist, versetzte er, so ist hier für mich nichts mehr zu thun. Zu Pferde! Geben Sie diesen braven Leuten eine Börse, und sagen Sie ihnen, wenn ich den­selben irgendwie nützlich seyn könne, so mögen sie mich im Schlosse von Ploegat aufsuchen."

Schon abreisen! erwiederten mehrere Stimmen! das geht nicht; Sie sind noch nicht hinlänglich hergestellt."

Oh doch! meine Herren."

Wie! Kommandant bemerkte einer der jungen Edel­leute, Sie wollen nicht einmal die Person sehen, die Sie gerettet? Sie haben Unrecht, auf mein Wort! denn sie ist eins der artigsten Geschöpfe, die ich in meinem Leben gesehen."

Was geht mich ihre Schönheit an" ? war die Ant­wort in melancholischem Tone.

Es ist doch auffallend, bemerkte Einer der Anwesen­den leise, daß der Kommandant blind und stumm gegen die schönere Hälfte des menschlichen Geschlechtes ist; waS sagen Sie dazu, meine Herren?"

Bei meiner Seele! versetzte ein Anderer, es kommt mir vor, als sey ich diesen schönen Zügen schon irgendwo in meinem Leben begegnet."

Geh doch! Du weißt nicht, was Du sagst, eS ist das erste Mal, daß Du nach der Bretagne kommst."

Das ist richtig ; doch ich verstehe mich etwas darauf; es ist keine bretagnische Schönheit."