dienen, so geschieht das in der Hoffnung, daß seine erste Handlung seyn wird, die Agenten des Fiskus und Zollwesens abzusetzen oder mindestens ihnen zu befehlen, den Adligen nicht in den Weg zu treten. Ich habe meine Bedingungen in dieser Hinsicht gestellt."
„Sie haben sehr recht gethan."
„Nun wieder zu unserer eigentlichen Absicht. Man muß an Herrn von Melac schreiben, um ihn von den in der letzten Versammlung der Edelleute gefaßten Beschlüssen in Kenntniß zu setzen und ihm anzuzeigen, daß an dem Tage, wo er ein Feuer auf der Spitze von Locquirec erblickt, die spanische Flotte ihre Ausschiffung beginnen muß."
„Wer soll den Brief überbringen?"
„Der Mann, den Sie kennen."
„Welcher Mann?"
„Der Herr dieser Hütte, der jetzt Wache hält, daß wir nicht überfallen werden. Es ist ein kühner Seemann."
„Gut, sehr gut! doch wer soll diesen Brief schreiben?"
„Wer? Sie!"
„Warum wollen Sie nicht selbst dies Geschäft übernehmen? Herr von Melac gehört, wie man mir sagte, zu Ihren Freunden, und . . ."
„Warum . . . Warum . . . weil ich der Verschwörung nicht beigetreten bin, um zu schreiben, sondern um zu handeln. Ein Pontcallet hat niemals aus der Jagd einen Wolf oder einen Eber verfehlt, noch in der Schlacht einen Engländer; doch wenn er kritzeln soll, überläßt er diese Sorge seinem Kaplan. Wir haben hier alles zum Schreiben Nöthige . . . schreiben Sie."
„Ich bin aber kein Kaplan."
„Haben Sie mir nicht gesagt, Sie seyen Kammerherr des Papstes?"
„Ich verstehe das Französische aber nicht sehr gut; ich bin ein Ausländer, Jialiano, mein Herr."
„Thut nichts. Vorwärts nur!"
„Nur um Ihnen gefällig zu seyn, Herr von Pontcallet. Doch Sie werden den Brief wenigstens unterschreiben."
„Ich werde mein Möglichstes dabei thun."
(Fortsetzung folgt.)
i Skizzen aus dem badischen Feldzug.
(Bon einem Soldaten des nunmehrigen Herzog!. Nassauischen zweiten Bataillons.)
Unser Bataillon, welches schon seit Februar Kantonnements in und bei Weilburg bezogen hatte, mar- schirte am 12. April von Weilburg ab nach Wiesbaden.
Mit wehmüthigem Herzen zogen wir ein in die Kaserne, deren Bewohner einige Stunden früher mit fröhlichem Muthe ausgezogen waren, um ihre bedrängten Brüder im Norden aus den Händen des hinterlistigen deutschen Erbfeindes befreien zu helfen. Uns war das weniger beneidenswerthe Loos beschieden, nicht sehr angenehmen Garnisonsdienst zu versehen, dessen Freuden wir jedoch nicht lange genießen sollten, denn wir wurden bald darauf zur Besetzung der Taunus-Eisenbahn zwischen Höchst und Kastell verwendet.
Es war um diese Zeit, als die Wirren in Baden ihren Anfang nahmen, und der Ausmarsch unsers 3ten Bataillons zu den gegen Baden operirenden Reichstruppen, sowie der Umstand, daß die süddeutschen Truppen meistens an dem Kampfe gegen Dänemark Theil' genommen , machten es wahrscheinlich, daß auch wir folgen würden. Unsere Vermuthung wurde bald Wahrheit, denn schon am 2. Pfingsttage erhielten wir den Befehl, nach Großgerau zu marschiren.
Die Pfingsttage pflegen für Jedermann ein Tag der Freude zu seyn, und so hatten auch wir uns dem himmlischen Kinde ergeben, als plötzlich gegen Abend zu ungewohnter Stunde die Trompete uns zusammenrief. Es wurde uns mitgetheilt, daß wir den folgenden Tag ab- marschiren würden. Eines so plötzlichen Ausmarsches hatten wir uns nicht versehen und wir mußten daher, so gut es eben gehen mochte, unsere Sachen ordnen und packen.
War dadurch die Pfingstfreude auch etwas gestört worden, so wußten wir uns doch für den Rest des Abends zu entschädigen und es wurde mancher zärtliche Abschied genommen.
Am Pfingstdiensttage marschirten wir des Mittags, nachdem wir von einem Bataillon Kurhessen abgelös't worden waren, aus den verschiedenen Kantonements ab und kamen Abends in Großgerau an. Hier sollten wir die weiteren Bestimmungen abwarten und wurden daselbst einquartirt. Andern TagS wurden wir schleunigst nach Darmstadt beordert, wo wir das letzte, noch in Garnison befindliche hessische Bataillon abzulösen bestimmt waren. Die Darmstädter Bürgerwehr versah ■— man kann sich denken, gewiß nicht zu unserm Verdruß — den Wachtdienst, weßhalb nur eine Kompagnie von uns in die Kaserne auf Bereitschaft zu liegen kam, während dem die übrigen einquartirt und von den Bewohnern gastfreundlich aufgenommen wurden.
Am folgenden Tage marschirten wir von Dar^mstadl nach dem einige Stunden davon entfernten Dorfe Roff dorf, am Fuße des Odenwaldes und an der nach Bayerr führenden Straße gelegen. Wir hatten seither nur bet Odenwald von seiner poetischen Seite aus schildern hö