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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1849. .1" 888.

A Die Circasfierin.

Geschichte auS der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

XIV.

Am MeereSufer.

In der Nähe des Felsens von Locquirec saßen zwei bretagnische Bauern in einer Hütte. Beide stützten ihre Arme auf einen Tisch, auf dem sich eine Kanne, Zither und zwei zinnerne Becher befanden, und rauchten ruhig ihre Pfeife neben einem großen Kamine, worin e>n dürf- ligeS Feuer brannte. Ihr Haupt war mit einem breiten Hute bedeckt, der bis auf die Augenbraunen reichte, so daß es schwer hielt, ihre Züge zu unterscheiden.

Bei der heiligen Kunigunde! rief der größere aus, wissen Sie, Herr von Pontcallet, daß wir schön entwischt sind heute Morgen? Mich überläuft noch eine Gänse­haut, wenn ich daran denke."

Ohl ich erschrecke nicht so schnell, erwiederte eine tiefe Baßstimme; wir konnten überrascht werden, das ist wahr, doch hatte ich wenigstens zwei oder drei dieser Küstenwächter massakrirt, denn die Hunde haben sich er­kühnt, einen Ballen Tabak in Beschlag zu nehmen, der für mich bestimmt war, und früher oder später muß ich mich dafür rächen."

, Mit diesen Worten legte der Sprechende seine Pfeife auf den Tisch, und streckte zwei nervige Arme aus, die selbst den Neid MilonS von Croton erregt haben würden.

Wie Ew. Erzellenz belieben," erwiederte Marini, durch diese Demonstration etwas beunruhigt;ich für meinen Theil mag nicht gern mit den Herrn Wächtern zu thun haben; um allen Verdacht zu vermeiden, habe ich ebenso wie Sie die Kleidung eines bretagnischen Bauern angelegt. Finden Sie mich sehr entstellt, Erzellenz?"

DaS kümmert mich nicht! und lassen Sie den Erzellenz weg! Nennen Sie mich, wie Sie wollen, aber nicht mit diesem Namen, verstehen Sie?"

Vollkommen; doch Sie haben gut reden, ich fürchte immer, daß die Polizei von Monsignor Dubois in mir einen Grafen des heiligen römischen Reiches erkenne, einen Geheimrath des heiligen Vaters, des PabsteS, einen . . ."

Genug, zum Teufel! genug; wir sind nicht hier, um unS mit solchen Dummheiten abzugeben. Lassen Sie uns auf den einzigen Gegenstand zurückkommen, der unS beschäftigen darf. Herr v. Melac ist in kleiner Entfer­nung von hier an Bord der spanischen Flotte, und erwartet Nachricht von unS; das muß noch heute geschehen, und deßhalb habe ich Sie hierher gebracht, wo wir keine Gefahr laufen, überfallen zu werden."

Sind Sie dessen ganz gewiß, Herr von Pontcallet?"

Sollten Sie sich fürchten, Herr Marini?"

Ich? Im Gegentheil . . ."

Um so besser! Ein Verschwörer, welcher sich fürch­tet, ist so gut wie ein Verrâther, und meine Meinung ist, daß man sich dessen entledigen muß . . . wie man eben kann."

Sie glauben, mein Herr? Sie glauben? . . ."

Ich weiß es gewiß. Uebrigens sind wir hier bei einem Angehörigen meiner Besitzung Pontcallet, der mir ganz ergeben ist, und sich nöthigenfalls für seinen Herrn opfern würde. Ich habe ihn in diese Hütte beschieden, um meine Angelegenheiten mit den. . . Küstenhändlern abzumachen."

Küstenhändler?"

Küstenhändler oder Schmuggler, ist baö nicht einer­lei? Die Pontcallet waren stets vom Vater auf den die Feinde des Fiskus und des Zollwesens, und wenn ich einwilligte, der Sache des Königs Philipp V. zu