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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgèm. Zeitung.

1849. .1" SIS

Die CircafsLerin. .

Geschichte aus der Zeit der Regesutschaft.

(Fortsetzung)

Wieder dieser Name, dieser verfluchte Name! Aiffa, ich werde Dir das nicht versprechen, denn meine Liebe ist zu groß, als daß ich mein Versprechen halten könnte. Weißt Du wohl, Kind, daß ich jetzt nur noch Dich allein auf der Welt habe, um dieser Liebe zu genügen? Ja, Du bist jetzt mein einziger Schutz, mein einziger Trost, mein Leben. Vor zwanzig Jahren hätte ich mich in einem solchen Falle ohne Zweifel getröstet. Ich war damals jung, reich, ich streute Gold mit vollen Händen aus. Doch jetzt kommt das Alter, ich besitze keine Tugend, kein Vermögen, Nichts mehr, was die Frauen verführt. Du siehst wohl, A'iffa, daß Dn mein seyn mußt."

Nie! Nie!"

Oh! Du wirst dies Wort widerrufen. Höre, A'sffa, bis jetzt habe ich Dir noch nicht Alles gesagt, was ich auf dem Herzen hatte. So groß Dir auch das Opfer, daS ich von Dir zu fordern das Recht habe, Vorkommen mag, glaubst Du denn, daß es denen gleich komme, die ich gebracht, um Dich zu retten? Daß ich von Ludwig XIV. meines Gesandtschaftspostens enthoben, daß ich fünf Jahre lang aus Frankreich verbannt wurde, geschah das nicht Deinetwegen? Daß ich ruinirt bin, ist das nicht Deine i Schuld? Ich habe das Geld, das man mir zu ganz f anderm Zwecke gesandt, zur Bezahlung Deines Lösegeldes verwendet; ich war dem König ungehorsam. Und nun soll ich einem Andern eine Eroberung abtreten, die soviel Unglücksfälle und Opfer mir sichern mußten? Nein, das soll nicht geschehen! Du wirst nicht mehr aus diesem Hause kommen, das Dein Gefängniß geworden ist."

Bei diesen Worten näherte sich Ferriol wuthzitternd Mssa, die auf den Knieen lag; sie sprang jedoch schnell auf und antwortete:

Es genügt, Herr Graf; Sie find unerbittlich, Sie haben das Recht dazu, da Sie der Herr sind und ich die Sklavin; doch ich kenne einen Jedermann offenstehen­den Ort, wo der Herr nichts über den Sklaven vermag, und da Sie mich dazu nöthigen, so erkläre ich Ihnen, daß ich Ihnen lebendig nicht angehören werde!"

Wie! Du trotzest mir noch!" rief der außer sich gebrachte Graf;wohl denn! schreibe Dir allein Alles zu, was jetzt geschieht!"

Zugleich schellte der Graf heftig. Ein Diener eilte herbei.

Bis heute, sagte der Graf zu diesem Manne, wo­bei er auf die Circasfierin hinwies, habt Ihr diesem Mädchen wie meiner Schwester gehorcht; von diesem Au­genblicke an soll es nicht mehr geschehen. Dieses Mäd- chen ist nicht einmal Euch gleich, hört Ihr? sie ist eine Sklavin, und soll wie eine solche behandelt werden. Führt sie aus meinen Augen fort, und gebt ihr Mägdekleider, sie verdient feine Andern. Hinweg, Sklavin! Man rufe mir La Roche, meinen Kammerdiener."

Traurig aber resignirt erhob Aissa ihre schönen Au­gen zum Himmel, und ging in Begleitung des Dieners hinaus, der sie mit tiefem Staunen betrachtete.

XL

Straße Payenn e.

Man kann sich leicht einen Begriff von der großen Verwunderung machen, mit der die große Neuigkeit von der Dienerschaft des Hotel Ferriol ausgenommen wurde. Fräulein Asssa vertauscht den Salon mit dem Vorzim­mer; Fräulein Aissa, die Lehrer in den Wissenschaften^ in Musik und Tanz gehabt, ist verurtheilt, Alles das zu vergessen, und Kammermädchen oder vielleicht sogar Küchenmagd zu werden.