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reichs? Ich bitte Sie, Herr Graf, haben Sie Mitleid mit mir. Ich gehöre Ihnen, ich weiß es; ich hänge ganz von Ihnen ab, kurz, ich bin Ihre Sklavin. Wohlan ! Gebrauchen Sie Ihr Recht, bestrafen Sie mich, verdam­men Sie mich zum härtesten Loose, wenn Sie wollen, ich werde Alles ohne Klage ertragen. Machen Sie aus mir, was Sie wollen, aber schonen Sie meine Ehre! Haben Sie Mitleid mit mir, gnädiger Herr, haben Sie Mitleid!"

Sey Du selbst mitleidig gegen mich, der, indem er Dich so zu seinen Füßen liegen sieht, vor Liebe und Eifersucht fast vergeht, denn Du hast mir eben noch gesagt, daß Du einen Andern liebtest."

Es ist wahr! doch wenn Sie mir versprechen wollen, mich zu achten, dann Herr Graf gelobe ich Ihnen, bei Allem, waS mir auf der Welt heilig ist, mir alle Mühe zu geben, nicht mehr an den Ritter von Aydie zu denken." (Forts. folgt.)

Göthe s Verheirathung.

Ueber Göthe's Vermählung sagt der Verfasser eines in diesen Tagen unter dem Titelaus Göthe's Leben" erschienenen Büchelchens: Es ist darüber so viel gesprochen, geschrieben und gelogen worden, daß eS wohl nicht überflüssig sein dürfte, wenn auch erst nach 40 Jahren, die Sache noch einmal zu besprechen. Allerdings machte die Verheirathung zu ihrer Zeit großes Aufsehen, und man bemühte sich, die Motive aufzufinden, welche Göthe in jenen unruhigen Tagen wohl zu dem Entschluß gebracht haben möchten, sich zu verehelichen. Einige be- haupteten, er habe sich durch den Wunsch, seinem Sohn August eine legitime Existenz zu verschaffen, bewogen ge­funden, seine Verbindung mit dessen Mutter zu legalisiren, allein dies ist vollkommen irrig, denn Göthe's Sohn war schon einige Jahre vorher förmlich legitimirt worden. Andere haben behauptet, Göthe sei durch den Marschall Rey, welcher am 15. Oktober im Göthe'schen Haus ein# quartirt war, vermocht worden, seine zeitherige Haus­hälterin zu ehelichen: allein auch diese Vermuthung ist unrichtig, denn der Marschall, welcher nur wenige Stunden im Göthe'schen Haus zubrachte, war den Tag nach der Schlacht so sehr durch die Konzentrirung seines Armee- Korps und dessen Marsch zur Blokade von Erfurt in Anspruch genommen, daß er gewiß keine Zeit hatte, sich mit Göthe's Haus- und Familienleben zu beschäf­tigen.

Gewiß hat Riemer den rechten Punkt getroffen, wenn er in seiner Mittheilung über Göthe in dem Aufsatz

häusliches Leben" äußert, Göthe habe geglaubt, jetzt sei der rechte Augenblick gekommen, wo er seine beabsichtigte eheliche Verbindung ausführen könne. Riemer hat zur Unterstützung angeführt, daß er in der Nacht vom 14. zum 15. Oktober im Göthe'schen Hause ein solch un­ruhiger Zustand gewesen, daß Göthe ohne die Dazwischen­kunft der Demoiselle Vulpius in Lebensgefahr gewesen. Zwar haben wir hierüber nichts erfahren können, auch hat Göthe selbst niemals etwas erwähnt, doch läßt sich wohl denken, daß sein Haus in jener Nacht, in welcher die hungrigen, ermüdeten französischen Soldaten aus den Bivouaks in die Stadt eindrangen und Lebensmittel suchten, nicht unverschont geblieben seyn mag. Erwägt man, was mir als Augen- und Ohrenzeuge selbst noch deutlich vor­schwebt, so wird man gewiß nöthig haben, andere Be­weggründe aufzusuchen.

Als ich nämlich am 15. Oktober Vormittags an dem Goethe'schen Hause vorbeigittg, wurde ich aus einem Fen­ster der unteren Etage von dem RathSbeidiener - angeru­fen, welcher mich dringend bat, mich für ihn zu verwen­den. Ich trat ein, und in der Domestikenstube klagte mir Eckert weinend, er habe für den Marschall Ney vier Vorspannpferde schaffen sollen; da es ihm jedoch nicht gelungen sey, die Pferde sogleich zu bekommen, weil sehr viele Einwohner ihre Pferde in der Nacht durch Plün­derung verloren, oder weggebracht hätten, oder sie ver­heimlichten, so sey er geprügelt worden, sitze hier im Arrest und solle nicht eher loskommen, bis die Pferde angelegt seyn werden; er wolle nun auch die Pferde wohl schaffen, aber er bitte mich, bei dem Geheimen Rath für seine Loslaffung mich zu verwenden. In Rücksicht, daß es Goethe's Wunsch sey, den ungebetenen Gast sobald als möglich loS zu werden, glaubte ich, mich des armen Menschen annehmen zu müssen, und ließ mich bei Goethe melden, welcher sich in des Marschalls Zimmer befand. In dem Saale, an welchen deS Marschalls Zimmer stieß, stand eine große Tafel mit Speisen und Wein, und die Haushälterin Goethe's, Demoiselle VulpiuS, war beschäf­tigt, den vielen ab- und zugehenden Offizieren ein Früh­stück zu reichen. Als Goethe zu wir trat, wollte er zuerst von einer Verwendung für die Loslaffung deS Festsitzen- ben nichts hören. Er kehrte in das Zimmer des letztern zurück, und als ich mich ebenfalls entfernen wollte, er­suchte mich ein französischer Offizier, welcher etwas von dem Gespräch verstanden hatte, ihn doch von der Sache zu unterrichten. Ich that es, und er erbot sich sogleich, dem Marschall Bericht zu erstatten; während der Zeit bemerkte ich, daß Demoiselle Vulpius weinte, ich fragte sie nach der Ursache; da erwiederte sie mir, ich sahe eS ja selbst, wie sie behandelt werde, sie sey nicht im Stande, eine solche Begegnung länger zu ertragen, sie wisse nicht,