Der Fremde lächelte, und erwiederte in italienischem Akzent, der stark mit Spanisch untermischt war:
„Wie! Herr Graf, Sie kennen mich nicht?"
„Nein."
„Wir haben uns doch schon gesehen."
„Ei! doch ... in der That . . . warten Sie einmal . .. haben Sie mich nicht eines Morgens in Konstantinopel besucht vor drei oder vier Jahren?"
„Sie haben ein gutes Gedächtniß, Erzellenz."
„Sie waren verheirathet, so viel ich mich erinnere?"
„Ja, Herr Graf, an der linken Hand."
„Ach! ich begreife, und diese Verbindung...?"
„Ich bin Wittwer, Erzellenz."
„Ei was! ist diese Person gestorben? Desto schlimmer."
„Sie kannte sie also, Erzellenz?"
„Was liegt Ihnen jetzt daran?"
„Freilich wahr! Doch beruhigen Sie sich, Erzellenz, diese Person ist für mich todt, das ist alles, da sie sich eines schonen Tages mit einem Gesandtschaftssekretär davon gemacht hat."
„Ach! Pfui doch! . . . Reden wir nicht mehr davon, doch rufen Sie mir Ihren Namen ins Gedächtniß zurück, mein Herr."
„Ich bin, Ihnen zn dienen, Signor Marino-Marini, Graf des heiligen römischen Reiches, Brigadier in der Armee des Königs von Spanien, Sr. katholischen Majestät Philipp V., den Gott erhalte! Ritter des heiligen Lazarus, der heiligen Isabella, und einer Unzahl von andern der ausgezeichnetsten Orden, Geheimeralh unseres heiligen Vaters, des Pabstes, Kammerherr des Herzogs von Savoyen, erster Stallmeister des Fürsten von Monaco."
„In der That! sagte Herr von Ferriol, von dieser langen Namenreihe ein wenig überrascht, waS begehren Sie von mir?"
„Herr Graf, belieben Sie, dies Papier zu lesen."
(Fortsetzung folgt.)
Schröder, der Gründer des deutschen Theaters.
(Schluß.)
Das Hamburger Theater gelangte unter seiner Direktion zu einer Höhe der künstlerischen Entwickelung, daß keine andere Bühne sich damit vergleichen konnte; und wie hoch die Sittlichkeit der Mitglieder gestiegen seyn mußte, kann man aus einem Theatergesetz aus jener Zeit entnehmen, welches Schröder zu geben sich verpflichtet fühlte:
„Auf bewiesene unsittliche Aufführung steht der Ver- „lust einer Monatsgage, oder nach Verhältniß Aufhebung „des Kontraktes. Hierüber soll nur die Stimmenmehr- „heit der ganzen Gesellschaft entscheiden. Auch darf keinem „Mitgliede zugemuthet werden, mit Jemanden das Theater „zu betreten, von dem eine entehrende Handlung bekannt „wird."
Auf solche Weise mußte die Standesehre herangebildet werden. Aber die Laufbahn unseres Schröder sollte nicht ganz ohne Dornen seyn. Eine französische Truppe war in Hamburg erschienen und zog einen großen Theil des vornehmeren Publikums durch den Reiz der Neuheit an, was natürlich ihm großen Schaden brachte.
Schröder war hierüber so verstimmt, daß er den Entschluß faßte, das Theater aufzugeben. Die Mitglieder, kaum hiervon in Kenntniß gesetzt, ließen ein Gesuch von der herzlichsten Anerkennung an ihn abgehen, um das Institut zu retten. Schröder war davon ergriffen, und theilte ihnen mit, daß er die Geschäfte so lange fortführen werde, bis sich eine Direktion gefunden haben würde, die der Mehrzahl der Mitglieder genehm sey. Erst im Jahre 1798 kam Schröders Entschluß, die Direktion niederzulegen, zur Ausführung.
Was Schröder in seiner 13jährigen Theaterführung gewirkt, kann nur aus folgenden Thatsachen erhellen: Er hatte das erste Schauspiel in Deutschland mit den geringsten Mitteln hergestellt, dabei die jährlichen Einnahmen in dieser Zeit von 40 höchstens 50,000 Mark auf 167,000 Mark gesteigert, Pensionsfonds gegründet und den Schauspielern, die zu einem vagabundirenden Leben verdammt waren, nicht nur eine feste Eristenz ge# gründet, sondern auch sie zu geachteten Gliedern der Gesellschaft erhoben. Wenigen Menschen war es möglich, eine solche Thätigkeit zu entwickeln; zuerst hatte er seine Rolle zu studieren, dann allen angehenden Künstlern bei ihren Studien behülflich zu seyn, alle Stücke zu lesen und in Szene zu setzen, die vielen Direktionsgeschäfte, wie Korrespondenz, Billet- und Kaffekontrole zu führen, und 'dabei gewann er noch Zeit, eine Masse von Stücken zu übersetzen und zu dichten. Nach solchen Thaten hatte er gewiß den vollen und gerechten Anspruch, die letzten Tage seines Lebens in Ruhe, von der Welt zurückgezogen, zu verleben. Von dem Publikum einen herzlichen Abschied nehmend, verließ er Hamburg und zog nach Rellingen, wo er sich ein kleines Gut gekauft hatte, und bis zu seinem Tobe verblieb. Hier lebte er mit seiner Gattin und seinen Freunden, die ihn häufig besuchten, bis zu seinem Tode, der 1816 im 73ften Lebensjahre erfolgte; also noch volle 18 Jahre in Ruhe in Frieden, theils der Landwirth- schaft, theils dem Wohlthun seine Thätigkeit zugewendet. Am 28. Septbr. ward Schröders Gedächtniß im Schau-