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Der Wanderer.

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Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1849. M 803.

A Die Circassierin.

Geschichte auS der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

Ferriol hatte kaum diese Worte gesprochen, als Aiffa, die ihn bebend vor Freude angehört hatte und nur durch die trockene und kalte Sprache, die ihr Beschützer in sei­ner ritterlichen Rolle führte, zurückgehaltcn ward, zu sei­nen Füßen sank und seine Hände ergriff, die sie mit Thrä­nen benetzte.

Mein Wohlthäter!" rief sie.

Es bedurfte keines langen Nachdenkens, um in Philipp von Orleans den Edelmuth siegen zu lassen, den seine verletzte Eigenliebe einen Augenblick in den Hinter­grund zu drängen vermocht hatte.

Es ist mir lieb, Herr von Ferriol, versetzte der Prinz, daß Niemand weiter Ihre kühne Sprache gehört. Wir wollen annehmen, daß sie zum Herzog von Orleans geredet; der Regent soll nichts davon erfahren, ich will ihm nichts sagen. Sie können dies junge Mädchen mit­nehmen, da sie Ihnen folgen will, und erwarten Sie meine weiteren Anordnungen in Ihrem Hotel."

Der Graf von Ferriol machte eine kalte Verbeugung, ohne ein Wort zu reden, und einige Augenblicke darauf setz­ten sich die beiden Wagen wieder in Bewegung. Der des Regenten fuhr die Anhöhe nach Bougival hinauf; die Postchaise des Grafen verschwand eiligst in der Richtung nach Paris hin, die Sklavin Aiffa und ihren Herrn mit sich führend.

VIII.

Der Graf von Ferriol.

Der Graf von Ferriol saß in einem großen Sessel am Kamine, während Aiffa auf einem Schemel an seiner Seite ihrem Wohlthäter mit freudestrahlender Miene Alles erzählte, was sich in dem Zeitraum, wo sie von einander

getrennt waren, ereignet hatte. Der Graf konnte nicht müde werden, dieses anbetungswürdige Geschöpf zu be­trachten, die er alS Kind verlassen hatte und als erblühte Jungfrau wiederfand. Er berauschte sich in den Klän­gen ihrer melodischen und lieblichen Stimme, in denen sich der leichte und lebendige Accent Frankreichs mit der weichen Sprache Asiens auf sanfte Weise mischte; er betrachtete die schöngeformte Gestalt, die Alles in sich ver­einigte, was die Seine fesselt und verführt im Orient; Alles, was das Herz höher schlagen läßt im Occident.

Der Graf von Ferriol, mit dem unser Leser bereits bekannt geworden, war damals gerade (November 1715) 54 Jahre alt, von großer Gestalt und ziemlicher Beleibt­heit. Ohne daß er jemals regelmäßige Züge gehabt, ge- hörte doch sein Gesicht, in dem bereits wohl mehr in Folge der Leidenschaften als des Alters sich Runzeln zeigten, zu denen, die man nicht vergißt, wenn man sie auch nur ein einziges Mal gesehen hat.

So war derjenige beschaffen, der eben nach Paris zurückgekehrt, und dessen Einfluß auf die Zukunft der Cir­cassierin so bedeutend einwirken sollte.

Nachdem Herr von Ferriol A'i'ssa längere Zeit hatte sprechen lassen, schien plötzlich eine unangenehme Erinne­rung in ihm aufzutauchcn, und aus seiner Tasche ein Papier ziehend, sagte er:

Liebes Kind, kennen Sie diese Schrift?"

Das junge Mädchen warf einen forschenden Blick darauf, und erwiederte ruhig:

Nein, Herr Graf!"

Gut! versetzte Herr von Ferriol, der sie scharf ansah; lesen Sie dieses Billet, das ich gestern Abend bei meiner Ankunft fand. Es bedurfte nichts weniger, das muß ich gestehen, als eine solche Nachricht, um mich, ermüdet wie ich war, zu bestimmen, nach dem Schlöffe von Marly zu eilen. Uebrigens schätze ich mich glücklich,