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geistliche Disziplin überempfänglichen Gewissen, das aber nicht immer gleich fügsam war für die Gebote der Ge­rechtigkeit und der Vernunft. Ein in unseren Tagen mit diesen Eigenheiten geborener und in einer solchen Schule gebildeter Fürst war, in Zeiten wie die jetzigen fast un# vermeidlich verurtheilt, in übler Nachrede zu leben und in Verzweiflung zu sterben. Gleichwohl, so wie er war, bei allen Schatten, die sein Bildniß dicht umhüllen, nimmt Karl Albert von Savoyen seinen Platz in der Geschichte als der bedeutendste italienische Fürst dieses Jahrhunderts. Die Eigenthümlichkeit seines Geschicks würde ihm allein schon diese Ehre sichern, wiewohl es eine Ehre ist, wel­cher die Nachwelt in seinem Fall einen zweideutigen Werth beilegen möchte.

Es war zweimal sein sonderbares Loos, «die Rolle einns Verschwörers zu spielen, ohne es zu wollen. Zwei­mal war er das Haupt einer liberalen Bewegung, welche die Vertreibung der Oesterreicher aus Italien zum Zweck, hatte, wiewohl er weder im Jahre 1821 noch im Jahr 1848 die Täuschungen oder die Zuversicht seiner lieberalen Anhänger theilte. Im erstem Falle verließ er, nach den ernstlichen Versicherungen und Aufmunterungen, ihre Sache; im zweiten Fall beging er Verrath, nicht an den Liberalen, sondern an Oesterreich, welches er in dem Au­genblick angriff, da es minder gefährlich für ihn gewor­den, seinen mächtigen Nachbar anzufallen, als sich inner­halb seiner Saaten ruhig zu verhalten.

Es war das Schicksal seiner Familie seit Jahrhun­derten gewesen, ihre prekäre Stellung zwischen zwei ehrgeizigen Nebenbuhlern, dem Haus Bourbon und dem Haus Oesterreich, zu behaupten. In einem Vertrag zwi­schen einem seiner Vorfahren und der Kaiserin Maria Theresia ward ausdrücklich stipulirch, daß es der Streit­macht von Savoyen unter sechswöchentlicher Ankündigung freistehen solle, sich zu der einen over der andern Seite zu schlagen, und diese sonderbare Uebereinkunft kennzeich­net die ganze Politik des Turiner Hofs. Karl Albert befand sich in der nämlichen Stellung, aber er stand zwi­schen zwei Rivalen von weit größerer Macht und gegen­seitiger Feindseligkeit, als es je zwei hadernde Fürsten­häuser waren: er stand zwischen der französischen Revo­lution und der diese Revolution verdammenden österreichi­schen Politik in Italien. Wir haben, was Karl Albert betrifft, den Ausgang erlebt, und es wäre nicht billig, einem Manne, der unter dem Drange so kolossaler Schwierigkeiten handelte, alle Verantwortlichkeit eines sich selbst Bestimmenden aufzubürden. Er verletzte durch sei­nen Angriff auf die Lombardei den Grundsatz der Treue und der Pflicht; aber hätt' er in jenem Augenblick dem

gebieterischen Kriegsruf des italienischen Volks zu gehor­chen verweigert, so würde er ohne Zweifel seinen Thron verloren haben, und Nord-Italien wäre in Erschütte­rungen verfallen, welche der Wiederherstellung des Frie­dens noch ungünstiger seyn mochten, als sein jetziger Zustand."

Miszellen.

Eine wildromantische Schöpfungszugabe zu der mgyarischen Nationalität sind die ungarischen Zigeuner. Die Magyaren selbst haben keine nationale Musik. Die Zigeuner dagegen, ein Wan­dervolk ohne eigene historische Erinnerungen (sie selbst kennen kaum den Namen eines oder des andern von ihren Vorfahren), das seit Jahrhunderten unter fremden Völkern in tiefem Frieden vom Wahrsagen und von kleinen Diebstählen lebt, die sich nicht zur gerichtlichen Verfolgung eignen sie haben sich in Ungarn so in das Wesen der Magyaren hineingelebt, daß sie jene feurige Musik schaffen konnten, welche in ihren Melodien dasselbe so wunderbar tief wiederspiegelt, wie dies in der Rakozziweise der Fall ist. Der Strich des geigenden Zigeuners hat etwas ganz eigenes, und läßt sich mit nichts vergleichen. In neuester Zeit haben deutsche Spekulanten auf den ungarischen Haiden ein Or­chester von Zigeunern zusammengelesen, mit dem sie selbst in Paris großes Aufsehen erregten. Die Zigeuner, welche ihnen folgten, sehen dann gar stattlich aus, kleiden sich höchst sorgfältig und modisch, wenn auch etwas bunt, glänzen mit goldenen Uhren und Ringen, gefallen besonders den Damen ungemein, bleiben aber Vagabunden, wie auf ihren Pusten bei Kekskemet und De- breczin. Sobald sie sich einiges Vermögen erworben haben, emanzipirten sie sich von dem deutschen Musikdirektor, wissen aber dann ihre Truppe nicht mehr zusammenzuhalten, zerstreuen sich allmählich, fallen einzeln in den großen Städten der Polizei in die Hände und gehen traurig unter. Nur Einer, der im Aus­lande mit einem angenommenen Namen als Virtuose geglänzt hatte, kehrte mit dem Ersparten nach Ungarn zurück, kaufte sich dort in einer Haide einen Bauernhof und lebte still und ordent­lich. Zufällig war er eines Tags verreist, als der Edelmann, dem das Dorf gehörte, in welchem sein Bauernhof lag, nach ihm schickte. Weil er nun erst am andern Tage erschien, so ließ der Edelmann ihn prügeln, und hierüber grämte der Zigeuner sich zu Tode.

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2 Nathan der Weise von Lessing ist das unsterbliche Hohnlied der Toleranz.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Theater zu Wiesbaden.

Donnerstag den 23. August. Der Templer und'dèe Jüdin. Große romantische Oper in 3 Akten. Musik von Marschner.

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Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.