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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem.

1849. JK 190.

A Die Circassierin.

Geschichte aus der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

O Himmel! Sie verlangen, daß Mssa . . ."

Das wäre etwas Neues! Monseigneur hat in Be- treff der Frauen und Vergnügungen Frankreich erschöpft, und wer Frankreich sagt, der sagt Europa; aber eine circassische Unschuld, eine wahrhaft wilde Tugend, nichts weniger bedürfte es, um die Begnadigung Ihres Bruders zu erhalten."

Aber um welchen Preis? und wäre dies nicht eine große Sünde?"

Vielleicht; aber sicherlich wäre es ein großer Fehler, nicht die einzige Gelegenheit zu ergreifen, die sich Ihnen zur Wiederherstellung Ihres Vermögens darbietet. Be­denken Sie daher, Madame, daß die Prüderie mit der Frau von Maintenon aufgehört hat, über Frankreich zu herrschen. Etwas nur setzt mich in Verlegenheit, wie wir nämlich Aissa dem Prinzen unbefangen nahe bringen."

Oh! daö ist unmöglich!"

Nein, aber enorm schwierig, Monseigneur, ganz in Anspruch genommen von den zahlreichen Sorgen einer beginnenden Regentschaft, hat sich für einige Zeit zur . Beständigkeit entschlossen; in den kurzen Augenblicken deS Vergnügens, die ihm die Geschäfte lassen werden, will er nur Frau von Parabere sehen, in die er zur Stunde noch sterblich verliebt ist. Durch sie selbst müssen wir zum Ziele gelangen, wenn wir noch zu rechter Zeit kommen wollen, denn in einigen Tagen wird eine Wahl für die französische Gesandtschaftsstelle zu Konstantinopel getroffen werden, und wenn Herr von Ferriol nicht unverweilt wieder auf seinen alten Posten gelangt, so steht zu be­fürchten, daß seine Sache für immer verloren ist."

Wie? denken Sic, daß Frau von Parabere uns zur Rückberufung des Herrn von Ferriol behülflich seyn wird?"

Haben Sie vergessen, daß er vor einigen Jahren von der Dame sehr geliebt wurde? Herr von Ferriol sah damals noch gut aus, unv da sie ihn seitdem nicht gese­hen, so wird sie noch günstig für ihn gestimmt seyn ver­mittelst einer Illusion, welche die Zukunft ohne Zweifel zerstreuen wird; jedoch erst, wenn wir unser Ziel erreicht haben; sie wird also sich der Rückkehr Ihres Bruders nicht entgegen setzen. Das einzige Hinderniß dabei ist, daß sie Aissa nicht erlaubt, selbst das Gesuch zu überge­ben. Aissa ist zu schön, um nicht Eifersucht zu erregen, und die Favoritinnen der Großen wollen Niemanden pro- tegiren, der ihnen gefährlich werden kann."

Ach! ohne Zweifel möchte sich Frau von Parabere in ihren Befürchtungen wohl irren; der Regent wird doch in seinem Edelmuthe, wie ich glaube, Aissa eine so natur# liche Regung der Dankbarkeit zu Gunsten ihres Retters nicht buffen lassen, eine Regung, die ich unterdrücken würde, wenn irgend eine Gefahr für sie daraus entsprin­gen könnte."

Alte Heuchlerin, murmelte Dubois, die noch Gesich­ter schneidet, um die Maske zu ersetzen, die man ihr ab­reißt."

Doch, versetzte die Marquise, wird Frau von Para­bere, wie Sie ganz richtig bemerken, nicht ohne Unruhe die Jugend und Schönheit AVssa's sehen."

Ohne Zweifel, sagte Dubois, Ihre junge, in den Augen des Regenten liebenswürdige Kandidatin müßte dem Blicke der Regentin Frankreichs alt und häßlich vor­kommen."

Während Dubois diese beiden Eigenschaften betonte, hefteten sich seine Augen instinktmäßig auf das welke und runzelige Gesicht der Marquise von Ferriol, als wenn er