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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1849. M 188.

A Die Circassierin.

Geschichte aus der Zeit der Regentschaft.

(Fortsetzung)

Obgleich man im Jahre 1715 noch weit entfernt war von dem Grade des intelligenten LuruS, zu dem man heutiges Tages gelangt ist, so war die Oper doch damals schon eins der glänzendsten und reizendsten Erzeugnisse der Kunst und des Ruhmes jener Zeit.

An diesem Abende sollte Armida gegeben werden, eines der gelungendsten Werke, die aus der Vereinigung Lulli's und Guinault's entsprangen. Marie Anlier aus Lyon, die einige Zeit vorher mit einem Beifalle, mit dem nur sie allein sich nicht zufrieden gezeigt, aufgetreten war, kehrte nach einer Abwesenheit,-die sie dazu benutzt, Un­terricht bei der berühmten Martha le Rochois zu nehmen, zum Theater zurück. Sie sollte die Rolle des Ruhmes in dem Prologe zur Armida darstellen, eine Rolle, deren Besitz ihre große Schönheit ihr zusicherte.

Es war zu der Zeit, wo der Ehrgeiz Ludwigs XIV. durch Unglücksfälle niedergebeugt wurde und seine Erobe­rungen in die Hand seiner Feinde fielen, nachdem ihn die Siegesgöttin, die ihm so lange gefolgt, verlassen hatte. Hochstâdt, Turin, Ramillies, Malplaquet hatten Frank« reich, das sich bereits gegen ganz Europa zu kämpfen vermaß, so sehr geschwächt, daß der alte König, nachdem er VillarS befohlen, auf dem Schlachtfelde von Denain das letzte Spiel um die Herrschaft zu wagen, zum Herzog von Harcourt sagte: wenn dieser tapfere Marschall unter­liege, wolle er ungeachtet seiner 74 Jahre selbst zu Pferde steigen, seinen tapfern Adel sammeln und sich mit ihm unter den Trümmern der Monarchie begraben.

DaS Schicksal hatte dem alten Bären glücklicherweise erspart, so unter den feindlichen Schwertern zu sterben.

Villars hatte Frankreich gerettet, indem er siegreich die Verschanzungen einnahm, welche die Kaiserlichen schon die große Straße nach Paris nannten.

Gewissermaßen zur Erinnerung an diesen denkwür­digen Tag, der im ganzen Reiche Freude hervorgebracht, fand die Vorstellung statt, der die junge A'issa beiwohnte. Das Gerücht ging, daß Villars und die vornehmsten Of­fiziere, unter deren Kommando ein ehrenvoller Friede er­rungen worven, dem Schauspiele beiwohnen würden, weßhalb Plätze für sie unter den Zuschauern aufgehoben wurden.

Die Menge füllte den Opernsaal. Arssa konnte nicht müde werden, dieses ungeheure Amphitheater voll Lichter und Verzierungen zu betrachten. Die Aufmerksamkeit des Publikums richtete sich einige Augenblicke auf die junge Fremde, deren eigenthümliche Geschichte sich bereits in der Stadt zu verbreiten begann; bald jedoch wandten sich Aller Blicke aus die ruhmwürdigen wirklichen Helden des Festes.

In den Logen, im Parterre sah und nannte man mit Achtung mehrere tapfere Offiziere, die auf den Ehren­plätzen faßen; man 'suchte jedoch vergebens unter ihnen den Sieger, der Ludwig XIV.einen Olivenzweig ge­bracht, um damit alle seine Tapfern zu krönen."

Bald ertönten die ersten Akkorde der Ouvertüre. Der Vorhang erhob sich und ließ die geblendeten Augen Alssa's Felsen, einen Himmel, Berge sehen, die mit ihr in dem Umkreise des glänzenden Zirkus eingeschlossen waren.

Als Marie Antier erschien, empfing lärmender Ap­plaus die gefeierte Künstlerin, welche die Verse zu dekla- miren begann, womit der Prolog .Guinault's anfângt:

Meinem Helden, den ich liebe, Muß das ganze Weltall weichen; Nicht des Feindes tück'sche Hiebe, Nicht des Waldes starre Eichen,