siblen amtlichen Charakter, wiewohl man auch da noch ihm wenigstens offiziöse Beziehungen zur österreichischen Regierung, und gewiß nicht mit Unrecht, zuschrieb.
Auch war diese amtliche Stellung Schmerlings feinem Charakter ganz angemessen. Schmerling ist eine durch und durch diplomatifche Natur, ein würdiger Schüler und Nacheifrer jener traditionellen österreichischen Haus- und Hofpolitik, deren Meister, den Fürsten Metternich, er zwar im März vorigen Jahrs, als Sprecher der österreichischen Stände, beseitigen half, aber nur, um dessen Werk in zeitgemäßer Umgestaltung oder Verkleidung wieder aufzunehmen und fortzusetzen. Man konnte keinen Geschickteren zum Nachfolger des Grafen Colloredo wählen, als ihn, der damals bereits in der Stellung eines Vertrauensmannes beim Bundestage thätig war.
AlsBundestags-Präsidial-Gesandter leitete Schmerling jenen Akt raffinirter Diplomatie, die feierliche Uebertraguug der Gewalt des Bundes auf den von der ( Nationalversammlung gewählten Reichsverweser, einen Akt, durch welchen die rechtliche Kontinuität zwischen dem alten Bundestage und der neugeschaffenen Gewalt, somit auch der Antheil der Regierungen an der Vollmachtgebung für diese letztere, gewahrt werden sollte. Auf das Geschrei, welches die Linke über diese „Anmaßung" des Bundestages erhob, antwortete Schmerling mit jenem halb höhnischen, halb leichtfertigen Tone, dessen er sich überhaupt gegen derartige Angriffe zu bedienen pflegte. | Als Minister war Schmerling Meister in der Beant- Wortung von Interpellationen und der Rechtfertigung ’ ministerieller Akte, wenn man nämlich unter dieser Mei- ■ sterschaft die Kunst versteht, die Frager und Angreifer mit nichtssagenden, aber schön klingenden Phrasen abzufertigen, auch wohl zu verblüffen. (Schluß f.)
Miszellen.
Berlin, 24. Juli. Durch mehrere englische Zeitungen, jetzt wieder im „Galignani Messenger" aus der „Times" entlehnt, macht folgende vollständig erfundene Angabe die Runde: „Strenge der preußischen Militär-Disziplin." Eine Korrespondenz aus Rand ers (Jütland), datirt vom 30. Juni, lautet folgendermaßen: „Am Montage, als das zweite Bataillon des 18. Landwehr-Regiments, welches in Randers einquartirt war, zum Angriff auf einen dänischen Posten kommandirt wurde, fehlte ein Soldat jenes Bataillons, Namens Christian Schreiner, und kam erst am darauf folgenden Morgen zurück. Vor ein Kriegsgericht gestellt, wurde Schreiner schuldig gefunden, sich verborgen gehalten und vermieden zu haben, gegen den Feind zu gehen, und er wurde verurtheilt, erschossen zu werden. Schreiner bat um Gnade
beim General v. Prittwitz. Dieser verwandelte das Urtheil dahin, daß der Schuldige hundert Hiebe mit Stöcken auf den bloßen Rücken erhalten solle. Schreiner wurde dem Urtheil gestern Morgen im Beiseyn unserer Garnisori und dem von fünf Mann und einem Sergeanten jeder der Kompagnien, welche in der Umgebung von Randers liegen, unterworfen. Er wurde bis auf die Hüften entkleidet, und dann an einen Pfahl gebunden, worauf zwei Tamboure, jeder mit einem viereckigen scharfkantigen Stocke versehen, an seiner Seite Platz nahmen. Auf ein Zeichen des Offiziers schlugen die beiden Tambaure den Mann gleichzeitig. Zu Anfang schrie Schreiner fürchterlich; nach und nach wurde seine Stimme schwächer und zuletzt wurde er sprachlos; bei dem 42flen Schlage sank der Kopf des Leidenden auf eine Seite und sein Körper brach zusammen. Es fand sich dann, daß er eine Leiche war, sein Rückgrat war zerbrochen." Die „Deutsche Reform" bemerkt hierzu: „Es kann aus zuverlässiger Quelle versichert werden, daß an dieser ganzen Erzählung, trotz ihren weit- läuftigen Details, kein wahres Wort ist. Es hat nicht ein einziger Mann, auch nicht einer aus der zweiten Klasse, bei der die Prügelstrafe gesetzlich zur Anwendung kommen darf, die Strafe erlitten."
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In Paris haben vor einigen Tagen zwei Modedamen eine Wette im Schwimmen ausgefochten. Die beiden Kombattantinnen, Madame de C. und Marquise de B. hatten ausgemacht, eine Strecke zwischen dem Pont Notre Dame und dem Pont Neuf in einer gegebenen Zeit zurückzulegen, sie sollten nur die linke Hand gebrauchen, um mit der rechten einen Schirm gegen die brennenden Sonnenstrahlen halten zu können. So geheim als die Sache gehalten wurde, sie war doch ruchbar geworden, und an dem anberaumten Tage wimmelte die Seine von Böten, und beide Ufer waren von einer neugierigen Menge bedeckt. Ein Boot führte die beiden Najaden in die Mitte des Flusses, wo sie entschlossen in's Wasser sprangen und rasch den Strom hinabglitten. Beide Damen trugen weiß und blau gestreifte Beinkleider von feinem Kaschmir, ein Hemd von Kammertuch mit kurzen Aermeln und einen rothen Gürtel; die Haare waren von einem rothseidenen Netze zusammengehalten. Nach vollbrachter Wettfahrt, in welcher die Marquise um eines Armes Länge obsiegte, fand ein Diner im Hotel Lambert statt, wo man mit Tanz und Landsknecht einen Theil der Nacht verbrachte. — Diese seltsame Geschichte findet sich in einem Pariser Briefe des Londoner „Atlas".
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Theater zu Wiesbaden.
Sonntag den 5. August. Steffen Langer aus Glogau, oder: Der holländische Kamin. Lustspiel in 4 Akten und einem Vorspiel: Der Kaiser ttnd der Seiler. ,
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.