Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Naffanischen Allgem. Zeitung.
1849. — JVs l?6.
f Die sieben Müsse Buckinghams
(Schluß.)
Der Armenier stürzte sich auf sie und nahm ihre Hände in die Seinigen.
„Katharina! Katharina! komm wieder zu Dir," rief er ihr ins Ohr. Ich glaube ihnen nicht, den Verlâum- dern. Sie lügen, Sie lügen, nicht wahr?"
Dann neigte er sich gegen die Königin und fragte leise zu ihr:
„So vertheidigen Sie sie doch! retten Sie sie doch, Madame! Sie sehen ja, daß Katharina für sie stirbt!"
Aber Anna von Oesterreich antwortete nicht.
Sie fürchtete ebenfalls diesen öffentlichen Skandal, diesen feindlichen Hof.
Dies gab dem Herzen des Armeniers den letzten Stoß.
„Die Königin kommt ihr nicht zu Hülfe! dachte er. Wäre Katharina denn strafbar? Nein! das kann nicht seyn !"
Er stürzte sich wüthend auf den Astrologen.
„Ihr habt gelogen, Meister Angelo Catho," schrie er.
„Bei meiner Ehre, ich sprach wahr."
„Wenn Ihr kein Feigling seyd, so werdet Ihr mir für diese Verläumdung Rede stehen."
„Wenn das Duell nicht verboten wäre, mit dem größten Vergnügen, mein Herr!"
„Ha, Ihr verbergt Eure Feigheit unter den Edikten des Kardinals! Ihr seyd ohne Zweifel Einer seiner Diener, und der feigste von Allen!"
„Ich bin kein Feigling, erwiederte der Astronom, der nicht mehr seine Stimme verstellte, wie er bisher ge, than, denn ich verhafte den Herrn Grafen von Fargy nicht, der zu London seyn sollte, statt mich in Paris herauszufordern."
Der Armenier erkannte zu seinem Schrecken seinen Feind, den Grafen von Rochefort.
„Zum weiteren Beweise, daß ich kein Feigling bin, fügte Rochefort hinzu, will ich Sie in fünf Tagen zu Brüssel treffen. Dort können wir uns schlagen, ohne gegen die Gesetze zu verstoßen."
Der Graf von Fargy drückte seinem Gegner die Hand, und beide trennten sich mit der Versicherung pünkrlichen Erscheinens.
Dies Fest nahm seinen Fortgang biö gegen fünf Uhr Morgens. John Felton beeilte sich, seine Kleidung als Untersuchungsrichter abzulegen, verkleidete sich als einfacher Matrose und reiste nach Boulogne, wo er sich nach England einschiffte.
Am folgenden Tage erschien Fräulein v. Angennes bei der Königin, um Abschied von ihr zu nehmen.
„Verzweifle nicht an der Zukunft, meine Liebe, sagte Anna von Oesterreich, sie umarmend. Diese gehässige Scene hat Dir das Herz Deines Geliebten nicht entfremden können. 3$. werde ihn Deiner Treue versichern, und mein königliches Wort .wird er nicht in Zweifel ziehen."
„Das ist wahr, Madame, auch weiß ich gewiß, daß Herr von Fargy nicht zögern würde, mich zu heirachen. Doch mag ich nicht mehr diese so heiß ersehnte Verbindung !"
„Du magst sie nicht mehr!" wiederholte Anna von Oesterreich voll Staunen.
„Nein, Madame, sagte Katharina, denn ich werde stets die Ehre des Herrn von Fargy weiter über mein persönliches Glück stellen."
Die Königin drang nicht länger in sie, denn sie bewunderte und begriff diese Gefühle.
Fräulein von Angennes erwartete nicht die Befehle