eS an; der König erfährt die verschiedenen Gerüchte, die in der Stadt sich verbreiten, und befürchtet Haussnchun- gen, zu denen diese Gerüchte Veranlassung geben könnten. Er ändert seine Meinung, und kehrt in der Nacht auf kothigen Wegen während es regnete, entmuthigt, sehr ermüdet und glaubend man setze ihm nach, in das HauS des Gärtners zurück, wo die Königin ihn erwartete. ES schien als schließe sich die Küste vor ihnen; der Enthusiasmus für die Republik, wenn auch angriffSloS und edel- müthig, schien dem ganzen Lande den Anschein deS Haffes gegen daS Königthum zu geben.
Ein junger See-Offizier, in Havre sich aufhaltend, der nicht im Geheimniß des Aufenthalts des Königs in der Umgegend war, aber auS einigen ihm gemachten Mittheilungen die Vermuthung schöpfte, die königliche Familie bemühe sich vergeblich, Mittel für die Flucht zu finden, nahm eS aus eigenem Antrieb auf sich, den englischen Marine-Kapitän Pol zu fragen, ob er seine Zustimmung gebe, in offener See den König an Bord zu nehmen, im Fall dieser Fürst an sein Postschiff in einer Fischer-Barke anlanden würde. Der Kapitän Pol antwortete, es sei den von ihm erhaltenen Befehlen zuwider. Sobald er aber in Southampton angelangt ist, benachrichtigt er unmittelbar und auf vertraulichem Wege die Admiralität von den Eröffnungen, die ihm waren gemacht worden, und von dem Dienst, den ein an den Küsten Frankreichs kreuzendes Postschiff dem Könige leisten könnte. Lord Palmerston erläßt augenblicklich Befehle in diesem Sinn an die auf junsern nördlichen Küsten residirenden englischen Konsuls.
Der junge Offizier, seinerseits von dem englischen Konsul in Havre benachrichtigt, entdeckt endlich den Zufluchtsort des flüchtigen Fürsten; er führt ihm den Vize- Konsul zu; man kömmt überein^, daß der König sich in Havre einschiffen werde auf einem der Schiffe, die von der französischen Küste an die englische Küste Vieh und Lebensmittel transportiren.
Aber ein entgegengesetzter Wind, eine sehr aufgeregte See machen fünf Tage die Abfahrt dieser Schiffe unmöglich; der König, Stunden und Minuten zählend, vergeht vor Ungeduld und Unruhe; mehrere Male kömmt er und geht er zurück, querfeldein, im Dunkel der Nacht, von seinem Zufluchtsort nach Havre, und von Havre nach feinem Zufluchtsort; endlich entschließt er sich zu einem Ausweg, gefährlicher als jeder andere, nämlich sich nicht weit von Rouen, an Bord eines Paquetboots einzuschif, fen, das von Rouen nach Havre geht; dies Schiff, das in der Nacht in Havre ankömmt, wird ihn weniger dem Zufall auösetzen, erkannt zu werden, wenn er durch die
Stadt könnte; er wird auf diese Weise, als ein Reisender, der von Paris kömmt, von diesem Seineschiff sich unmittelbar auf daS Seeschiff begebens können, das die Passagiere nach England übersetzt. (Forts. folgt.)
Miszellen.
Der verstorbene Erpräsident der Ver. Staaten James'P o lk war während seiner Amtsführung nicht viel besser als ein Heide. Als er auf dem Sterbebette lag, ließ er einen presbyterianischen Geistlichen kommen und sagte zu ihm: „Sir, ich sterbe ohne vorbereitet gewesen zu sein; ich bin nicht einmal getauft. Sagen Sie mir, hat ein Mensch in solcher Lage Grund zur Hoffnung?" Der Geistliche wird dies bejaht haben, denn Polk erinnerte sich eines ihm befreundeten Methodistenpredigers, Namens M'Ferren, welchem er vor Jahren versprochen hatte, daß, wenn er der christlichen Kirche sich anschließe, er sich von ihm (M'Ferren) taufen lassen wolle. M'Ferren ward demnach herbeigeholt und taufte den sterbenden Mann. (In den Ver. Staaten sind solche späte Taufen bekanntlich nichts seltenes.) — Der Newyorker „Herald", fügt der erbaulichen Geschichte sogleich hinzu: „Mr. Polk starb ungefähr 100,000 Schill, werth."
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Das „Deutsche Volksblatt" erzählt aus der badischen „Freiheitszeit:" An einen der vielen Kriegsminister-Stellvertreter kam die Meldung, daß dem gewählten Offizier N. die Heiraths- erlaubniß ertheilt und er von den beiden (kirchlichen) Aufgeboten dispensirt worden sey. Der Kriegsminister-Stellvertreter wußte von den kirchlichen Aufgeboten Nichts, dachte an die Aufgebote der Bürgerwehr, und schrieb auf die Meldung: Beschluß. Ist Lieutenant N. dem dritten Aufgebote zuzutheilen.
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Welchen Gefahren manche Korrespondenten auf österreichischem Boden ansgesetzt sind, mag man aus folgender Probe beurtheilen. In Preßburg stand ein Schriftsetzer aus Breslau, Namens Brand, in einer Druckerei schon lange in Arbeit und lieferte zugleich der „Bresl. Ztg." Korrespondenz-Artikel. Die Sache wurde verrathen, man griff Briefe auf, worin über das" österreichisch-russische Heer „ehrenrührige" Bemerkungen standen — und der arme Teufel wurde zu 5 Jahren Schanzarbeit in Eisen verurtheilt.
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Die römische Krisis gibt dem Scherzblatt „Punch" Stoff zu einer witzigen Illustration. Der Papst steht auf dem Bilde in der Nähe von Nom. Mit der linken Hand brennt sir eine Kanone ab, mit der rechten ertheilt er den apostolischen Segen und spricht dazu: Pax vobiscum!
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.