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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allstem. Zeitung.

1849. M 174.

i Die sieben Küsse Buckinghams.

(Fortsetzung)

AlS sie fort waren, ergriff Katharina die Hand des Grafen und sagte mit erregter Stimme zu ihm:

Es ist keine Minute zu verlieren. Gottes Fügung hat uns in dieses Zimmer geführt. Ich muß die Königin benachrichtigen und ein großes Unglück zu verhüten su­chen. Wir können doch auf Sie rechnen, Herr v. Fargy?"

Ich stehe zu Ihren Diensten, Katharina."

So kehren Sie gleich nach London zurück. Sie müs­sen vor diesem Unsinnigen dort seyn. Sein Name, John Felton. Oh! sein Name ist in meinem Herzen eingegra­ben. Dies Mal fliehen Sie nicht vor Ihrem Feinde, Sie reisen ab, um der Königin zu dienen und Den zu retten, dem Sie Ihre Freiheit und vielleicht Ihr Leben verdanken. Kommen Sie! wir wollen in den Saal zu­rück. Wenn der Kardinal nur nicht argwöhnt, daß wir diese schreckliche Unterhaltung angehört haben!"

Fargy bot ihr den Arm und beide kehrten in den Saal zurück im Augenblicke, wo man sich zu Tische ge­setzt hatte.

Ludwig XIII. saß inmitten seiner Edelleute, während die Ehrendamen die Königin bedienten.

Bald bemerkte der König, daß, wenn kaum eine Schüssel vor ihn hingesetzt worden, sie auch gleich wieder, wie von einem Zauberstabe berührt, verschwand.

Er wandte sich um und sah eine kleine magere Ge­stalt, welche alle diese Schüsseln geschickt fortnahm und sie in einen Sack von fabelhaftem Umfange verschwin­den ließ.

Dieser Mann trug eine Schellenkappe und sein Kleid mit den königlichen Farben, blau, weiß und roth, war mit unzähligen Glöckchen besetzt.

Es war Meister Angely, der Hofnarr Sr. Majestät.

Ei, Schelm! was machst Du da?" sagte der Kö­nig lachend.

Die Narren sind auf dem Schachbrette die nächsten Nachbarn der Könige," erwiederte Angely.

Wir sitzen aber an der Tafel, um zu essen, und nicht um zu spielen, Narrenprinz! sagte der König. Was willst Du aber mit alledem machen?" fuhr Ludwig XIII. fort, auf den Sack zeigend.

Sire, ich gebrauche es, um Kräfte zu sammeln und nicht in dem Zweikampfe zu unterliegen, den ich in Ihrer Gegenwart bestehen werde!"

Ein Zweikampf!" wiederholte der König, die Stirne runzelnd.

Vergebung, Sire. Ich vergaß die Edikte Sr. Emi, nenz. Ich wollte sagen, ein Turnier."

Wer ist denn Dein Gegner?"

Ein großer Astrologe, der auö dem Jahrhundert Ludwig XL wieder auferstanden zu seyn behauptet, und sich Angelo Catho nennt."

Mit welchen Waffen willst Du denn kämpfen? Mit dem Degen, mit der Arquebuse, mit der Hellebarde, mit dem Bogen oder der Kanone?"

Oh! wir werden mit guten Waffen kämpfen, mit unsern Zungen. Der Astrolog behauptet nämlich, die Zukunft ebensogut wie die Vergangenheit zu kennen, und ich behaupte, daß ich ihm drei Fragen vorlegen werde, auf die er mir nicht antworten kann."

Wo ist denn Dein Astrolog?"

Da bin ich, Sire, sagte-eine Stimme, welche Fräulein von AngenneS schon früher gehört zu haben glaubte und die sie erbeben ließ.

Ein Mann in einem großen schwarzen Mantel, der auf dem Boden nachschleppte, näherte sich dem Tische, einen Sykomorenzweig in der Hand haltend.