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Der Wanderer.

Belletristisches' Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung

1849. .1" 171

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t Die sieben Küsse Buckinghams.

(Fortsetzung)

XVIII.

Richelieu hatte sich nicht von der edlen Aufopferung des Fräulein von AngenneS täuschen lassen. Begierig, die ganze Wahrheit zu erfahren, und erstaunt über die Abwesenheit aller andern Ehrendamen, setzte er Rochefort in Bewegung, und da ebensowohl damals wie heutigen Tages 'Die Wirthe und Kammermädchen für den Klang der Pistolen nicht unempfindlich waren, so hatte er bald das Geheimniß herausgebracht.

Buckingham hatte Alles vollbracht. Seinetwegen oder durch ihn dazu veranlaßt hatten die Ehrendamen ihren Posten verlassen, mit Ausnahme von Fräulein von Angennes, und der Herzog hatte nur dieser treuen Freundin der Königin Wort gehalten.

Das Räthsel war leicht zu errathen für einen Mann, der in allen Listen und Intriguen erfahren war. Wüthend, so hintergangen zu seyn, beschloß er sich zu rächen.

Da er aus Mangel an Beweisen die Königin eines Verbrechens nicht überführen konnte, woran er nicht zweifelte, so bestrebte er sich, allmählich die Kälte Lud­wigs XIU. gegen seine Gemahlin in Haß und Abneigung zu wandeln. Die Verschwörung von Chalais kam ihm hierbei trefflich zu Statten.

In Betreff der muthigen Ehrendame wartete er mit der Geduld des Tiegers, der in dem Schilfe lauert, bis die Stunde kam, sie dafür zu strafen.

Sechs Monate waren seit den Ereignissen im Hotel zu Amiens verflossen.

An einem schönen Dezembermorgen belebte sich plötzlich das Hotel de Ville zu Paris mit großem Ge, räusch. Der Stadtrichter hatte soeben die Schlüssel einem Fähnriche der Gardes du Korps übergeben, der mit einer

Anzahl Bogenschützen im Ramen des Königs alle Thüren und Zugänge besetzte.

Dann bedeckte sich der Greveplatz mit Arkebusieren und Schweizergarden unter dem Befehle deS Gardekapi, tänö Grafen von Charrost und des Herzogs von Mont- bazon, Gouverneurs von Paris.

War ein Aufstand oder Bürgerkrieg ausgebrochen? Rein, denn die Reihen der Soldaten öffneten sich vor friedlichen Schaaren von Küchenjungen, an deren Spitze majestätisch Meister Andro schritt. Die Küchen­jungen trugen auf ihren Köpfen große Körbe voll Pa­stete», Geflügel und Wildpret.

An diesem Tage gaben die Schöppen der guten Stadt Paris Ihren Majestäten ein prächtiges Fest.

Gegen 5 Uhr Abends näherten sich lange Züge von Wagen und Sänften beiden Seiten der Treppe. So, gleich entstand ein wildes Drängen von Pagen, Dienern und Sänftenträgern, die sich mit den Wachen stritten, welche beauftragt waren, die Ordnung aufrecht zu er­halten.

Der Gouverneur empfing die Eingeladenen unter der Vorhalle. Der Stadtrichter bat sie, die Treppe hinaufzusteigen; die Schöppen und der Vorstand der Kaufleute standen am Eingänge des Empfangssaales.

Sämmtliche Damen nahmen Platz auf den Sitzen, welche in Form eines Amphitheaters um den großen Saal herum aufgestellt waren, der noch in völlige Dunkel­heit versenkt dem Fegfeuer glich, daö sich mit irrenden Seelen bevölkert.

Plötzlich schlug der Vorstand der Kaufleute mit seinem Stabe an die Thüre und rief:der König kommt."

Sogleich senkten sich hundert Kronleuchter mit je fünfzig Lichtern im vollen Glanze aus der Decke herab, und ließen die Diamanten, Die Rubinen, die Silber# j stickereien, die mit Gold besetzten Kleider, die mit Perlen