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Der Wanderer.

Bellctristischcs Briblatt zur Naffamschm Allgcm. Zeitung.

1849. .1« 1«?.

t Die sieben Küsse Buckinghams.

(Fortsetzung)

Anna von Oesterreich faßte sich zuerst wieder.

Der König unv der Kardinal, sagte sie, haben uns überrascht; sie haben Ihre Worte gehört, Mylord, unv «ich bin verloren."

Man muß die Königin zu retten suchen, sagte Fräu­lein von Angennes. Ich will mit ihr in das Hotel zu­rückkehren, während Herr Bertin den Herrn Herzog durch das kleine Pförtchen hinausläßt."

In das Hotel zurückkehren, entgegnete die Königin, hieße mich selbst verrathen. Der König und der Kardinal erwarten mich ohne Zweifel bereits an der Treppe, wie zwei Richter, die bereit sind, mich zu verhören."

Ist es denn der Königin von Frankreich nicht mehr erlaubt, des Abends in ihren Gärten spazieren zu gehen in Gesellschaft ihrer Ehrenvamen?"

Hast Du denn nicht begriffen, sagte Anna von Oesterreich. Der König war eben da; der König, mein Herr und Richter... er hat den Herzog bei mir gesehen; er hat vielleicht seine Worte gehört, denen Gehör ge­schenkt zu haben in den Augen des Königs und Kardi­nals strafbar ist."

Doch können sie Ew. Majestät in dieser Verhüllung nicht erkannt haben."

Ein plötzlicher Einfall des Fräulein v. Angennes ließ diese in einem Entzücken von unaussprechlicher Freude ausrufen:

Majestät, vielleicht sind Sie doch noch gerettet. Las­sen Sie uns Beide allein in jenes Gebüsch treten. Sie, Herr Bertin, wachen Sie mit dem Herrn Herzog, daß man uns nicht überraschen kann!"

Sie zog die Königin hastig mit sich fort, die sie einen Augenblick für wahnsinnig hielt.

XVII.

Diejenigen, welche Anna von Oesterreich überraschen wollten, waren in diesem Augenblicke damit beschäftigt, sich zu berathen, wie sie sich in dieser Sache verhalten sollten.

Die Frage war in der That sehr delikat. Es han­delte sich um eine Königin, deren Mitschuldiger der Ge­sandte eines mächtigen Königs war.

Die Beweise, welche für einen Ehemann zur Ueber­zeugung hinreichten, obgleich Ludwig XIII. und der Kar­dinal nur einige undeutliche Worte Buckinghams vernom­men hatten, beschränkten sich für die dabei Unbeteiligten auf einen Spaziergang in den Gärten, dem man leicht eine politische Ursache^unterlegen konnte.

Man kannte die geringe Sympathie Englands für Richelieu und die Feindschaft, welche zwischen diesem letz­tein und der Königin herrschte. Der kompromittirende Spaziergang zu dieser Stunde würde dann weiter nichts als eine geheime Berathung seyn, die unter dem Schutze aller in solchem Falle gebräuchlichen Maßregeln stattfand. Da man nicht in der Lage war, mit England zu brechen, so konnte eine Beleidigung seines Gesandten nur dahin führen, den Minister in Verlegenheit zu bringen.

Richelieu rieth daher dem Könige ab, Aufsehen zu machen, dessen Opfer er werden konnte; wollte er jedoch für immer den Einfluß Anna's vernichten, so durfte kein Zweifel in dem Geiste Ludwigs XIII. an vem Verrathe der Königin übrig bleiben.

Es handelte sich also nur darum, den Herzog und seine königliche Mitschuldige im Augenblicke zu überra­schen, wo sie zum Hotel zurückkehrten, und sie dann vor Ludwig XIII, zu führen, welcher sie in vem Gemache der Frau von Lannoy erwarten sollte, das ihnen wegen der Abwesenheit dieser Dame zur freien Verfügung stand.