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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1849. â 166.

i Die sieben Küsse Buckinghams.

(Fortsetzung)

Anna von Oesterreich betrachtete mit Bewunderung den galanten Edelmann, der so leicht über die-schrecklichen Gefahren scherzte, in die seine kühne Leidenschaft ihn gestürzt.

Wie retteten Sie sich denn diesmal?"

Madame, erwiederte der Herzog, ich muß gestehen, daß ich zuerst eine Minute lang von dem Stoße betäubt unter dem Wasser blieb. Als ich wieder zu mir kam und das Ufer betreten wollte, sah ich Degen und Fackeln in den Alleen glänzen, und mußte auf mein Vorhaben ver, zichten. Der Kardinal hatte Alles im Voraus berechnet. Der nächste Ort, wo ich landen konnte, war ein Insel­chen, das mit der Stadt durch eine schlechte Brücke ohne Brustlehne verbunden wird. Ich mußte unglaubliche An­strengungen machen, um dahin zu gelangen, alle meine Glieder schmerzten mich. Doch wollte ich auf der Insel nicht bleiben, trotz meiner äußersten Müdigkeit, weil ich in meiner Fischerkleidung erkannt zu werden fürchtete. Ich überschritt daher die unter meinen Füßen schwankende Brücke, als ein Mann ungestüm an mir vorbeieilte und mich mit solch' brutaler Heftigkeit stieß, daß ich auf mei­nen Füßen wankte.

Ich hatte glücklicherweise die Geistesgegenwart, mich an ihn zu klammern. Wir kämpfen wie zwei Schlangen. Ich war so schwach, daß ich vielleicht unterlegen wäre, wenn ich nicht an Sie gedacht hätte. Endlich, in einem Augenblicke, wo mein Gegner, um sich an mir zu halten, krampfhaft die goldene Kette ergriff, an der Ihr Portrait hing, zerbrach diese und der Elende stürzte fluchend in die Somme."

Und ich bin die Ursache aller dieser Gefahren, Mi- lord," sagte die Königin mit erstickter Stimme.

Bewegt, zitternd und bebend fühlte sie sich unwider­stehlich zu dem schönen und kühnen Edelmanns hingezo­gen, der sein Leben und seine Ehre für seine Liebe wagte.

Nachdem Beide noch gegenseitig viele Betheuerungen ihrer Liebe gegeben und empfangen hatten, sagte die Kö­nigin endlich:

Mylord, es ist Zeit, uns zu trennen."

Nicht bevor ich ein Andenken an diese Stunde mit mir nehme," erwiederte Buckingham.

Er faßte Anna von Oesterreich in seine Arme und umarmte sie leidenschaftlich.

Die Königin stieß einen dumpfen Schrei aus, ent­wand sich seiner Umarmung und warf ihm einen strengen und herrischen Blick zu. Der Stolz vertheidigte sie noch gegen die Schwachheit ihres Herzens.

Im selben Augenblicke, als beide schwiegen, hörten sie ein Knistern der Blätter und dürren Zweige im Gebüsch.

Dieses Geräusch machte die Königin zittern. Bucking­ham blieb ruhig.

Haben Sie gehört? fragte Anna von Oesterreichs

Es ist nichts . . . vielleicht das Geräusch des Kleides von Fräulein von Angennes!"

Nein, versetzte sie. Ich sehe Katharina auf jener Bank, die der Mond bescheint .. ."

Beruhigen Sie sich, Madame," sagte er leise Man hört nichts mehr . , . Ihre Diener allein wachen in diesem Garten!"

Ach, ich fürchte mich! sagte die Königin. Wenn plötzlich Fackeln die Dunkelheit erhellten und mich dem Gelächter des Hofes preisgäben!"

Ich würde Sie nicht beleidigen lassen, Madame, sagte Buckingham, wäre es auch der König selbst!"

Unvorsichtiger! schweigen Sie!" rief sie, indem sie