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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1849. JI« 145. --- -

f Die sieben Küsse Buckinghams.

(Fortsetzung)

Einen Augenblick später kehrte sie freudestrahlend zu­rück.

Madame, Madame, glückliche Neuigkeit!"

Ist mein Buch gefunden?"

Ja, Madame."

Gott sey gelobt!"

Fräulein von Liancourt überließ sich jetzt einer nicht geringeren Freude als vorher ihre Verzweiflung gewesen.

Madan^e hatte es in der Kirche gelassen," berichtete Martha.

Ich sagte es ja! . . . Ach! Martha, welchen Schrecken habe ich gehabt! Wenn mein Buch verloren gewesen, ich hatte mich nie darüber getröstet."

Ich glaube cS wohl, ein Buch, das gemalt und auf allen Seiten vergoldet war."

Fräulein von Liancourt zuckte die Achseln und warf einen stolzen mitleidigen Blick auf Martha.

Aber wo hast Du es denn? rief sie plötzlich. Wo ist eS? Lasse mich nicht so lange warten, gib es schnell her!"

Madame, die Person, welche es bringt, will es nur Ihnen übergeben."

Und Du sagst mir daS nicht gleich? ... Du bist doch so nachlässig, so langsam! ... Schnell, laß die Per­son gleich eintreten!"

Martha führte einen ziemlich nett gekleideten Land­mann ein, der furchtsam vortrat, wobei er mit verwirrter Miene seinen Hut in den Händen drehte, und rechts und links Blicke warf, die eine naive Bewunderung aus, drückten.

Ihr habt also mein Buch wiedergefunden?" sagte Fräulein von Liancourt lachend.

Die Verwunderung des jungen Menschen hatte sie in Fröhlichkeit versetzt.

Ja wohl Madame!" erwiederte der Bauer lachend.

Wohin habt Ihr es denn gebracht? ich sehe es nicht."

Das ist richtig, ich habe es in der Tasche; hier, Madame, da ist es."

Ihr habt es nur mir selbst zurückgeben wollen, daS ist eine Aufmerksamkeit, wofür ich Euch danke..."

Sie wandte sich an die Kammerfrau:

Martha, laß diesem guten Manne Erfrischungen reichen, und gib ihm diese Börse als Beweis meiner Er­kenntlichkeit."

Behalten Sie Ihr Geld, Madame, ich habe es nicht nöthig."

Stolz!" rief Fräulein von Liancourt überrascht; ich bewundere die Delikatesse Eures Gefühls; doch kann ich nicht Eure Schuldnerin bleiben."

Oh! seyn Sie ruhig Madame, Sie werden gleich Gelegenheit haben, sich gegen mich dankbar zu beweisen, denn ich komme gerade, Sie um einen Dienst zu bitten."

Wohlan!"

Aber... es ist..."

Erklärt Euch ohne Furcht, ich bin ganz dazu auf­gelegt, Euch gefällig zu seyn."

Es ist... Vergebung, Madame, für meine Kühn­heit ..."

Der Bauer dämpfte seine Stimme und warf einen verlegenen Blick nach Martha.

Wenn eS eine Wirkung Ihrer Güte wäre... ich habe Dinge zu sagen, die ich nur Ihnen mittheilen möchte."

Wie Ihr wollt", versetzte Fräulein von Liancourt^ Matha, laß unS allein."

Martha ging hinaus, nicht ohne den Mund zu ver-