Die russische Armee in Oesterreich.
(Schluß.)
Am 27. Mai war Diner beim General Graf Rüdiger, dreißig und einige hohe Offiziere, worunter 7 Generale, waren eingeladen. General Rüdiger äußerte dabei: „Wenn Rußland Hülfe leistet, dann geschieht es mit for- mivabeln Kräften." Den 28. war eine Parade auf dem Markt, ein Sappeur-Bataillon, schwarz-braune Soldatengesichter, zeugte von einem kriegerischen Schlage Menschen; Russen und Polen, 12 zwölfpfündige Geschütze, herrlich bespannt und adjustirt, und ein Husarenregiment, Hessenkassel, prächtige Pferde und gut montirt, 8 Eskadrons stark â 150 Pferde waren auf dem Platze. Es wurde, je nachdem der General Rüdiger das Signal geben ließ, im Schritt, Trab und Galopp vorbeigeritten. Fast jedes Husarenpferd kann bei uns als Offizierpferd gelten; die Pferde sind gleichfarbig, stark, ziemlich groß und gut geritten, die Leute ganz neu equipirt. Die Bespannung der Artillerie läßt nichts zu wünschen übrig. Die Oesterreicher erkennen dies durchweg an. Die Zwölfpfündigen sind mit 6 Pferden bespannt, jedes Geschütz hat 3 zwei- räderige Kartuschwagen â drei Pferde breit bespannt. Die Infanterie ist sehr abgehärtet und besteht aus einem kernhaften Schlag Menschen, größtentheils alte Soldaten, das erste Aufgebot der Beurlaubten ist eingezogen worden, und man findet viel Leute, die 21 bis 26 Jahre gedient haben. Eine vortreffliche Disziplin, man kann mit diesen Soldaten Alles ausstellen; ihre Bedürfnisse sind gering und an Strapazen sind sie gewöhnt. Es muß demnach die russische Infanterie zur besten gerechnet werden. Ihr Essen besteht aus einer Suppe, bei welcher unsere Leute Gesichter schneiden würden. Unübertrefflich bleiben die Russen durch den strengen Gehorsam. Ihr Gepäck ist schwer, und der lange Mantel, den sie selten ablegen, mag bei der Hitze beschwerlich seyn. Zum Ererziren gehen sie in einem ganz neuen Anzuge, sehr weite und bequeme schwarzbraune Pantalons, Montirung, gekreuztes Lederzeug, Helme, ähnlich den preußischen. Das 4., 5. und 6. Korps haben noch Steinschloßgewehre, die übrigen haben bereits Perkussionsgewehre. Unter den Mänteln tragen sie grauleinene Hosen in den Stiefeln. Es ist nicht wahr, wenn man sagt, die Leute sähen schlecht und elend aus; diese schwarz-braunen Gesichter sind ächte Soldatengesichter, die wir gar nicht kennen, und mit welchen man in Masse den Teufel aus der Hölle jagen könnte. Jedes Infanterieregiment hat 4 Bataillone ins Feld gestellt zu 1000 Mann , 2 Bataillone sind als Reserve zurückgeblieben. Jedes Korps hat 12 Jnfanterieregimenter, 1 Kavalerie- und 1 Artilleriedivision, oder 48 Bataillone zu 1000 = 48,000 Mann. 1 Bataillon Sapeurs —
1200 Mann, 1 Bataillon Scharfschützen zu 1000 Mann, Summa 50,200 Mann. Dreißig und einige Eskadrons Kavalerie — 5000 Pferde und Hundert und einige Geschütze. Gegen 58,000 Mann und noch einige Kosakenregimenter.
Das 2., 3. und 4. Korps werden in einigen Tagen konzentrirt seyn, zirka 160—180,000 Mann. Von gestern ab marschiren alle Tage frische Truppen durch und täglich kommen 5—600 Kibitken, um Lebensmittel für die bis an die Karpathen vorgeschobenen Truppen zu holen. Die Korps haben einen wohlbespannten Train, und es ist dieser so rasch in seinen Bewegungen, daß es eine wahre Freude ist, die Masse Wagen stets im Trabe vorüber, rollen zu hören. Es werden jedoch viel Pferde aufgewendet, ein Infanterieregiment braucht 234 Stück, auch hat jede Kompagnie 2 sogenannte Artellwagen â 3 Pferde zu ihrem Privatgebrauch.
Proviant an eisernem Bestand führen die russischen Truppen immer auf 6 bis 7 Tage bei sich, und was etwa konsumirt wird, muß gleich wieder ersetzt werden, daher die stete Schlagfertigkeit und Marschfähigkeit der russischen Regimenter. Die Fähigkeit und Gewandtheit der reitenden Artillerie macht bei den Oesterreichern Aufsehen."
Die Reichsmarine.
Briefliche Mittheilung aus Bremen.
So hat denn unsere junge deutsche Marine ihre Kugeltaufe erhalten — und der Täufling hat mit allen Ehren bestanden! Auf dem deutschen Meere zwischen Weser und Elbe sind die ersten deutschen Kriegsschiffe wieder erschienen, haben die ersten Salven unter schwarz- roth-goldner Flagge den Dänen, den übermüthigen Seefahrer, scharf begrüßt und der Däne sah sich veranlaßt, nach halbststündigem Feuer, bei dem manche deutsche Kugel sicher eingeschlagen, keine dänische getroffen, die günstige Prise zu benutzen und auf neutralem Terrain von Helgoland Schutz zu suchen, von wo drei englische Signalschüsse die verfolgenden Kriegsdämpfer zurückwiesen. Wahrhaftig, die ersten Schritte unserer jungen Flotte waren recht naturgemäß! Vom Land aus eroberte sich das Landvolk — traurig genug, daß wir Jahrhunderte hindurch nichts weiter waren — vom Land aus eroberten wir uns die See wieder, der „Haifisch" selbst mußte die „Dogge" schwimmen lehren, und auf der nun eroberten See wird die Fregatte „Eckernförde" unter dem doppelten Adler nicht schlechter geführt werden, als die „Gefion" einst unter dem Danebrog: Das haben unsre Seeleute vor Curhaven, das haben die Schleswig-Hol-