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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauische« Allgem. Zeitung.

184!). â 143.

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f Die sieben Küsse Buekingbams

(Fortsetzung)

Buckingham biß sich auf die Lippen, um nicht in lauteS Gelächter auszubrechen. Madame de Bouteville erstickte vor Zorn.

Indeß wollte der Herzog versuchen, zwischen den beiden Partheien Frieden zu stiften.

Das Alter Ihrer Häuser ist hinlänglich bewiesen, meine Damen, sagte er; doch sprechen wir nicht mehr von Religion, denn ich bin Engländer und in theolo­gischen Fragen sehr unbewandert. Gehen wir jetzt zu den Thaten Ihrer entferntesten Vorfahren und zu den Ehren über, welche ihnen ihre Souveräne bestimmt haben."

Bei der unglücklichen Affaire von Mansourah, rief sogleich die Gräfin, gab Einer unserer Ahnherren dem Herzog von Anjou sein Pferd, und zwei Dromedare wur­den unter ihm getâdtet."

Zu Tunis, erwiederte das Ehrenfräulein, trug ein La Rochefoucauld auf seinem Rücken zwei Stunden lang den heil. König Ludwig, der vom Fieber ergriffen war und in dem Verdachte stand, von der Pest befallen zu seyn. Er brachte ihn so an den Rand einer Zisterne, wo der König ein halbes Dutzend Sarazenen taufen konnte, die mein Ahnherr zu Gefangenen gemacht hatte."

Während der Verrücktheit Karls VI. sagte Madame de Bouteville, versetzte ein Montmorency seinen Bart und seine Sporen bei einem Juden, der ihm eine hinreichende Summe Geldes dafür gab, um Leinwand und Karten zu kaufen, und mit dem Könige zu spielen."

Se. Majestät, Karl VII. anwortete Frl. von La Rochefoucauld mit Wärme, beehrte unser Schloß Pier­refonds mit seinem Besuche. Man setzte ihm beim Diner einen Reiher vor, dessen Schnabel und Füße vergoldet

waren. Der König war so zufrieden mit seiner Auf­nahme, daß er unserm Ahnherrn die Berechtigung er­theilte, stets ein Gefolge von fünfzig Hellebardieren um sich zu haben."

Erfahren Sie denn, Madame, sagte die Gräfin, daß unser Haus nur dem der Prinzen weicht."

Es gibt königliche Familien, die sich nichts zu ver­geben glaubten, indem sie sich mit dem unsrigen ver­banden, Madame, erwiederte das stolze Ehrenfräulein."

Genug, Madame; der Herr Herzog kennt uns jetzt und kann seinen Ausspruch thun."

Aber Buckingham suchte vergeblich nach Etwas, um den Ausspruch zu motiviren, den er zu thun sich sehnte.

Wahrhaftig, meine Damen, Sie setzen mich in die größte Verwirrung: in der Mitte zwischen zwei der größ­ten Namen der Welt ist es mir unmöglich, die Wag- schaale nach irgend einer Seite sich neigen zu lassen... Doch erlauben Sie mir, eine Frage an Sie zu richten."

Er wandte sich zu Fräul. von La Rochefoucauld:

Gehören Sie nicht, fragte er sie, zu dem Hause der Königin von Frankreich?"

Ich bin Ehrenfräulein Ihrer Majestät, erwiederte Fräul. v. La Rochefoucauld."

Und ich, Herr Herzog, sagte die Gräfin stolz, ge­höre Niemanden an."

Der Ausweg war endlich gefunden.

Buckingham nahm eine feierliche Miene an.

Ich bitte die Frau Gräfin de Bouteville um Ver­gebung, doch da die Fräul. von La Rochefoucauld die Ehre hat, der Königin von Frankreich anzugehören, so glaube ich, daß in dieser Eigenschaft, obgleich sonst alle Vorzüge gleich sind, sie Niemandem, selbst nicht einer Montmorency, den Vortritt gestatten dürfte, ohne ihrer Pflicht etwas zu vergeben. Meine Meinung geht also