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Der Wanderer.

Belletristisches. Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1849. â 140.

t Die sieben Küsse Buckinghams.

(Fortsetzung)

Der Gefreite zog mit feierlicher Miene aus seiner Tasche einen Verhaftsbefehl, den einer der Garden dem Herzog überreichte.

Dieser schien ihn mit größter Sorgfalt zu lesen, dann gab er ihn dem Soldaten zurück.

Es ist Alles in bester Ordnung," sagte er bedächtig.

Sie sehen also, daß ich Recht hatte, rief der Ge­freite, mit ziemlich entschlossener Miene vortretend, und daß Sie mir Entschuldigungen zu machen haben, weil Sie meinen Charakter nicht geachtet. Herr v. Fargy, Ihren Degen!"

Dieser Verhaftsbefehl, fuhr Buckingham fort, ist in der That in gehöriger Ordnung, doch kann er in keiner Hinsicht den Herrn Grafen angehen, und er wird be­dauern, Ihre Gesellschaft nicht annehmen zu können."

Fangen wir wieder von Neuem an?" erwiederte der Gefreite, über die Wendung erstaunt, welche die Er- klârung nahm.

Mein Herr, fuhr der Herzog fort, wenn Sie auch nur Gefreiter sind, so kommen Sie mir doch als Mann von Geist vor, und werden Sie daher selbst einsehen, daß Herr v. Fargy durch die Nothwendigkeit gezwungen ist, sich der Annehmlichkeit Ihrer weiteren Unterhaltung zu berauben."

Warum denn, wenn es Ihnen gefällig ist?" fragte der Gefreite mit verdutzter Miene, denn er begriff, daß der Edelmann sich über ihn lustig machte.

Weil der Herr Graf von Fargy, erster Stallmeister Ihrer Majestät der Königin von England, nicht mehr im Dienste Frankreichs ist."

Ahl ah! Bei Gott, die Erfindung ist gut! sagte

der Gefreite mit ungläubigem Lächeln, doch wer bürgt mir für die Wahrheit dieser Aussage?"

Ich, Georges Villiers, Herzog von Buckingham, der Sie im Namen des Völkerrechts auffordert, diesen Edelmann frei zu lassen und sich zu entfernen," sagte der stolze Geliebte Anna's von Oesterreich.

Während er so sprach, warf er seinen dunkelfarbigen Mantel ab und ließ die Orden sehen, die seine Brust bedeckten.

Der Gefreite stand verwirrt, mit stierem Blicke und aufgeriffenem Munde, während Buckingham aus seinen Taschen Hände voll Guineen zog und sie den Garden hinwarf, mit der Aufforderung, auf die Gesundheit von Madame Henriette und der Königip von Frankreich zu trinken.

Der Gefreite wollte ganz niedergedonnert Entschul­digungen stammeln, doch der Herzog zuckte die Schultern und bat ihn, seinen Hut wieder zu holen, was stch dieser nicht zweimal sagen ließ.

Diese ganze Szene war mit solcher Schnelligkeit vor sich gegangen, daß sie einer Zauberei glich. Fräulein v. Angennes und der Graf blieben unbeweglich wie Sta­tuen, da sie nicht wußten, ob sie ihren Augen trauen sollten.

Endlich ergriffen Beide die Hände Buckingham's und riefen freudig aus:

Sie sind unser rettender Engel!"

Beeilen Sie sich nicht so sehr, mir zu danken, sagte der Herzog, das Mittel, das ich habe gebrau­chen müßen, um eine dringende Gefahr zu beschwö­ren, wird vielleicht eine neue Quelle des Kummers für Sie werden."

Er ist gerettet! rief Fräul. v. Angennes. Welches Unglück können wir noch zu befürchten haben?"