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Der Wanderer.

Belletristisches > Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1849. M 139.

i Die sieben Küsse Buckinghams

(Fortsetzung)

VIII.

Als Fräulein von Angennes sich von der Ent­fernung des Grafen vergewissert hatte, beeilte sie sich, ihren Gefangenen die Freiheit zurückzugeben.

Sie sind ein Engel! rief Herr von Fargy, sich zu ihren Füßen werfend."

Mehr noch als das! eine Dame von Muth und Herz! sagte Buckingham sich neigend."

In diesem Augenblicke trat eine Zofe ein, und rief ganz bestürzt:

Mein Fräulein, ich habe ihren Eintritt nicht verhindern können . .., sie haben die Thür aufgerissen . .. Da sind sie!

Ein Gefreiter mit einigen Gardisten erschien in der Thüre.

Der Graf von Fargy trat einen Schritt vor sie hin. Die Ehrendame hielt ihn am Arme zurück, wobei sie einen Schrei des Schreckens ausstieß.

Herr Graf von Fargy?" fragte der Gefreite.

Der bin ich," erwiederte stolz der Edelmann.

Wollen Sie mir Ihren Degen geben. Ich verhafte Sie im Namen des Königs."

Im Namen des Königs! wiederholte der Graf, seinen Degen, den er halb gezogen, wieder in die Scheide fallen lassend."-

Das war ein Blitzschlag. Es gab kein Mittel da­gegen. Ein kurzes Stillschweigen erfolgte. Fräulein von Angenneö rang schmerzlich die Hände, Thränen rollten über ihre Wangen, und wer weiß, ob sie jetzt nicht be» reute, bei dieser gewagten Intrigue die Freiheit ihres Geliebten auf das Spiel gesetzt zu haben.

Buckingham allein blieb ruhig und lächelte. Er spielte zerstreut mit den Schnüren seines Rockes. Seine Fröhlichkeit schien so natürlich, daß sich das Ehrenfräu­lein, das ihn bittend ansah, beinahe wieder beruhigte. Er trat auf sie zu und sagte leise:

Noch nie hat mich eine Dame vergeblich gebeten, mein Fräulein. Beruhigen Sie sich! Buckingham ist nicht gewohnt, seine Freunde in der Gefahr zu verlassen. Wer weder den König noch den Kardinal fürchtet, hat nicht nöthig , den Degen gegen die Gefreiten zu ziehen, um sie davon zu jagen."

Weg mit diesen Phrasen, sagte der Gefreite, und Sie, Herr, folgen mir, denn Widerstand wäre nicht allein Verbrechen, sondern auch unnütz."

Er zeigte dem Grafen die ihn begleitenden Garden.

Auf ein Zeichen des Herzogs blieb Herr von Fargy unbeweglich; Buckingham trat mit spöttischer und ver­ächtlicher Miene zu dem ^Gefreiten, der erstaunt vor ihm zurückwich.

Ich glaube, Herr, daß Sie mir die Ehre anthaten, mit mir zu reden, sagte der Herzog."

Herr, ich kenne Sie nicht, erwiederte der von der Kühnheit des Edelmannes bestürzte Gefreite. Sie kön­nen sich entfernen."

Ich will mich nicht entfernen, Herr, sagte Bücking, Ham, immer näher tretend. Sie erwiesen mir, glaube ich, die Ehre, mir Schweigen zu gebieten."

Herr, wollen Sie sich der Verhaftung Ihres Freun­des widersetzen? sagte der Gefreite eingeschüchtert. Ach­tung, Ihr Andern!"

Buckingham berührte beinahe den Gefreiten, der bleich ward und große Tropfen schwitzte.

Sie sind der Erste, der sich erlaubt, mit dem Hut auf dem Kopfe zu [mir zu sprechen, Taugenichts, der Sie sind!"