Der Wanderer.
■ Beiblatt zur Nassauische» Allgem. Zeitung.
1849. — â 138.
t Die sieben Küsse Buckinghams.
(Fortsetzung)
Aber Rochefort hielt sich nicht für geschlagen und über eine Hartnäckigkeit aufgebracht, an der das ganze kluge Manöver seiner Politik scheiterte, erwiederte er:
„$cb glaube nicht, daß Herr von Fargy die nämliche Unwissenheit vorschützen kann, er, dessen neuerdings unternommene Reise auf eigenthümliche Arr mit den Projekten übereinzustimmen scheint, auf die ich anspiele, und wenn Sie nur wollten. .."
„Ach! wenn ich nur wollte.. . darin liegt es eben, sagte Frl. von Angennes, ihren Unwillen unter einem Lächeln verbergend. Aber was soll ich denn wollen, Herr Graf? erklären Sie sich. Wenn ich die Königin verrathen wollte, war das nicht der Sinn Ihrer Rede?"
„Die Königin verrathen ! wiederholte Rochefort mit einer Miene tiefen Erstaunens. Gott bewahre mich davor, jemals die Achtung zu verletzen, die ich Ihrer Majestät schulde. Ich habe kein Wort davon verlauten lassen. Ich wollte Sie nur benachrichtigen, mein Fräu, lein, daß gerade eine Lieutenantsstelle bei den Chevaur- legerS vakant ist, sie Herrn von Fargy unter irgend einem Vorwande anbieten zu können..."
„Ah! eS bedarf dazu eines Vorwandes! sagte Katharina."
„Ei doch, Sie begreifen wohl, daß Monseigneur so viele Dienste zu belohnen hat! und gewiß, Herrn von Fargy würde ieS leicht sein, seine sGnade zu verdienen und sein Wohlwollen zu erlangen!"
„Reden Siel reden Sie! sagte hastig Katharina!"
„Sie gehört uns, dachte Rochefort. Nehmen Sie an, fuhr er fort, daß eine an die Königin gerichtete Botschaft in des Grafen Hände fällt, eine Botschaft, welche die Ruhe dieser tugendhaften Fürstin stören könnte, wäre
es dann nicht die Pflicht eines seinem Könige ergebenen UnterihanS, sie lieber Sr. Eminenz zu übergeben als der großen Dame, für welche solche Episteln ebenso viele Beleidigungen sind."
Fräulein von Angennes lächelte nochmals auf gezwungene Weise, und ihre Hand gegen ihr von Unwillen erfülltes Herz drückend, erwiederte sie ruhig:
„Ich weiß nicht, ob ich mich täusche, mein Herr, doch habe ich oft gehört, daß man Leuten, die eine solche Rolle spielten, Verräther und Spione nannte. Auch ist Herr von Fargy noch so neu am Hofe, daß er sich, vielleicht der Einzige, von Vorschlägen beleidigt fühlen könnte, auf die viele Edelleute unserer Bekanntschaft stolz seyn würden! Es ist gut, daß Sie mich für leichtsinnig und unbesonnen genug hielten, um sich an mich zu wenden, die nur ein Weib ist und für eine Beleidigung keine Rechenschaft fordern kann!"
Die Stimme der Ehrendame war sanft, natürlich und ohne Ironie geblieben, so daß Rochefort dadurch getäuscht wurde und bei sich dachte:
„Die Spitzbübin! Sie macht sich theuer, ist aber entschlossen, sich zu verkaufen; es handelt sich nur darum, den Preis zu setzen."
„Mein Fräulein, erwiederte er, eine Lieutenantsstelle bei den Chevaurlegers ist nicht das letzte Ziel, wonach der rechtmäßige Ehrgeiz des Herrn von Fargy streben kann. Er wird da eine glänzende Gelegenheit haben, seine großen Fähigkeiten zu entwickeln, denn wir kennen ihn als Mann von Muth, Erfahrung und Klugheit."
„So wählen Sie also, warf Katharina ein, die Offiziere Ihrer Armeen auö Verrâthern und Spionen. ES ist nicht mehr nöthig, daß man sein Erbtheil aufwendet, um sich zu equipiren, es ist nicht mehr nöthig, daß man mit seinem Blute die spanischen Linien röthet, indem man im feindlichen Kugelregen eine Verschanzung er-