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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen Allgcm. Zeitung.

1849. â 130.

i Die sieben Küffe Buckinghams

(Fortsetzung)

Ein Blitz des Hasses zuckte in den Augen der Frau von Lannoy.

Ja, ja!" fuhr Anna von Oesterreich fort,ich be­trachte es als eine große Ehre für mich, daß die Königin Anna von Bretagne den Einfall gehabt hat, die Ehren­fräulein anzustellen. Ich sehe gern in meinen betrübten Tagen ein junges schönes Gesicht. Dann bedarf auch ein leidendes Herz eines Herzens, das eS versteht und tröstet, eines Herzens, das durch den Frost deS Alters und der Erfahrung noch nicht ausgetrocknet ist."

Ich bin daher glücklich," erwiederte die Gräfin in stechendem und arrogantem Tone,Ew. Majestät an­kündigen zu können, daß Sie in dieser Beziehung völlig befriedigt werden."

Ich bitte um eine Erklärung, liebe Frau vonLannoy."

Ein Kurier des Herrn von Richelieu hat mir diesen Morgen neue Instruktionen überbracht, die mich nöthigen, Ew. Majestät nach Paris vorauszugehen, um dort die Veränderungen zu leiten und zu überwachen, die in Ihrer Wohnung vorgenommen werden sollen."

Müssen wir bald Ihre theure Gegenwart betrauern, Frau Gräfin?" unterbrach lebhaft die Königin mit be­trübter Miene, die jedoch zu affektirt war, um nicht ihre ironische Absicht durchschimmern zu lassen.

Ich werde den Schmerz haben," antwortete die Lannoy im selben Tone,'in fünf Tagen Abschied von Ew. Majestät zu nehmen."

Ich werde also allein hier bleiben, mir selbst über­lassen und ohne Mentor," sagte die Königin;daö ist doch eine schreckliche Lage."

Beruhigen Sie sich, Madame," erwiederte hie Gräfin.Um mich während meiner Abwesenheit zu er­

setzen, wünscht der König, daß die sieben Ehrendamen, die Sie nach Amiens begleitet haben, und denen es ge­stattet war, während der Zeit, wo sie den Dienst nicht hatten, in der Stadt zu wohnen, bei meiner Abreise in Ihrer Wohnung und um Ihre Person bleiben sollen."

Die Königin erbleichte.

Ich habe bereits die nöthigen Befehle ertheilt, fuhr die Gräfin fort, um die Zimmer in Bereitschaft zu setzen."

Die Königin beobachtete Schweigen. Sie begriff die ganze Tyrannei und Beleidigung dieser neuen Maßregel, die Haß und Mißtrauen hervorriefen, doch hatte sie zu viel Stolz, um sich in Gegenwart der Gräfin darüber zu beklagen.

In diesem Augenblicke übergab ein Page an Frau von Lannoy einen Brief für die Königin.

Wer schreibt mir?" fragte Anna von Oesterreich nachlässig.

Jemand, den ohne Zweifel noch ungünstige Winde zu Boulogne zurückhalten," erwiederte die Gräfin.

Dann wandte sie sich an den Pagen und fragte ihn, wer den Brief gebracht habe.

Der Herr Herzog von Buckingham in eigner Per­son," war die Antwort.Se. Erzellenz befindet sich ge­rade bei der Königin-Mutter, um seine Aufwartung zu machen."

Buckingham!" rief wider ihren Willen die Königin, deren Stirne sich sogleich mit Röche überzog, als wenn sie durch diesen Ausruf das ganze Geiheimniß ihres HerzenS verrathen hätte.

Der Herzog von Buckingham zu Amiens!" rief die Gräfin ganz erstaunt.

Sie sprang hastig auf, und stürzte aus dem Zimmer in einer Unruhe, die kaum die Nachricht von einer schreck, lichen Katastrophe gerechtfertigt hätte.

Die Königin war ebenso unruhig und bewegt, sie