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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Mgem. Zeitung.

1849. Ns 185 & 186.

i Die sieben Küsse Buckinghams.

(Fortsetzung)

Sagen Sie lieber Spion, das ist das rechte Wort," sagte der Unbekannte.

Ja, Spion Sr. Eminenz ist, so wird man sehen müssen, wie die Glücksträume wie eine zerplatzte Seifen­blase schwinden."

Es ist schrecklich!" rief der Unbekannte.

Es ist unerträglich! bemerkte der Andere, und wenn ich Feuer an den Palast des Kardinals legen sollte."

Teufel! Sie sind eilig! Doch scheint mir, daß Sie noch nicht zu diesem Mittel zu greifen brauchen. Wenn ich den Sinn Ihrer Worte recht verstanden, so werden Sie geliebt."

Ja! Glücklicherweise kann alle Macht des Mini­sters das nicht hindern."

Dann müssen Sie ruhig seyn, denn Hindernisse er­höhen nur die Leidenschaft einer Frau; und Ihre Ge­liebte wird sich weder durch Drohungen einschüchtern, noch durch Anerbietungen verleiten lassen."

Ach, ich bin unruhiger, als ich zu zeigen wage."

Warum denn?"

Weil meine Geliebte einen ganz kleinen Fehler hat, den ich gern übersähe, wenn ich schon ihr Gatte wäre, der mich jedoch ängstigt, so lange ich nur ihr Geliebter bin. Es fehlt ihr an Energie. Wenn Richelieu ihr be­fehlen sollte, einen Andern als mich zu heirathen, wird sie nicht gehorchen. Aber ihr Widerstand wird sich nicht so weit erstrecken, über den Willen des Tyrannen zu tri- umphiren, indem sie mich wieder seinen Willen heirathet."

Ihre Sache ist noch nicht ganz verloren. Die Ge­wißheit, geliebt zu seyn, muß Ihren Muth aufrecht erhal­ten. Vielleicht sind Sie nicht so glücklich, diejenige zu sehen, die Sie lieben?"

Dann müßte man sie in ein Kloster einschließen, rief der junge Mann ungestüm, und noch sind die Klöster keine uneinnehmbare Festungen."

Sie sind glücklich, daß Sie so leicht Ihre Geliebte sehen, sagte der Unbekannte mit seinem tiefen Seufzer, doch ich begreife Ihren Kummer, wenn Sie keine heimliche Unterhaltung mit ihr erlangen können, eine Unterhaltung, wo zwei Herzen sich ergießen, ohne ein indiskretes Auge, das sie boshafter Weise beobachtet, ohne unbequeme Zeugen, welche die Worte der Liebenden erkalten und sie jede Ge- berde und jedes Lächeln zu berechnen zwingen."

Ich kann sie in der That nur zu selten sprechen, sagte der Ergefangene, höchstens einmal alle Abende.

Der Unbekannte brach in Lachen aus.

Sie beklagen sich noch!" rief er.

Aber, Herr, Sie begreifen also nicht, daß ich keine andere Sonne als die Augen meiner Herrin habe, daß dort, wo diese nicht ist, Alles um mich herum sich ver­dunkelt. Die Luft, die ich einathme, ist bitter für mich, wenn sie nicht zuvor durch ihre Lippen geht. Ja, ich er­dulde die Qual des Tandalus. Ich sehe meine liebe Katharina an, wie ich ein gefühlloses Bild betrachten würde. Ich spreche mit ihr, wie ein Dichter mit seiner Iris spricht, und ein Narr mit dem Stern, in den er verliebt ist . . ."

Mit dem Unterschiede, daß Ihre Iris oder Ihr Stern Ihnen antwortet."

Ja, aber ich kann sie nicht an meine Brust drücken und sie unter meinen Küssen zittern machen. Gibt es einen unglücklicher« Liebenden als mich?"

Was würden Sie denn von dem sagen, Ritter, der die Frau, die er liebt, nicht einmal sehen kann, der sie nur von fern anbeten darf, wie eine Göttin, in deren Heiligthum er nicht eindringen darf, der sich Flügel oder den unsichtbar machenden Ring wünschen muß, um ein