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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgcm.

1849. .1" ISS

i Die Sieben Küsse Buckinghams.

(Fortsetzung)

Mit dem Sergeanten sah es noch schlimmer auS: nicht der geringste Anschein einer schwachen Stelle, an der man ihn angreifen konnte. Nach dem zweiten Glase hatte er um Gnade gebeten.

Wie, mein Braver, Sie blasen nach dem ersten Scharmützel zum Rückzüge?"

Wenn Sie gütigst erlauben, Herr Edelmann."

Ich erkläre Ihnen, daß ich es nicht im Geringsten erlaube."

Ich werde dann ungeachtet meiner Ehrerbietung gegen Sie Ihre Erlaubniß unbeachtet lassen."

Ich glaube gern, daß Sie wichtige Gründe haben, so zu handeln."

Ganz gewiß, und um bei Ihnen nicht für unhöf­lich zu gelten, verlange ich nicht mehr, als Ihr Urtheil darüber zu hören."

Ich höre."

Zuerst, Herr Edelmann, müssen Sie erfahren, daß ich einen Abscheu vor dem Wasser habe..."

Hindert Sie denn daS, Wein zu trinken?"

Gerade das; hören Sie: Eines Tages verließ ich mein Dorf, wo ich einige Wochen in Urlaub zugebracht. Meine Verwandten und Freunde gaben mir das Geleite, und da ich eben so viele Freunde zählte, als Häuser im Lande waren, so lasse ich Sie bedenken, in welchem Zustande ich mich nach der letzten Station befand. Das hinderte mich indeß nicht, ziemlich fröhlich im star- ken Galopp meines Pferdes wegzureiten, daS meine zit­ternden Beine unwillkürlich anspornten. Ich ritt auf's Gerathewohl dahin durch Wälder, über Wiesen und Fel­der, als plötzlich mein Pferd vor einem Hindernisse stehen blieb, daS ich nicht sehen und beurtheilen konnte; ich

stachelte daS Thier heftig mit den Spornen: es bäumte sich; ich spornte es nochmals, eS machte einen Seiten­sprung, so daß ich wie eine Rakete in die Luft geschleu­dert wurde... Ehe ich mich's versah, lag ich mitten in einem kleinen Flusse, in dem ich unfehlbar umgekommen seyn würde, wenn nicht gute Landleute, die sich in der Nähe befanden, zu meiner Rettung herbeigeeilt wären. Das Wasser, das ich verschluckt, machte mich schrecklich krank, so daß ich zu sterben dachte. Die Lektion war stark, ich benutzte sie; ich that den friedlichen Schwur, daß niemals mehr in meinem Leben ein Tropfen Wasser in meinen Magen kommen solle, und um mich vor jedem ähnlichen Zufalle, wie der war, dessen Opfer ich gewesen, sicher zu stellen, faßte ich den Entschluß, niemals mehr auch dem leichtesten Weine zu gestatten, Herr über mich zu werben. Auch hatte ich schon einige Schoppen ge­trunken, als Sie in dies Wirthshaus traten; verschonen Sie mich daher mit Weiterem."

Dies paßte nun allerdings nicht zu der Absicht deS Reisenden, doch was wollte er machen? Er mußte einen Entschluß fassen.

Es ist wahr, von den Dreien war Einer schon nicht mehr zu fürchten; doch blieben noch zwei völlig kräftig an Körper und Geist; sie offen angreifen, hieße sich in Gefahr bringen und zugleich den Erfolg der Unterneh­mung vereiteln; in Betreff der Gefahr schien der Fremde tapfer genug, um nicht davor zu erschrecken; so jedoch strengte er seinen Geist an, um ein weniger verwegenes und sicheres Mittel zu ersinnen, eS geschah ja einzig im Interesse des Gefangenen.

Während er darüber nachdachte, war das Abendessen beendet; der betrunkene Bogenschütze fuhr fort zu schwatzen, zu lachen und zu singen; der andere neckte Jeannette, die, aufrichtig gesagt, es ziemlich übel aufnahm, da sie,