Der Wanderer.
Belletristische Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1849. — M 180.
f Die Sieben Küsse Buckinghams.
(Fortsetzung)
„Das versuchte ich schon eine Stunde, solange man mich hier eingesperrt hat! Aber alle meine Anstrengungen sind gescheitert. Ich habe ein Faß hierher gerollt und mich darauf gestellt, um dieses Luftloch zu erreichen, aber das Mittel, einen Ausweg zu finden? kaum kann mein Arm sich bewegen. Als Sie kamen, dachte ich über das Mittel nach, diese Oeffnung zu erweitern."
„Das ist meine Idee; ^.vielleicht gelingt es uns Beiden."
„Bah! Wie Sie sehen, sind die Steine von verzweifelter Härte und ausgezeichnet gemauert. Ich wollte, der Besitzer dieses Wirthshauses und der Maurer wären bei allen Teufeln!"
„Warten Sie, ich habe einen Dolch von ausgezeichnetem Stahl..."
„Der wie Glas beim ersten Stoße zerbrechen wird; übrigens, um eine hinreichende Oeffnung zu machen, bedürfen wir zehnmal mehr Zeit, als wir haben."
„Das ist richtig."
Beide überließen sich dem Nachdenken.
„Gottes Tod! ich finde nichts! rief der Gefangene nach kurzem Schweigen; nur, jemehr ich nachdenke, bin ich immer mehr entschlossen, den Kardinal um das Vergnügen zu bringen, einen neuen Kopf abschneiden zu lassen. Geben Sie mir Ihren Dolch. Ich schwöre Ihnen bei meiner Seele, daß die Leute Sr. Eminenz mich nicht lebendig herausholen sollen, und bevor ich sterbe, tverde ich mir noch den Trost wenigstens verschaffen, Einen von ihnen auf dem Sande zu betten."
„Sie haben immer noch Zeit, zu diesem äußersten Mittel zu greifen, erwiderte der Ritter; die Nacht ist
lang, und bis morgen kann viel geschehen... Wie groß ist die Zahl der Bogenschützen, die Sie arretirt haben?"
„Es sind ihrer vier, doch bitte ich Sie, zu glauben, daß es ihnen md)t leicht geworden wäre, mich zu fangen, wenn ich nicht ganz betäubt von meinem Falle gewesen wäre."
„Sich gegen vier zu vertheidigen ist zwar nicht unmöglich , doch etwas Anderes ist es, sie dahin zu bringen, um Gnade zu bitten. Es wäre Tollheit, an einen offenen Angriff zu denken, ich möchte List vorziehen."
„Was ist Ihre Absicht?"
„Ich weiß es noch nicht, doch rechne ich viel auf den Zufall und irgend einen guten Einfall. Hier ist mein Dolch; wenn ich kein Glück habe, so machen 'Sie möglichst besten Gebrauch vavon. Ich habe meinen Degen, der genügt mir. Haben Sie Geduld, mein Edel, mann; vertrauen Sie meinem guten Willen, und seyen Sie überzeugt, daß es nicht meine Schuld ist, wenn Sie morgen nicht in Freiheit sind."
Der Ritter stand auf, drückte dem Gefangenen die Hand und stieg wieder zu Pferde. Er ritt langsam ohne Geräusch zurück; als er jedoch 2— 300 Schritte weit war, machte er Kehrt und galoppirte an die Thüre des Wirthshauses zurück, wo er an dem innern Lärmen durch Rufen, Fluchen und Klopfen sich betheiligte.
Doch nicht ohne Mühe gelang es ihm, sich hörbar zu machen; seine Ungedulv, so erheuchelt' sie auch war, begann eine wirkliche zu werden, und schon dachte er daran, die Thüre einzutreten, als sie sich endlich öffnete, und den Blicken des Ritters der herrlichste Schmeerbauch von Wirth, der sich denken läßt, erschien.
„Sie haben schön auf sich warten lassen, Meister Wirth!"
Ein ziemlich unverschämtes Lächeln zeigte sich statt der Antwort auf den Lippen des Wirthes. Das einfache