Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
' 1849. — â 118.
f Die Sieben Kliffe Buckinghams
(Fortsetzung)
Die Königin fuhr mit erzwungener Ruhe fort:
„Oh! ich kenne meine Pflicht, Katharina. Ich weiß, daß ich mich beklagen kann über bie Mißachtung... über die Abneigung des allerchristlichsten Königs... aber ich darf mich nicht dafür rachen. Seine Vernachlässigung würde einen Fehltritt nicht entschuldigen, denn die Fehltritte einer Königin sind Verbrechen, und mein Stolz würde mir nicht einmal erlauben , daran zu denken .... Ich habe mich in mein Schicksal ergeben, Katharina."
„Armer Herzog!" murmelte das schöne Mädchen.
„Du klagst, liebes Kind, sagte Anna von Oesterreich sanft, während ich zu vergessen suche und mich bemühe, sein Andenken aus meinem Geiste, sein Bildniß aus meinem Herzen zu löschen."
„Sie besitzen eine Charakterstärke, die ich nicht haben würde, Madame, bemerkte Katharina von Angennes. Ich kann Sie nur wie immer bewundern, denn Sie zeigen sich weit erhaben über die andern Frauen, deren Seele so gebrechlich und schwach ist."
Bei diesen, mit einem gewissen ironischen Vorwurfe ausgesprochenen Worten brach die stolze Königin in Thränen aus, die an der Spitze ihrer langen Augenwimpern wie Perlen zitterten.
„Oh! das täuscht Dich, meine Liebe, rief sie dann aus; doch ich habe Unrecht, nicht ganz offen gegen Dich zu seyn. Ja, mein Kind, ich befürchte, zu streng gegen den Mann gewesen zu seyn, der allein es gewagt hat, mich zu lieben. Wenn es auch zu meiner Pflicht gehörte, eine strafbare Liebe nicht zu ermuthigen, so hätte ich ihm doch wenigstens einiges Mitleid zeigen sollen. Als er mich verließ, bat er mich nur um ein Andenken zur Tröstung seines stummen Leidens, das er in seine Seele wie
in ein Grab verschließen müsse. Er wünschte, daß auch in der Ferne mein Bild stets seinen Augen gegenwärtig sey, wie es in sein Herz eingegraben ist... Ich schlug es ab; das ist eine Grausamkeit, nicht wahr, Katharina? eine Grausamkeit, die ich schon bereut habe."
„Die ich schnell wieder gutmachen würde, wenn ich an Ihrer Stelle wäre," sagte das Ehrenfräulein.
„Kind, wie wolltest Du es anfangen?"
„Zuerst würde ich mein Portrait anfertigen lassen . . ."
„Denke, dieses Porträt wäre fertig," sagte die Königin und zog aus der Tasche ihrer Robe ein kleines Kästchen hervor, das sie Fräulein von Angennes überreichte.
„Ach! welche entzückende Aehnlichkeit!" rief diese, welche das Kästchen geöffnet und in den blassen Mondstrahlen ein herrliches mit Diamanten besetztes Medaillon emporhielt.
„Das Portrait ist wohl da, seufzte Anna von Oestreich, doch wir sind in Amiens, und Buckingham ist in Voulogne."
„Das Meer ist stürmisch, haben Sie mir gesagt, theure Herrin, und dadurch, daß die Reise von Madame sich nur um 3 oder 4 Tage verzögert, gewinnen wir dreimal mehr Zeit, als nöthig, um den Raum zurück, zulegen."
„Du denkst nicht an alle die Gefahren einer so kitz- lichen Mission. Wem soll ich sie anvertrauen?"
„Herr von Laporte hat Ihnen hinlängliche Beweise von seiner Ergebenheit geliefert, um nicht an seinem Eifer zweifeln zu können, Ihnen zu dienen."
„Ich hatte an ihn gedacht, erwiderte Anna von Oestreich kalt. Laporte ist ein tapferer und getreuer Edelmann, der sterben würde, um mir einen Kummer zu ersparen; doch ist er dem Kardinal sosehr verdächtig, daß