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Der Wanderer.

Bellktnstischcs Beiblatt zur Raffmischm Allgem. Zeitung.

1849. As 117

t Die Sieben Küsse Buckinghams.

(Fortsetzung)

Als Anna diese letzter« Worte aussprach, hatte sie den Ton ihrer vor Bewegung zitternden Stimme noch mehr gedämpft, als wenn sie von horchenden Spionen umgeben zu seyn glaubte.

Wie? sagte Fräulein von Angennes überrascht, hat sich ein Bote gefunden, der gewandt genug war, um zu Ihnen zu gelangen?"

Deine Ideen gehen zu weit, Kleine, erwiederte leb­haft die Königin. Ach nein! Niemand ist heimlich ge­kommen... Niemand hätte es auch vermocht... Auch weiß ich nicht mehr, als die Königin Mutter, die mir die Nachricht mitgetheilt hat."

Und diese Nachricht?" fragte die Kleine mit einem Ausdrucke ungewöhnlicher Neugierde.

Meine Schwester, die Königin von England, ist wohlauf in Boulogne angekommen, doch hat sie das Meer so stürmisch gefunden, daß eS ihr für mehrere Tage vielleicht unmöglich seyn wird, ihre Reise fortzusetzen," erwiderte Anna von Oestreich in einem Tone, dessen Ruhe erkünstelt schien.

Wie Schade, daß Madame Henriette diesen Unfall nicht vorhersehen konnte und zu AmienS blieb, bis das Meer sich gefällig zeigte! Wir hätten dadurch einige fest* liche Tage gewonnen."

Während wir jetzt uns in tiefer Traurigkeit und Langeweile befinden, sagte die Königin. Nicht wahr, Katharina, seit der Abreise meiner Schwester scheint Al­les um unS sein Aussehen verändert zu haben? Keine fröhlichen Spaziergänge mehr, keine Jagden, keine Tänze in den erleuchteten Gärten mehr! Nur einige frostige Unterhaltungen mit Marie von Medicis, das sind unsere einzigen Zerstreuungen. Schweigen und Leere herrscht

statt des Geräusches und der Menge, Tod statt des Le, benS in dieser vor kaum drei Tagen noch so belebten und fröhlichen Stadt!"

Und das Alles, weil eine Person weniger da ist!" seufzte Fräulein von AngenneS, wobei sie den Mund auf boshafte Weise vorzog.

Du hast Reckt, die Abwesenheit meiner Schwester setzte die schöne Anna mit etwas beunruhigter Stimme hinzu.

Von der Königin von England habe ich nicht spre- chen wollen, Madame."

Boshafte! sagte die stolze Fürstin, deren Wangen sich rötheten, was glücklicherweise die Dunkelheit verbarg. Aber ich habe Unrecht. Warum sollte ich Dir Etwas verheimlichen, da Du doch meine geheimsten Gedanken kennst? Ja, Katharina, ich würde alle diese Niedergeschla­genheit, diese Langeweile, diesen Kummer nicht empfinden, wenn er hier wäre. Das Leben schien mir ein Fest; ich sah ein Lächeln auf 'allen Gesichtern, ich glaubte mich nicht mehr verlassen, denn ich fühlte überall und immer einen brennenden Blick den Meinigen suchen. Ach Katha­rina, eS ist so schön, sich geliebt zu glauben und endlich zu begreifen, daß man bei den Schlägen seines Herzens lebt."

Ach! murmelte daS Ehrenfräulein, der Herzog von Buckingham ist ein so schöner Ritter und prächtiger Herr!"

Nicht wahr, unterbrach lebhaft Anna von Oestreich, nicht wahr, Kleine? Man möchte wohl so leicht Nie­mand mehr finden, der solchen edlen Anstand besitzt, dessen Sprache zu gleicher Zeit so zärtlich und achtungs­voll, dessen Herz so edelmüthig und treu ist! Läßt Bucking­ham nicht in Betreff der Courtoisie, der Anmuth und Größe die siebzehn jungen Herrn weit hinter sich, wor- aufber Hof von Frankreich stolz ist?"