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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Naffamschm 9(IIgcm. Zeitung.

1849. M 110.

Der f db war j c Bettler.

(Fortsetzung.)

In dem Augenblicke, als sie an Neptun vorüber­kamen, warf sich dieser auf den Boden und folgte ihnen kriechend. Nicht das mindeste Geräusch verrieth seine Bewegungen. Stille schlich er über den Rasen weg; jeder Fruchtbaum, jedes Blumengcstrâuch mußte ihm zum Schutze und Versteck dienen. Frau von Rumbrye schlug nicht denselben Weg ein, den sich ihre Gäste gewählt hatten, die ebenfalls in den Garten hinab gegangen waren, sie bog in einen Seitenpfad ein und betrat, von Carral begleitet, einen offenen Rasenplatz, in dessen Mitte sich ein Gebüsch mit Dahlien erhob.

Hier, sagte sie, können wir unbelauscht reden, und Ihr könnt Euch endlich erklären, Carral."

Neptun war indeß ebenfalls unter das Dahlien-Ge- büsch gekrochen.

Ich will ihn heute Nacht noch tödten, sagte Carral mit erstaunenswerther Kaltblütigkeit."

Neptun zitterte an allen Gliedern.

Wie willst Du es ansangen?" fragte die Marquise.

Ich werde ihn erdolchen," sagte Carral.

Sie werden sein Bett, fuhr er fort, am äußersten Ende des linken Flügels Herrichten lassen... Dort... dort.. .

Sein Finger bezeichnete das letzte Fenster des Flü­gels. Dem Bettler entging dieser Wink nicht.

Ich werde dafür Sorge tragen," sagte Frau von Rumbrye leise.

Keines der andern Zimmer in jenem Flügel ist bewohnt?"

Keines."

Gut. Ich werde das Fenster einschlagen, seine Uhr und sein Geld nehmen, und morgen wird man

überall erzählen, daß sich Diebe eingeschlichen hätten..."

Du bist ein guter Diener, sagte die Marquise, thue, wie Du gesagt, und Du wirst reichlich dafür be­lohnt werden."

Nach diesen Worten lenkten Carral und die Mar­quise ihre Schritte wieder dem Schlosse zu, dessen erhellte Fenster durch die Finsterniß leuchteten.

Der Bettler richtete sich in seiner ganzen Größe empor. Sein schwarzes Gesicht schaute über die Blüthen- kronen der Dahlien herab. Sein Blick verfolgte lange das Mörderpaar.

XIII.

Beim Mondscheine.

Lavier war von einem Diener in das für ihn be­stimmte Zimmer geführt worden , wo er bald sich zur Ruhe legte und einschlief.

Gegen ein Uhr Morgens ertönten drei leise Schläge an die Scheiben seines Fensters. Da er nichts hörte, wurde stärker geklopft; hierauf drückte eine Hand, um welche ein Sacktuch gewickelt war, eine Scheibe ein, wor­auf das Fenster geöffnet ward. Ein Mann sprang in das Zimmer.

Der Eindringling trat vor Laviers Bett hin; bei den Strahlen des Mondes erkannte man des Bettlers schwarzes Gesicht.

Er machte eine Geberde, als wenn er Lavier auf­wecken wollte, "besann sich jedoch bald eines Bessern, und lenkte seine Schritte dem Fenster zu, das er wieder schloß und dessen Vorhänge er sorgfältig zuzog, wodurch das Zimmer in tiefe Dunkelheit gehüllt ward. Dann legte er sich hinter LavierS Bett nieder.

Kaum war eine halbe Stunde verflossen, als die Thüre sachte geöffnet wurde. Carral erschien auf der Schwelle.

Der Mulatte schritt, eine Wachskerze in der Hand,